Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.01.2007

13:37 Uhr

Allianz Leben

Anleger wetten auf Nachschlag

VonRalf Drescher

Die Ankündigung der Allianz, die Tochterfirma Allianz Leben komplett zu übernehmen, hat am Donnerstag heftige Kursreaktionen ausgelöst. Hinter den massiven Käufen steckt die Spekulation auf eine höhere Zwangsabfindung für Kleinaktionäre, die das freiwillige Angebot der Allianz ablehnen.

Der Allianz gehören bereit 91 Prozent der Allianz-Leben-Anteile. Foto: dpa Quelle: dpa

Der Allianz gehören bereit 91 Prozent der Allianz-Leben-Anteile. Foto: dpa

FRANKFURT. Die Titel der Lebensversicherungs-Sparte gewannen in der Spitze 20 Prozent auf 800 Euro. Am Nachmittag pendelte sich der Kurs dann bei 775 Euro ein und lag damit deutlich über dem offiziellen Übernahmeangebot der Allianz für die ausstehenden Aktien in Höhe von 750 Euro.



Hinter den massiven Käufen steckt die Spekulation auf eine höhere Zwangsabfindung für Kleinaktionäre, die das freiwillige Angebot der Allianz ablehnen. Sobald der Münchener Konzern 95 Prozent der Aktien der Tochtergesellschaft hält, ist er berechtigt, die verbliebenen Minderheitsaktionäre über ein so genanntes Squeeze-out aus dem Unternehmen zu drängen. In der Regel zahlt er in diesem Fall eine höhere Abfindung. Wird der Beschluss zum Zwangsausschluss angefochten, ist in einem Schlichtungsverfahren sogar noch ein weiterer Aufschlag drin. „Zehn Prozent Prämie auf das ursprüngliche Angebot sind durchaus üblich“, sagt Holger Pfeiffer, der beim Bankhaus Sal. Oppenheim ein Basket-Zertifikat auf Squeeze-out-Kandidaten betreut.



Dass sich Geduld für Anleger auszahlen kann, zeigen die Beispiele der Allianz-Konkurrenten Axa und Generali. Die Franzosen boten Aktionären der Deutschland-Tochter Axa Konzern AG vor einem Jahr 129,30 Euro je Anteilsschein, um die Sparte von der Börse zu nehmen und kamen damit über die 95-Prozent-Schwelle. Anschließend beschloss die Hauptversammlung das Squeeze-out gegen eine Abfindung von 134,54 Euro. Das schlug bisher aber fehl, weil mehrere Aktionäre den Beschluss angefochten haben. Die Aktie der Axa Konzern AG kostet zurzeit 148 Euro.



Noch weiter ist die italienische Generali von der vollständigen Übernahme ihrer Tochter AMB Generali entfernt. Hier scheiterte im April 2006 bereits der Versuch, über ein freiwilliges Angebot in Höhe von 98 Euro die Squeeze-out-Schwelle zu überwinden. 15 Prozent der Aktien befinden sich auch heute noch im Streubesitz; gestern kosteten sie gut 112 Euro.



Der Allianz gehören bereits 91 Prozent der Allianz-Leben-Anteile. Ob die Münchener Mutter die 95 Prozent erreicht, ist dennoch unsicher. Experten raten jedenfalls von einer Annahme der freiwilligen Offerte ab: „Es hat sich bewährt, das erste Angebot nicht anzunehmen“, sagt Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).



Zwar verspricht die Allianz Anlegern, die auf die freiwillige Offerte eingehen, dass sie nicht schlechter gestellt werden als Aktionäre, die per Squeeze-out aus dem Unternehmen gedrängt werden. Da dieser aber erst auf der Hauptversammlung beschlossen werden kann, also gleichzeitig mit der Entscheidung über die Dividendenzahlung, verzichten Anleger, die ihre Papiere jetzt andienen, zumindest auf die Ausschüttung. Und die betrug für 2005 immerhin 30 Euro.



Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×