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14.01.2005

13:15 Uhr

Analysten empfehlen die Zinspapiere des Bonner Konzerns aber als solide Investition

Deutsche Telekom bietet für neuen Bond nur wenig Rendite

VonAndrea Cünnen

Eine Auszeichnung für die beste Neuemission des Jahres wird die Deutsche Telekom für ihre in dieser Woche begebene Anleihe über drei Mrd. Euro wohl nicht bekommen. Dafür sehen Analysten und Fondsmanager bei dem Bond zu wenig Potenzial. Der Telekom gelang es aber dennoch, für ihre erste richtig große Emission seit gut zweieinhalb Jahren genügend Käufer zu finden und sich dabei günstig zu refinanzieren.

HB FRANKFURT/M. Auch das Volumen stimmte. Die Telekom hatte zwar angedeutet, dass sie auch vier Mrd. Euro aufnehmen würde, doch erklärtes Ziel war das nicht. In diesem Jahr plant sie keine weiteren großen Emissionen.

Die für den Verkauf des Bonds zuständigen Banken BNP Paribas, JP Morgan und UBS hatten am Mittwoch die endgültigen Konditionen für Zinsscheine und Ausgabekurse der beiden Tranchen festgelegt. Das zehnjährige Papier über 1,75 Mill. Euro hat einen Kupon von vier Prozent, die fünfjährige wird nominal mit 3,25 Prozent verzinst. Das entspricht Risikoaufschlägen gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen von rund 0,59 bzw. 0,46 Prozentpunkten. Gestern hielten sich die Kurse im Interbankenhandel recht stabil.

Die Anleihe bietet kaum mehr Rendite als vergleichbare ausstehende Zinspapiere der Telekom. Das stieß bei einigen Investoren auf Kritik. Einige große Fondsgesellschaften griffen nicht zu, dafür kauften unter anderem viele Versicherer den Bond. Insgesamt gab es Kaufaufträge über gut vier Mrd. Euro. „Investoren haben für die Anleihe einen fairen Preis bezahlt“, sagt Stephan Haber, Analyst für Unternehmensanleihen bei der Hypo-Vereinsbank (HVB).

In den vergangenen Jahren haben sich die Bonds der Deutschen Telekom – wie die meisten Telekom- und Unternehmensanleihen – hervorragend entwickelt. Bei der letzten großen Emission im Mai 2002 musste die Telekom für eine Anleihe mit zehnjähriger Laufzeit noch 3,08 Prozentpunkte mehr Rendite im Vergleich zu Bundesanleihen bieten, die damals ebenfalls höher rentierten als heute. „Im Vergleich zu den Finanzierungskosten gleicher Emissionsgrößen in den vorherigen Jahren könnte die Telekom mit dieser Emission etwa 60 Mill. Euro an Zinskosten sparen“, sagt Peter Varga, Fondsmanager bei Union Investment. Die niedrigen Refinanzierungskosten würden die Profitabilität der Telekom stützen. Das sei gut für das Unternehmen und damit auch für die Anleihebesitzer. Varga hält die Bonds der Telekom insgesamt für fair bewertet und erwartet, dass sie sich in der nächsten Zeit stabil halten werden. Als besonders großer Anleihe-Emittent gehöre die Telekom in jedes professionelle Bond- Portfolio.

Insgesamt gilt die Telekom schon lange wieder als solider Schuldner. In Europa ist sie klarer Marktführer, das Geschäft in den USA wächst kräftig, und der Konzern gilt als ausgesprochen liquide. Daneben hat die Telekom ihre Nettoverschuldung auf 39,9 Mrd. Euro kräftig gesenkt. Auch die Ratingagenturen, die die Kreditwürdigkeit der Telekom zwischenzeitlich herabgestuft hatten, attestieren ihr wieder eine bessere Bonität. Nach Heraufstufungen von Moody’s und Fitch im vergangenen Jahr erwarten Analysten, dass Standard & Poor’s (S&P) das Rating von „BBB+“ um eine Stufe auf „A-“ für Schuldner guter Qualität heraufstufen könnte. Denn der Rating-Ausblick bei S&P ist positiv. Fitch bewertet die Telekom bereits mit „A-“.

„Insgesamt dürfte sich die Kreditqualität der Telekom im nächsten Jahr aber nicht deutlich verbessern“, erwartet Haber. Deshalb und wegen der niedrigen Renditen erwartet er keine überdurchschnittliche Entwicklung bei den Bonds der Telekom und empfiehlt, diese im Portfolio neutral zu gewichten. In der zweiten Jahreshälfte fürchtet die HVB, dass die Renditeaufschläge von Unternehmensbonds leicht steigen.

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