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09.01.2007

06:00 Uhr

Aktiv versus passiv

Riskante Einzelwetten bei Indexfonds

VonChristian Kirchner

Es gibt objektiv einige Gründe, sich näher mit der Aktie von Sanofi Aventis auseinander zu setzen. Ein optisch niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13, eine Dividendenrendite von 2,5 Prozent und nicht zuletzt die Tatsache, dass die Hausse an den Aktienmärkten an der Aktie des französischen Pharmakonzerns seit knapp zwei Jahren weitgehend vorbei lief.

DÜSSELDORF. Doch nicht einmal die wildesten Hasardeure unter den Managern würden wohl auf die Idee kommen, die Aktie deshalb mit 64 Prozent in einem Fonds zu gewichten. Genau jene Gewichtung hat Sanofi Aventis aber im Indexfonds (ETF) Euro Stoxx 50 Healthcare des Indexfondsanbieters Indexchange.

Zugegeben: Der vom Indexanbieter Dow Jones Stoxx berechnete Branchenindex für Gesundheitsaktien der Euro-Zone ist ein Extrembeispiel. Doch auch andere europäische Branchenindizes und die dazugehörigen Indexfonds sind weit weniger diversifiziert, als es der Gedanke eines breiten Brancheninvestments suggeriert: Im Indexfonds Stoxx 600 Telecom ist Vodafone mit rund 27 Prozent vertreten, im Stoxx 600 Automobile bringt es DaimlerChrysler auf 30 Prozent, und im Euro Stoxx Technology-ETF der Handyhersteller Nokia gar mit 36 Prozent.

Damit wird auch der Kampf zwischen den aktiv verwalteten Branchenfonds und der Konkurrenz der passiven Indexfonds zu einem Duell mit ungleichen Waffen. Denn das Prinzip der Diversifikation und die Rahmenbedingungen des Investmentgesetzes zwingen die Verwalter aktiver Fonds dazu, die Gewichtung eines Titels auf zehn Prozent zu begrenzen. Die ETFs hingegen folgen sklavisch den Vorgaben des Indexanbieters - und können jede noch so hohe Gewichtung einzelner Aktien dank einer Ausnahmeregelung für Indexfonds ausreizen.

Für deutsche Privatanleger hatte dieses ungleiche Duell bislang eher philosophischen Charakter. Doch im abgelaufenen Jahr hat sich die Zahl der in Deutschland zum Handel zugelassenen Indexfonds auf zuletzt 170 verzweieinhalbfacht. Es ist daher absehbar, dass die Indexfonds auch bei dem nun einsetzenden Reigen von Preisverleihungen für die besten Fonds des Jahres 2006 eine weit größere Rolle spielen werden als bisher. Entwickelt sich das Schwergewicht eines Branchen-Indexfonds außergewöhnlich gut, im Beispiel etwa Sanofi Aventis, werden die Manager von aktiv verwalteten Fonds von dem entsprechenden Branchen-Indexfonds nur die Rücklichter sehen.

Ein Blick auf die aktuelle Indexzusammensetzung ist daher wichtig, denn das Manöver kann freilich auch schief gehen - wenn ein Indexschwergewicht ins Schlingern gerät. Anleger sollten sich daher darüber im klaren sein, dass die Wahl eines vermeintlich diversifizierten Indexfonds das ohnehin schon erhöhte Risiko gezielter Brancheninvestments zusätzlich erhöhen kann.

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