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03.01.2011

12:59 Uhr

Anaylsten optimistisch

Briten reden sich ihren Aktienmarkt schön

Das historische Sparpaket der Regierung und die schärferen Regulierungsvorschriften für Banken lassen britische Analysten kalt. Auf der Insel empfehlen sie in diesem Jahr vor allem bei Bank- und Versicherungsaktien. Zudem halten sie das Pfund für besonders attraktiv.

Londoner Bankenviertel: Britische Analysten sehen trotz großer Risiken optimistisch ins neue Jahr. DAPD

Londoner Bankenviertel: Britische Analysten sehen trotz großer Risiken optimistisch ins neue Jahr.

LONDON. Auf den ersten Blick spricht einiges dagegen, gerade jetzt in britische Aktien zu investieren. Da ist zum Beispiel das historische Sparpaket, das die britische Regierung im Juni beschlossen hat. Es sieht allein für das kommende Jahr Einsparungen von 95 Milliarden Euro vor - und trübt die Wachstumsaussichten der britischen Volkswirtschaft. Zu den Schwergewichten im Leitindex FTSE 100 gehören außerdem viele Banken. Ihnen stehen im Zuge der Reformen von Basel III härtere Regulierungsvorschriften bevor. Die neuen Regeln zwingen die Geldhäuser, für ihre Geschäfte mehr Eigenkapital vorzuhalten. Sie könnten deshalb gezwungen sein, sich frisches Kapital zu verschaffen - was sich tendenziell negativ auf ihre Aktienkurse auswirken würde.

Britische Aktien gelten bei Analysten als unterbewertet

All dieser negativen Vorzeichen zum Trotz sind viele Analysten für den britischen Aktienmarkt sehr optimistisch. "Im weltweiten Vergleich sind viele Aktien unterbewertet", schreibt etwa Richard Buxton, Marktstratege beim Vermögensverwalter Schroders. Viele Unternehmen hätten zu Beginn der Krise Mitarbeiter entlassen und seien jetzt produktiver als zuvor. Buxton sieht für den FTSE 100 ein Kurspotential von 20 bis 25 Prozent. Auch Goldman Sachs hält Zuwächse von 20 Prozent für möglich. Damit würden die Gewinne von 2010 noch deutlich übertroffen: Da hat der Index etwa 10 Prozent zugelegt.

Zu den größten Gewinnern gehörten kleine Werte, wie der Maschinenbauer Weir Group mit fast 150 Prozent. Zwar sind nicht alle Analysten so optimistisch, doch die Grundstimmung ist positiv. Die japanische Investmentbank Nomura sieht den FTSE 100 Ende 2011 bei 6 250 Punkten, was immerhin einem Plus von fünf Prozent entspräche.

Gerade den Finanztiteln trauen die Analysten dabei überdurchschnittliche Gewinne zu. Ian Scott, Leiter der europäischen Aktienanalyse bei Nomura, sieht hierfür zwei Gründe: Zum einen seien Bankaktien niedrig bewertet, weil Investoren übertriebene Ängste vor einer schärferen Regulierung hätten. Zum anderen würden Banken und Versicherungen von steigenden Inflationserwartungen profitieren. Nomura geht davon aus, dass die Inflationsrate in Großbritannien von 3,2 im vergangenen auf 3,3 Prozent in diesem Jahr steigt - und damit über dem Zielwert der Bank of England von zwei Prozent liegen wird.

In der Regel hat dies zur Folge, dass auch die Anleiherenditen steigen. Die Versicherer erhalten für ihre Anlagen dann eine höhere Verzinsung und können ihren Kunden leichter die zum Beispiel bei Lebensversicherungen üblichen Garantieverzinsungen zahlen. Bei steigenden Vermögenspreisen sinkt außerdem das Kreditausfallrisiko der Banken. Aus Sicht von Goldman Sachs spricht für britische Bankaktien noch mehr: Sie sind nicht so stark in den Problemländern der Euro-Zone engagiert, dafür aber in boomenden Schwellenländern. Deshalb träfe sie eine Verschärfung der Eurokrise nicht so stark wie die Banken auf dem Kontinent.

Das Pfund hat gegenüber dem Euro weiter Potenzial

Noch vor einem Jahr hatten sich viele Investoren eher um die Zukunft der britischen Währung gesorgt als um den Euro. Das hat sich grundlegend geändert. Das Pfund hatte 2010 gegenüber dem Euro drei Prozent aufgewertet. Glaubt man den Analysten, so dürfte dieser Trend anhalten. Das Pfund sei eine der attraktivsten Anlagewährungen der Welt, sagt Ian Scott. Nach Einschätzung von Nomura könnte es zum Jahresende bei 1,28 Euro stehen - etwa zehn Prozent über dem jetzigen Stand.

Positiv könnte sich auch die Sparpolitik der britischen Regierung auswirken: Sie stärkt bei Investoren das Vertrauen. Darunter leiden dürften Unternehmen, die stark von staatlicher Nachfrage abhängen wie etwa der Rüstungskonzern BAE Systems. Der konjunkturelle Effekt des Sparpakets ist dagegen gering. Nomura glaubt für 2011 an ein Wirtschaftswachstum von zwei Prozent, Goldman Sachs sogar an 2,4 Prozent. Einen Rückfall in die Rezession erwarten beide nicht.

Kommentare (2)

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knoedel5

03.01.2011, 20:42 Uhr

"Das Pfund sei eine der attraktivsten Anlagewährungen der Welt, sagt ian Scott. "
Schnell, kennt jemand die Handynummer von Geoge Soros?
Das dürfte ihn interessieren :-)

Kronecker

04.01.2011, 00:28 Uhr

Diese Darstellung sollte man für das nehmen, was sie ist: Eine Meinung, nicht mehr (unter beliebig vielen). Anmerken muss man aber, dass es statt schärferer Regulierungsvorschriften erheblich besser wäre, wenn man die Anleger nicht ständig belügen würde. Dann könnte man vernünftige Entscheidungen treffen und sich neue Gesetze sparen.

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