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01.10.2014

12:45 Uhr

Aktionärsvereinigung

DSW warnt vor Zalando und Rocket Internet

Aktien von Zalando und Rocket Internet sind laut Aktionärsvereinigung DSW kein gutes Investment für Privatanleger. Der weltweite Markt für Börsengänge sei „zu heiß“ gelaufen, sagen auch weitere Experten.

Die Zalando-Aktie startete mit einem Kurs von 24,10 Euro. Der Börsengang bringt dem Unternehmen gut 600 Millionen Euro ein. dpa

Die Zalando-Aktie startete mit einem Kurs von 24,10 Euro. Der Börsengang bringt dem Unternehmen gut 600 Millionen Euro ein.

FrankfurtDie Aktionärsvereinigung DSW warnt Privatanleger vor dem Kauf von Aktien des Online-Modehändlers Zalando und des Internet-Konglomerats Rocket Internet. „Vorsicht vor einem neuen Neuen Markt. Das ist nichts für sicherheitsbewusste Privatanleger“, sagte DSW-Vize-Präsident Klaus Nieding am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. „Es ist ein spekulatives Investment.“ Der Kauf von Zalando-Aktien, die bei ihrem Börsendebüt am Mittwoch deutlich über dem Ausgabepreis von 21,50 Euro notierten, berge große Risiken, sagte Nieding.

Das Unternehmen habe in den vergangenen Jahren keine Gewinne erwirtschaftet. Zudem hätten die früheren Mehrheitsaktionäre weiter großen Einfluss. Noch kritischer sieht Nieding den für Donnerstag geplanten Börsengang von Rocket Internet; die Firma ist weltweit an Dutzenden Start-Ups beteiligt. Die meisten von ihnen schreiben rote Zahlen.

Die Anlegerstruktur bei Zalando

Verdere

Sitz: Schweden
Anteil vor dem Börsengang: 35,6 Prozent
Anteil nach dem Börsengang: 32,04 Prozent
Verdere ist Mehrheitseigentümer der schwedischen Gesellschaft Kinnevik. Deren Vorsitzende Cristina Stenbeck sitzt gemeinsam mit drei weiteren Kinnevik-Managern im achtköpfigen Aufsichtsrat von Zalando.

Global Founders GmbH

Sitz: Deutschland
Anteil vor dem Börsengang: 16,7 Prozent
Anteil nach dem Börsengang: 15,03 Prozent
Die Brüder Marc, Oliver und Alexander Samwer stecken hinter der Global Founders GmbH. Über diese Gesellschaft halten sie auch die Mehrheit an der Start-up-Schmiede Rocket Internet. In Zalando investierte das Dreiergespann über ihren European Founders Fund. Vorbild war der US-Schuhhändler Zappos.

Anders Holch Povlsen

Sitz: Dänemark
Anteil vor dem Börsengang: 10,48 Prozent
Anteil nach dem Börsengang: 9,43 Prozent
Anders Holch Povlsen ist ein Modeunternehmer, der den dänischen Textilhändler Bestseller leitet.

Yuri Milner

Sitz: Luxemburg
Anteil vor dem Börsengang: 8,14 Prozent
Anteil nach dem Börsengang: 7,33 Prozent
Der Milliardär Yuri Milner hat einst schon in Facebook investiert und dadurch Millionen verdient. Auch in Groupon, Zynga, Spotify und AirBnB steckte er Geld. Am Börsengang von Zalando will er ebenfalls mitverdienen.

Holtzbrinck Ventures

Sitz: Deutschland
Anteil vor dem Börsengang: 7,64 Prozent
Anteil nach dem Börsengang: 6,88 Prozent
Holtzbrinck Ventures ist eine Tochter der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck. Holtzbrinck Ventures investiert in Start-ups.

Tengelmann Verwaltungs- und Beteiligungs GmbH

Sitz: Deutschland
Anteil vor dem Börsengang: 5,63 Prozent
Anteil nach dem Börsengang: 5,06 Prozent
Tengelmann ist eher als Einzelhändler bekannt, investiert aber auch über seine Verwaltungs- und Beteiligungs-Gesellschaft in Neugründungen.

Len Blavatnik

Sitz: Luxemburg
Anteil vor dem Börsengang: 3,58 Prozent
Anteil nach dem Börsengang: 3,22 Prozent
Der US-Milliardär ist nicht nur bei Zalando aktiv, sondern hat auch schon Hunderte Millionen in Rocket Internet gesteckt. Das US-Magazin „Forbes“ schätzt sein Vermögen auf knapp 22 Milliarden Dollar. 2013 verdiente er allein sieben Milliarden Dollar mit dem Verkauf seiner Anteile am Unternehmen TNK-BP.

Rocket Internet will an der Börse 1,6 Milliarden Euro einsammeln und würde dann insgesamt mit bis zu 6,7 Milliarden Euro bewertet. Das Unternehmen wäre damit mehr wert als die Lufthansa, die derzeit auf eine Marktkapitalisierung von knapp sechs Milliarden Euro kommt. Nieding findet das absurd und fühlt sich an die Jahrtausendwende erinnert, als die Kurse defizitärer Internet- und IT-Firmen durch die Decke gingen. „Bei der Lufthansa haben Sie Flugzeuge, die Sie anfassen können, und ein Geschäftsmodell, das seit Jahren bewiesen hat, dass es Gewinne erwirtschaften kann“, sagte Nieding. „Bei Rocket Internet und Zalando kaufen sie – wie bei den Neuen-Markt-Werten – im Grunde genommen Hoffnung.“

Die Deutsche Börse hatte den Neuen Markt 1997 inmitten des Technologie-Booms geschaffen, damit junge Unternehmen rasch an Eigenkapital kommen. Bis 2000 erreichten die Kurse vieler Internetfirmen astronomische Höhen, bevor sie nach dem Platzen der „Dotcom-Blase“ abstürzten. 2003 wurde das Segment eingestellt. Der aktuelle Börsenboom ist laut Nieding darauf zurückzuführen, dass es auf der Bank kaum noch Zinsen gibt und Geld im Überfluss vorhanden ist. „Das ist eine rein liquiditätsgetrieben Hausse.“

Der weltweite Markt für Börsengänge sei heiß gelaufen, sagt auch Nigel Bolton, Fondsmanager beim weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, „zu heiß, wenn Sie mich fragen“. Nun schwappe die Welle nach Deutschland, sagte er dem Handelsblatt. Blackrock prüfe alle Börsenkandidaten. „Aber man darf sich nicht vom Hype um Börsengänge anstecken lassen.“

Von

rtr

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