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05.04.2016

13:54 Uhr

Allzeit-Tief in Sicht

Bundesanleihe zeigt, wie blank die Nerven liegen

VonAndrea Cünnen

Die zehnjährige Bundesanleihe ist der Anker für den Markt europäischer Staatsanleihen – und strahlt auch auf Aktien ab. Die Rendite der Papiere fällt am Dienstag auf ein Jahrestief. Die Angst vor einem „Big Bang“ wächst.

Bundesanleihen sind momentan gefragt – schließlich gilt zumindest die Rückzahlung als sicher.

Minuszinsen

Bundesanleihen sind momentan gefragt – schließlich gilt zumindest die Rückzahlung als sicher.

FrankfurtAnfang des Jahres hatten viele Investoren deutsche Bundesanleihen schon mehr oder weniger abgeschrieben. Die Kurse könnten im Prinzip nur noch fallen und die Renditen im Gegenzug steigen. Das war der Tenor bei der großen jährlichen Umfrage des Handelsblatts unter mehr als 30 Banken. Damals lag die Rendite der am meisten beachteten deutschen Bundesanleihe – der mit zehn Jahren Laufzeit – bei 0,63 Prozent – und damit deutlich unter ihrem langjährigen Durchschnitt.

Doch die Banken haben sich getäuscht. Mit 0,08 Prozent hat die zehnjährige Bund-Rendite Dienstag, den 5. April, ein neues Jahrestief markiert. Mehr noch: Sie nähert sich rasant ihrem Allzeit-Tief. Dieses hatte sie am 17. April 2015 im Tagesverlauf mit 0,05 Prozent markiert. Der Kurs der zehnjährigen Bundesanleihe ist damit seit Anfang des Jahres um mehr als fünf Prozent gestiegen. Der Dax hat im gleichen Zeitraum mehr als zehn Prozent verloren. Gerade am Dienstag schalteten die Investoren dabei wieder in den „Risk-Off-Modus“ – ausgelöst unter anderem durch rückläufige Auftragseingänge der deutschen Industrie.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Selbst einen Fall unter die Marke von null Prozent schließen Banker bei der zehnjährigen Bundesanleihe jetzt nicht mehr aus. „Dies wäre ein historischer Schritt“, sagt Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank. Auch Jens Kramer, Leiter Volkswirtschaft und Strategie bei der NordLB, hält einen kurzfristigen Fall unter null Prozent für möglich. Die Strategen der Royal Bank of Scotland rechnen sogar fest damit, dass die zehnjährige Bund-Rendite bald auf minus 0,1 Prozent fallen wird. Christian Reicherter von der DZ Bank sagt: „Ein Big Bang kann nicht ausgeschlossen werden.“

Die zehnjährige Bundesanleihe setzen Investoren mit den sogenannten langfristigen Kapitalmarktzinsen gleich – daher die Bedeutung des Papiers. Grundsätzlich würde indes selbst eine negative Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe nicht viel ändern – schließlich rentieren Bundesanleihen mit einer Laufzeit von bis zu neun Jahren bereits seit längerem im Minus-Bereich. Das bedeutet, dass Anleger, die diese Papiere jetzt kaufen und bis zur Fälligkeit halten, einen garantierten Verlust machen.

Für den Run auf die Bundespapiere in diesem Jahr gibt es mehrere Gründe: Der schlechte Start der Aktienmärkte und die allgemeine Risikofurcht haben Investoren seit Jahresanfang verstärkt wieder in die „sicheren Häfen“ der Bundesanleihen getrieben. Dabei machten vor allem der fallende Ölpreis, die Sorgen um China und die allgemeine Furcht vor einer weltweiten Rezession die Anleger nervös.

Bundesanleihen sind in einem solchen Umfeld gefragt – schließlich gilt zumindest die Rückzahlung als sicher. Die Ängste um die Weltwirtschaft haben sich zwar wieder etwas gelegt, doch dafür kommt jetzt erneut die Europäische Zentralbank (EZB) ins Spiel.

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