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27.01.2005

09:18 Uhr

AMF kritisiert Interessenkonflikt bei der Bezahlung für Bonitätsurteile

Französische Börsenaufsicht will Ratingagenturen stärker regulieren

Die französische Börsenaufsicht AMF (Autorité des marchés financiers) spricht sich für eine internationale Regulierung der Ratingagenturen aus. Dies fordert die AMF in ihrem ersten Bericht über die Arbeit der Ratingagenturen, der gestern vorstellt wurde.

ali PARIS. Die Börsenaufseher begründen ihre Forderung mit einem Interessenkonflikt, der dadurch entstehe, dass ein Unternehmen, die sich Geld am Kapitalmarkt besorgen will, die Agenturen für die Einstufung seiner Finanzkraft selbst bezahlt.

Die französische Börsenaufsicht bemängelt ferner, dass die von den Ratingagenturen sich selbst gegebenen Wohlverhaltensrichtlinien sehr unterschiedlich seien. Die AMF spricht sich daher für eine „Harmonisierung der Regeln und internen Kontrollverfahren auf internationalem Niveau“ aus. Dabei sollten auch die Frage der Transparenz bei der Auswahl einer Ratingagentur durch einen Emittenten und die anschließende Bezahlung für den Ratingprozess beleuchtet werden.

Der Markt für die Benotung der Solidität von Unternehmen wird derzeit von drei Akteuren weltweit dominiert: Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch. Kein Aufsichtsgremium überwacht bisher ihre Arbeit. Dabei verfügen die Ratingagenturen auf den Finanzmärkten über enormen Einfluss. Für Unternehmen ist es nur durch Zahlung enormer Zinszuschläge möglich, ohne ein Rating eine Anleihe am Kapitalmarkt zu begeben.

Die US-Börsenaufsicht SEC hatte bereits einen Anlauf unternommen, die Ratingagenturen zu überwachen. Allerdings ist dieses Vorhaben bis heute nicht realisiert worden.

Derzeit gibt es innerhalb der Europäischen Kommission Überlegungen, Gesetze zur Regulierung der Ratingagenturen zu erlassen. Dazu will das Komitee der europäischen Börsenaufseher CESR bis zum April eine Stellungnahme abgeben. Die AMF sieht ihren Bericht als einen Beitrag zur Diskussion.

In einer Stellungnahme teilte die Ratingagentur Moody’s mit, sie sei „im Grundsatz“ mit den Schlussfolgerungen der AMF einverstanden; dies betreffe vor allem den Ansatz der Aufsicht, die aufgeworfenen Fragen auf internationaler Ebene beantworten zu wollen. Unklar blieb dabei, ob Moody’s gegen eine Überwachung der Arbeit der Ratingagenturen ist.

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