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14.10.2011

17:05 Uhr

Allianz-Chefvolkswirt im Interview

„Ein Schuldenschnitt ist jetzt zu riskant“

VonKirsten Krumrey

ExklusivRatingagenturen werfen mit Herabstufungen um sich - doch Dax und Euro legen zu. Paradox? Nicht unbedingt, meint Michael Heise. Ratingurteile werden nicht mehr auf die Goldwaage gelegt, so der Chefvolkswirt der Allianz.

Michael Heise ist Chefvolkswirt der Allianz. dapd

Michael Heise ist Chefvolkswirt der Allianz.

Handelsblatt: Ratingagenturen stufen Staaten und Banken herab, die Schuldenkrise in der Eurozone schwelt weiter. Doch Dax und Euro notieren am Freitag im Plus. Wieso geht es trotz der schlechten Nachrichten an den Märkte nach oben?

Michael Heise: Die Märkte sehen zweierlei: Die Konjunkturdaten haben sich nicht so negativ entwickelt, wie befürchtet. Ein Einbruch kündigt sich weder in den USA noch in der Eurozone an. Zudem erwarten die Märkte derzeit offenbar keine weitere Eskalation der Schuldenkrise.

Beeindruckt die Schuldenkrise Anleger nicht mehr?

Doch, aber gewisse Vorschusslorbeeren für die politischen Entscheidungen in der EU und die Hoffnung auf wirksame Maßnahmen spielen jetzt eine Rolle.

Also eine Mischung aus Hoffnung und Spekulation?

Die jüngsten Konjunkturdaten waren besser als erwartet. Das gibt den Märkten ein Fundament. Aber auch die Hoffnung auf Entspannung der Schuldenkrise schwingt mit. Die Politik muss nun liefern.

Was erwarten Sie denn von der Politik?

Ich rechne mit einem ganzen Paket an Maßnahmen, wenn sich am 23. Oktober die Staats- und Regierungschefs treffen. Auch die Märkte gehen davon aus, dass sie den Ernst der Lage erkannt haben.

Das heißt Schuldenschnitt für Griechenland?

Eher nicht. Mein Ratschlag ist, in dieser fragilen Lage keinen schnellen Schuldenschnitt zu machen. Der würde die Probleme nicht lösen. Im Gegenteil, es bestünde Ansteckungsgefahr. Erstmal sollten wir das bisherige Konzept auch wirklich umsetzen…

… und dazu gehört?

Vor allem die Reformen in Griechenland wirklich durchzusetzen. Darüberhinaus müssen die Staats- und Regierungschefs die finanzpolitische Integration vorantreiben und weitere Schritte in Richtung einer politischen Union gehen. Eine gemeinschaftliche Haftungsübernahme setzt voraus, dass die Gläubiger auch Einfluss nehmen können.  

Planspiel: Euro-Zone ohne Griechenland

Welche Folgen hätte ein Austritt Griechenlands aus dem Euro?

Die konkreten ökonomischen Folgen eines Euro-Austritts Griechenlands sind kaum vorhersehbar, da es eine vergleichbare Situation bisher noch nicht gegeben hat. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen sowohl für Griechenland als auch für die anderen Länder des Währungsraums verheerend wären. Experten befürchten schwere Konsequenzen für den europäischen Bankensektor - dem Hauptkreditgeber Griechenlands. Und da keine entwickelte Volkswirtschaft ohne gesunde Banken auskommen kann, würden auch Verbraucher und Unternehmen stark getroffen werden.

Welche Folgen würden sich für Griechenland ergeben?

Für Griechenland würde ein Euro-Austritt vermutlich den wirtschaftlichen Zusammenbruch bedeuten. Ohne Euro müssten die Hellenen wieder ihre alte Währung Drachme einführen, die vermutlich drastisch abwerten würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugute kommen.

Was würde sich am Schuldenstand Athens ändern?

Die in Euro aufgenommenen Altschulden würden infolge der Abwertung der neuen eigenen Währung drastisch steigen. „Selbst ein starker Schuldenschnitt würde Griechenlands Probleme dann nicht lösen, da das Land über Jahre hinweg vom Kapitalmarkt abgeschnitten wäre“, unterstreicht ein HSBC-Experte. Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher schon.

Ist ein Austritt Griechenlands im Interesse anderer Euro-Länder?

Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht. An den Finanzmärkten würden nach einem Euro-Austritt Griechenlands wohl schnell andere finanzschwache Länder unter starken Druck geraten, möglicherweise auch wirtschaftsstarke Länder. Denn letztlich könnte sich kein Investor mehr darauf verlassen, dass nicht auch andere Länder - möglicherweise in Verbindung mit einem Schuldenschnitt - aus dem Euroraum ausscheren. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden vermutlich drastisch steigen, und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraums ins Wanken geraten.

Welche Rolle spielt der Euro-Rettungsschirm EFSF?

Die neuen Instrumente müssen jetzt in Kraft treten. Sie können die Angst am Markt, dass alles außer Kontrolle gerät, reduzieren. Die EFSF sollte keine Ersatz-Bank werden. Und die Mittel müssen effizient eingesetzt werden – eine Aufstockung ist derzeit nicht möglich.

Kommentare (25)

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Account gelöscht!

14.10.2011, 17:11 Uhr

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Genau,
wen interessieren Schulden und die dazugehörigen Zinsen, die sich auf einer Festplatte auftürmen,

Eine Festplatte lässt auch eine Million Trilliarden Euro udn Dollars zu. Ein Festplattenschaden und schon sind die Schulden bei Null. Wer würde hier Sicherheitskopien anlegen.
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lowabras

14.10.2011, 17:19 Uhr

Klaaaar Her Heise, wie immer werden ihre Roboter warten, bis bei Euch alles in trockenen Tüchern ist. Habt wohl noch nicht alle Schrottpapiere über Eure Banken an die EZB sozialisiert, was?
Na ja, die Banken sind da direkter dran und schaffen das mit ihren eigenen Papieren schneller. Oder, was gut sein kann, habt ihr neu spekuliert, ist ja auch extrem lukrativ Anleihen mit einem Abschlag von 40-50% zu kaufen, verzinst mit bis zu 6% und die EZB damit zu tapezieren und den Nennwert zu kassieren.
Tjaaa, das kann man eben nicht bis zum, letzten Tag machen, das sollte aber ein intelligenter Investor wissen oder nicht?
Grüße von www.steuerembargo.co.de zum Schutz der Bevölkerung vor Euch Zockern, denn die Versicherungen sind noch Schlimmer als die Banken, hier mehr dazu: Lebensversicherung als legaler Betrug und die kapialvernichtenede Lebensversicherung und mehr http://steuerembargo.co.de/news/12-altersversorgung.html

Account gelöscht!

14.10.2011, 17:19 Uhr

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Wenn man die Schulden auftürmen kann, auch die nächsten Jahrhunderte. Darf man auch die Haben auftürmen.

UND UM DIE GEHT ES EIGENTLICH !
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