Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.06.2015

08:29 Uhr

Am Anleihemarkt zählt:

Liquidität, Liquidität, Liquidität

Die Kurse für Staatsanleihen brechen ein. Weil die US-Notenbank Fed bald die Zinsen erhöhen dürfte, verkaufen die Investoren lieber jetzt. Doch fürchten sie, die Papiere nicht rechtzeitig loszuwerden.

Gerade auf kleineren Märkten machen fehlende Mittel ist es derzeit schwer, Anleihen zu handeln. IMAGO

Zauberwort: Liquidität

Gerade auf kleineren Märkten machen fehlende Mittel ist es derzeit schwer, Anleihen zu handeln.

New YorkGroße Sprünge nach oben oder unten sind Anleihemärkten eigentlich fremd. Meist herrscht auf den Märkten für Schuldentitel Ruhe. Nicht so in den vergangenen Wochen. Dank Griechenland-Krise sowie Geldpolitik der Notenbanken gingen die Anleihekurse weltweit auf Tauchstation. Die Investoren stellt das vor neue Probleme. Denn eines ist derzeit knapp: Liquidität am Anleihemarkt.

Spanien zum Beispiel muss für Langläufer über 30 Jahre mehr zahlen als Italien, obwohl das Land von den Ratingagenturen als sicherer eingestuft wird. Der Grund: Italiens Bondmarkt hat das doppelte Volumen, verglichen mit Spaniens – und verfügt deshalb über die größere Liquidität, also Handelbarkeit der Papiere.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Ähnliches lässt sich weltweit beobachten: Anleihen aus kleineren Märkten, etwa Finnland, Singapur und Kanada, fallen bei Anlegern in Ungnade. Die Investoren bereiten sich auf eine Zinserhebung der US-amerikanischen Notenbank Federal Reserve. Sie wollen sicher gehen, dass sie zügig verkaufen können, sollten die Bondmärkte noch volatiler als jetzt.

„Liquidität ist das erste Kriterium bei der Länderauswahl”, sagte Olivier de Larouziere, Leiter europäische Zinsstrategie bei Natixis Asset Management mit rund 367 Milliarden Dollar (324 Mrd. Euro) verwaltetem Vermögen.

Sorgen, dass die Liquidität austrocknet, haben zugenommen. Erst im April dieses Jahres rutschten die Kurse an den Märkten so tief, dass mehr als eine halbe Billion Dollar an Wert von Staatsanleihen vernichtet wurden - ein Ereignis, das viele Händler als einmalig in ihrer Generation bezeichnen.

Der Mangel an Liquidität an den Märkten hat inzwischen auch die Politik erreicht. In den USA werden sich Aufsichtsbehörden demnächst mit Vertretern von Wall-Street-Häusern treffen. Sie wollen besprechen, wie vermieden werden kann, dass im Nachgang der Krise beschlossene Regulierungen und Notenbankbeschlüsse eine Kernschmelze auslösen, wenn die nächste Verkaufswelle an den Staatsanleihenmärkten kommt. Aberdeen Asset Management hat sich auf ein solches Szenario schon vorbereitet. Die Vermögensverwaltung hat zur Finanzierung möglicher Mittelabflüsse eine Kreditlinie über 500 Millionen Dollar vereinbart.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×