Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.09.2014

10:36 Uhr

Alternativen zum Börsengang

An die Börse, fertig – los?

VonJulia Groth

Nicht immer laufen Börsengänge so glatt wie bei Alibaba. Der weltgrößte Schweinefleischproduzent hat sich dabei mächtig die Finger verbrannt. Das Beispiel zeigt: Es gibt gute Gründe, dem Börsenparkett fern zu bleiben.

Ein Börsengang ist nicht für jedes Unternehmen mit Kapitalbedarf die beste Lösung. Der Aufwand ist vor allem jungen Unternehmen oft zu hoch. Getty Images

Ein Börsengang ist nicht für jedes Unternehmen mit Kapitalbedarf die beste Lösung. Der Aufwand ist vor allem jungen Unternehmen oft zu hoch.

KölnIm zweiten Anlauf hat es doch noch geklappt: Die chinesische WH Group, der weltweit größte Produzent von Schweinefleisch, ging Anfang August in Hongkong an die Börse. Ein erster Versuch im April war gescheitert – es hatte zu wenige Interessenten gegeben. Beim zweiten Versuch setzte sich das Unternehmen ein bescheideneres Ziel als zuvor.

Ursprünglich hatte die Gruppe mit dem Börsengang rund fünf Milliarden Dollar erlösen wollen, nun wurde es knapp die Hälfte. Mit dem Geld will die Unternehmensleitung unter anderem die Schulden abbauen, die sie im vergangenen Jahr beim Kauf eines US-Konkurrenten gemacht hat.

So läuft ein Börsengang ab

1. Auswahl einer Emissionsbank

Hat sich die Führungsebene eines Unternehmens zu einem Börsengang entschlossen, sind diverse Vorbereitungen zu treffen. Zunächst müssen Gespräche mit Banken geführt werden, um einen geeigneten Partner bei der Durchführung des IPO zu finden. Im weiteren Verlauf wird in der Regel eine der Banken zum Konsortialführer bestimmt, oftmals gehören dem Konsortium weitere Banken an, die an der Emission ebenfalls beteiligt werden.

2. Durchführung einer Unternehmensanalyse

Um die geplante Gesellschaft zu analysieren, wird eine Due Diligence-Prüfung durchgeführt. In deren Verlauf wird der Unternehmenswert ermittelt. Die Analyse mündet in der Formulierung eines rechtlich verbindlichen Börsenprospektes, der Voraussetzung für den Handel an der Börse ist.

3. Roadshow

Im Rahmen einer so genannten Roadshow wirbt das Unternehmen auf Basis des Börsenprospektes Investoren für den eigenen Börsengang. Dabei werden die Informationen der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ziel einer Roadshow ist es darüber hinaus, das potenzielle Interesse an den Aktien des eigenen Unternehmens auszuloten.

4. Festlegen eines Emissionspreises

Nach der Roadshow legen die Konsortialbanken eine ihrer Meinung nach angemessene Preisspanne fest, in deren Rahmen die Unternehmensaktien gezeichnet werden sollten. Der Emissionspreis liegt gemeinhin im Rahmen dieser so genannten Bookbuildingspanne und wird in Folge festgelegt. Alternativ kann die Gesellschaft auch einen Festpreis bestimmen.

5. Zuteilung der Aktien

Nach Festlegung des Emissionspreises können die Anteilsscheine den Investoren zugeteilt werden. Dabei werden die Aktien öffentlich zur Zeichnung angeboten. Während dieser vorher festgelegten Zeichnungsfrist legen sich potenzielle Anleger auf eine bestimmte Stückzahl fest. Ist die Nachfrage nach Aktien größer als das Angebot, spricht man davon, dass der Börsengang "überzeichnet" ist. Dann wird bestimmt, wie die Anteilsscheine zugeteilt werden.

6. Erstnotiz

Nach erfolgreicher Zuteilung der Aktien werden die Papiere erstmals an den Börsenparketts gehandelt. Dabei wird ein erster Kurs festgestellt, die so genannte Erstnotiz. Von diesem ersten Börsenkurs ist abhängig, ob die Investoren – in Abhängigkeit von dem gezahlten Emissionspreis – Zeichnungsgewinne oder -verluste einfahren.

7. Regulärer Handel an der Börse

Die Anteilsscheine können nun regulär am Kapitalmarkt gehandelt werden. Allgemeine Informationen zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren können Sie zum Beispiel hier einsehen.

Quelle

Fällt ein Börsengang, auch als Initial Public Offering (IPO) bezeichnet, ins Wasser, gibt das betroffene Unternehmen gern dem Marktumfeld die Schuld daran. Die Bedingungen an den Finanzmärkten hätten sich überraschend verschlechtert, heißt es dann. Oder: Börsenturbulenzen hätten den IPO vereitelt. Das mag im Einzelfall stimmen. Solche Entschuldigungen sollten aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein Börsengang nicht für jedes Unternehmen ein geeignetes Mittel ist, um frisches Kapital zu beschaffen.

Ob ein IPO grundsätzlich in Frage kommt, lässt sich gut beantworten, denn die rechtlichen Vorgaben sind klar definiert. Um als börsenreif zu gelten, müssen Unternehmen in Deutschland die Rechtsform einer Aktiengesellschaft (AG), einer Europäischen Gesellschaft (EG) oder einer Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) besitzen. Die weiteren Voraussetzungen hängen vor allem davon ab, an welchem Handelsplatz und in welchem Börsensegment Unternehmen notiert werden wollen. Schwieriger als die Frage, ob ein IPO machbar ist, ist die, ob er auch sinnvoll ist.

Die Motive hinter einem Börsengang unterscheiden sich von Fall zu Fall. Manche Unternehmen wollen damit ihr Eigenkapital stärken, andere wollen Übernahmen finanzieren oder ihren Bekanntheitsgrad erhöhen. Bei jungen Unternehmen dient der Börsengang mitunter Investoren als sogenannter Exit, also als Weg aus der Beteiligung. Ob ein IPO das richtige Mittel ist, um das jeweilige Ziel zu erreichen, lässt sich nicht pauschal sagen. Firmeninhaber und Geschäftsleitung müssen allerdings gegebenenfalls mit den Nachteilen des Börsengangs zurechtkommen. Und die gibt es reichlich.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×