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14.02.2017

13:24 Uhr

Aktionärszahlen

Deutsche bleiben Aktienmuffel

VonSusanne Schier

Die Zahl der Aktionäre und Aktienfondsbesitzer ist erneut gesunken. Viele Deutsche meiden die Börse, parken ihr Geld lieber auf dem Sparbuch - auch wenn es dort kaum Zinsen gibt. Doch es gibt auch ein positives Zeichen.

Handelssaal in Frankfurt: Die Zahl der Aktionäre in Deutschland ist wieder leicht gesunken. dpa

Börse in Frankfurt

Handelssaal in Frankfurt: Die Zahl der Aktionäre in Deutschland ist wieder leicht gesunken.

Trotz der extrem niedrigen Zinsen auf Sparkonten schrecken die Deutschen noch immer vor der Börse zurück: Im Jahr 2016 ist die Zahl der Aktionäre und Besitzer von Aktienfonds wieder leicht gesunken. Im Jahresdurchschnitt lag sie bei 8,98 Millionen. Das entspricht nur jedem siebten Bürger im Alter über 14 Jahre. Ein Jahr zuvor waren es noch 9,01 Millionen gewesen, der höchste Stand seit 2012. Das geht aus den Aktionärszahlen des Deutschen Aktieninstituts (DAI) hervor.

„Viel zu wenig Deutsche nutzen die Chance der Aktienanlage für Vermögensaufbau und Altersvorsorge“, kommentiert das DAI. Die Aktionärsquote beträgt gerade einmal 14 Prozent. Vor allem in den angelsächsischen und skandinavischen Ländern ist sie deutlich höher.

Die schlechtesten Anlagen 2016

Sparbuch

Seit Jahren lässt sich mit dem Sparbuch nichts mehr verdienen. So war es auch 2016. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro anlegt hat einen Gewinn von gerade mal 50 Euro – entsprechend von 0,05 Prozent gemacht. Immerhin verloren Anleger aber zumindest nominal – also ohne Berücksichtigung der Inflation – auch nichts.

Alle Angaben ohne Transaktionskosten. Stand 30.12.2016

Mexikanischer Peso

Dem mexikanischen Peso – dem zweitgrößten Verlierer der Hauptwährungen zum Euro – machte der Wahlsieg von Donald Trump zum US-Präsidenten zu schaffen. Kein Wunder, die USA sind Mexikos wichtigster Handelspartner, doch Trump will den Handel massiv besteuern und die Grenzen zu Mexiko dichter machen- auch wenn zuletzt vom dem im Wahlkampf propagierten Mauerbau nichts mehr zu hören war. Wer zu Jahresbeginn 100.000 Euro in mexikanischen Peso anlegt, verfügte Ende des Jahres jetzt nur noch über 89.510 Euro.

Britisches Pfund

Das knappe Votum der Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union schockte am 24. Juni Europa die ganze westliche Welt. Der britische Aktienmarkt erholte sich – wie auch andere europäische Börsen – von dem Schock zwar recht schnell und legte zweistellig zu. Doch das britische Pfund selbst steht weiter unter massivem Druck. Zum Euro hat es in diesem Jahr gut 13 Prozent verloren und damit so viel wie keine andere Hauptwährung. Aus 100.000 in Pfund investierten Euro wurden so nur noch 86.980 Euro.

Aktien China

Der Entwicklung der chinesischen Wirtschaft verunsichert Anleger weltweit seit anderthalb Jahren. Das spiegelt sich auch der Börse wider. Der Leitindex CSI 300, der die 300 größten Aktien Festlandchinas erfasst, verlor über elf Prozent. Da gleichzeitig der Yuan zum Euro weiter abwertete, bleiben Anlegern die 100.000 Euro in den Index investiert haben, nur 85.450Euro übrig.

Aktien Ägypten

In Ägypten gab die Zentralbank den Wechselkurs im November frei, das ägyptische Pfund stürzte ab. Der ägyptische Leitindex EGX 30 gewann zwar über 70 Prozent - Euro Anleger hatten aber am Jahresende von 100.000 investierten Euro nur noch 79.570 Euro übrig.

Aktien Ghana

Der Aktienindex der ebenfalls sehr kleinen Börse in Ghana, verlor ebenfalls stark. Von 100.000 Euro bleiben nur 77.840 Euro übrig. Die agrarisch strukturierte Wirtschaft des als Musterdemokratie auf dem Kontinent geltenden Landes, schrumpft. Das Land ist stark vom Export von Rohstoffen wie Gold, Öl, Kakao und Edelhölzern abhängig. Dabei steigen zwar im vergangenen Jahr viele Rohstoffpreise, doch der Kakaopreis brach um fast ein Drittel ein.

Aktien Nigeria

Deutsche Anleger, die 2016 an der kleinen nigerianischen Börse 100.000 Euro investierten, hatten Ende des Jahres nur noch 61.390 Euro auf dem Konto. Das lag vor allem daran, dass die Währung Naira im Sommer einbrach, nachdem die Zentralbank die Anbindung der heimischen Währung an den Dollar aufgab.

Auch hierzulande hat es um die Jahrtausendwende schon einmal mehr Aktionäre gegeben. Im Jahr 2001 besaßen 12,85 Millionen Deutsche Aktien oder Aktienfonds. Doch die schlechten Erfahrungen, die sie mit dem Platzen der Dot Com-Blase gemacht haben, halten viele Anleger bis heute von weiteren Börseninvestments ab.

Stattdessen sind Sparprodukte, die kaum Rendite abwerfen, beliebt: Insgesamt verfügen die Deutschen über ein Geldvermögen von 5,5 Billionen Euro, wie die Deutsche Bundesbank in ihrem aktuellen Monatsbericht schreibt. Fast 40 Prozent davon liegen auf gering verzinsten Giro- und Sparkonten. Immerhin haben die privaten Haushalte aber bis zum Ende des dritten Quartals 2016 per Saldo börsennotierte Aktien im Wert von 14,5 Milliarden Euro gekauft.

Kommentare (1)

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Frau Edelgard Kah

14.02.2017, 15:45 Uhr

Seit Menschengedenken lese ich jedes Jahr aufs Neue, dass die Deutschen Aktienmuffel sind. Die Gründe liegen zumeist darin, dass das Wissen über Finanzanlagen mehr als bescheiden ist. Viele Mitbürger fühlen sich bei diesem Thema hoffnungslos unterlegen. Und von einem Bankberater erwarten sie nur, dass der sie über den Tisch ziehen will.

Vor diesem Hintergrund darf eine Werbung für Aktienanlagen nicht abstrakt sein. Mit einem Rechenbeispiel und dem Ruf "Kauft Aktien" wird man niemand überzeugen können. Die Leute müssen viel enger an die Hand genommen werden. Das beginnt damit, dass man über asset allocation redet und klar sagt, dass Aktien nur ein Baustein der Geldanlage sein können.

Meiner Aufassung nach wäre es die vornehmste Aufgabe eines Instituts, das für Aktien werben will, auf der Grundlage von ETFs eine Reihe von Musterdepots aufzustellen und fortwährend zu betreuen.

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