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24.01.2007

14:54 Uhr

Analyse

Autoanleihen bieten nur wenig Risikoprämie

VonAndrea Cünnen

Anders als mit Autoaktien haben Anleger mit Autoanleihen im vergangenen Jahr nicht viel verdient. Das Umfeld anziehender Leitzinsen ließ auch die Renditen der Autobonds steigen – und damit deren Kurse fallen. Viele Experten befürchten, dass sich dieser Trend fortsetzen wird.

FRANKFURT. Die Kursverluste des vergangenen Jahres zehrten die Zinseinnahmen zum großen Teil auf, so dass unter dem Strich nur ein Plus von gut einem Prozent blieb. Immerhin hielten sich Autoanleihen etwas besser als Unternehmensanleihen aus vielen anderen Branchen.

Trotzdem sind die Zinspapiere der Autokonzerne auch auf den höheren Renditeniveaus von im Schnitt 4,4 Prozent für Emittenten mit Ratings im vergleichsweise sicheren Bereich Investment-Grade noch nicht attraktiv. Im Durchschnitt bringen Autobonds weniger als einen halben Prozentpunkt mehr Rendite als sichere Staatsanleihen und damit nicht mehr als vor einem Jahr. Viele Experten fürchten, dass die Kurse der Autobonds in diesem Jahr weiter fallen und die Risikoaufschläge im Vergleich zu Staatsbonds etwas steigen.

„Überkapazitäten und der intensive Preiswettbewerb belasten die Autobranche“, meint Markus Rohleder, Analyst für Autoanleihen bei der DZ Bank. Der Bank of America macht die nach wie vor hohe Bewertung vieler Autobonds Sorgen. Auch BNP Paribas empfiehlt, Autoanleihen im Rentenportfolio deutlich unterzugewichten.

Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) gewichtet die Papiere dagegen neutral. „Die Autoabsätze in Europa und den USA sollten in diesem Jahr stabil bleiben und damit die Bonität und die Anleihen der Konzerne stützen“, sagt Bernhard Jeggle, der bei der LBBW das Fundamental-Research für Unternehmensanleihen leitet.

Für Privatanleger, die Bonds bis zur Fälligkeit halten und sich zumindest etwas mehr Rendite als bei Staatsanleihen sichern wollen, empfiehlt Rohleder vor allem Autobonds von Konzernen mit guter Bonität und Ratings im Bereich Single-A wie BMW und Volkswagen oder die nicht von den Ratingagenturen bewerteten Bonds von Porsche. Mit ihrem eigenen Modell zur Bonitätsanalyse bewertet die DZ Bank die Kreditwürdigkeit von BMW eine Stufe höher und sieht Porsche im oberen A-Bereich.

Etwas risikofreudigeren Anlegern raten DZ Bank und LBBW, als Basisinvestment Zinspapiere von Daimler-Chrysler ins Depot zu nehmen. Die Ratingagenturen bewerten den Konzern im oberen BBB-Bereich. Auch wenn die Abspaltung der angeschlagenen Chrysler-Tochter derzeit als unwahrscheinlich erachtet wird, hätte dies unter Bonitätsaspekten für den Konzern positive Implikationen, meint Jeggle.

Einen negativen Ratingtrend sehen Experten dagegen bei den französischen Konzernen Peugeot und Renault, die besonders unter Margendruck leiden. Ratingherabstufungen erwarten Fachleute auch für Scania, falls die Übernahme der Schweden durch MAN doch noch gelingt. Kräftige Kurssteigerungen gab es 2006 lediglich bei den schon lange als riskant geltenden Junk-Bonds von General Motors (GM) und Ford. Die Situation habe sich zwar vor allem für GM nach dem Verkauf der Finanzsparte GMAC und Zugeständnissen der Gewerkschaften wieder etwas verbessert, meint Jeggle. Über den Berg seien beide Konzerne aber noch nicht. Rohleder hält für Privatanleger bei den Anleihen von GM und Ford das Chance-Risiko-Verhältnis für unattraktiv. So rentiert zum Beispiel eine in sechs Jahren fällige GM-Anleihe nur noch mit 7,3 Prozent nach über 15 Prozent zu Beginn des vergangenen Jahres.

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