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19.06.2013

12:29 Uhr

Andrew Wilson im Interview

„Europa ist extrem fragil“

VonJörg Hackhausen

ExklusivDie Finanzmärkte stehen vor gewaltigen Umwälzungen – und zwar schneller als gedacht. Im Interview sagt Andrew Wilson von Goldman Sachs AM, wie er sich auf die neuen Zeiten einstellt und warum es auf Deutschland ankommt.

Andrew Wilson von Goldman Sachs Asset Management wünscht sich von Deutschland eine führende Rolle in der Euro-Krise. Rudolf Wichert

Andrew Wilson von Goldman Sachs Asset Management wünscht sich von Deutschland eine führende Rolle in der Euro-Krise.

Herr Wilson, die Nervosität an den Finanzmärkten hat wieder zugenommen. Was ist los?
In den vergangenen beiden Wochen haben wir einen Ausverkauf auf dem Anleihemarkt gesehen. Es gab sehr große Abflüsse. Fast ohne Ausnahme sind die Renditen von Staatsanleihen weltweit gestiegen. Noch stärker sind die Spreads von Unternehmensanleihen gestiegen. Das ist sehr ungewöhnlich. Zuletzt haben wir so etwas 2007 gesehen.

Was sind die Gründe?

Ursache war eine Kombination aus verschiedenen Faktoren: Die Bemerkungen von Bernanke waren eine Art Weckruf. Die US-Notenbank könnte ihre Anleihekäufe früher als gedacht zurückfahren. Gleichzeitig müssen wir auch sehen, dass sich die konjunkturellen Aussichten gebessert haben. Die USA dürften in diesem Jahr um zwei bis zweieinhalb Prozent wachsen.

Das ist nicht grandios.

Aber schon eine Verbesserung. Es reicht, um die Fed zumindest über einen früheren Ausstieg nachdenken zu lassen.

Wann wird die Fed ihre Anleihekäufe zurückfahren?

Es ist schwer, den genauen Zeitpunkt vorherzusagen. Das wird ganz klar von den Konjunkturdaten abhängen. Die Häuserpreise auf dem US-Immobilienmarkt sind bereits gestiegen, die Erholung schreitet voran. Dadurch entstehen wiederum viele neue Jobs. Wenn wir weiterhin eine Verbesserung sehen, was sehr wahrscheinlich ist, dann könnte die Fed im vierten Quartal so weit sein, zu handeln, vielleicht auch schon im September.

Weltbörsen 2013: Die Gewinner und Verlierer

Nikkei

+ 27,8 Prozent seit Jahresanfang

Quelle: Reuters, Stand: 13.06.2103

Dow Jones

+ 14,5 Prozent

S&P 500

+ 13,0 Prozent

MSCI World

+ 9,8 Prozent

SMI (Schweiz)

+ 9,1 Prozent

Dax

+ 7 Prozent

FTSE 100

+ 6,8 Prozent

Euro Stoxx 50

+1,1 Prozent

MIB (Italien)

- 1,5 Prozent

BSE Sensex (Indien)

- 2,0 Prozent

SSE (China)

- 2,6 Prozent

Hang Seng (Hongkong)

- 5,8 Prozent

RTS (Russland)

-16,9 Prozent

Bovespa (Brasilien)

- 19,5 Prozent

Was bedeutet das für die Finanzmärkte?

Die Märkte befinden sich jetzt schon in der Übergangsphase. Sie passen sich an eine neue Welt an, in der die Notenbanken weniger Anleihen kaufen und die Zinsen steigen. Die Anleihen, die Investoren aktuell im Portfolio haben, werden in der neuen Welt nicht sehr lukrativ sein. Deshalb sind die Verkäufe, die wir aktuell sehen, kein Wunder. Überraschend ist nur, wie schnell das vonstatten geht. Wir denken, dass die Investoren überreagieren.

Sie sprechen von einer Übergangsphase. Vielleicht ist es einfach Zeit, dass die Luft aus der Blase entweicht.

Der Bullenmarkt für Anleihen hat 30 Jahre gedauert - er kann nicht ewig andauern. Wir müssen uns auf eine andere Welt einstellen, uns abfinden mit geringeren Erträgen. In diesem Umfeld wird es zunehmend schwer, eine herausragende Performance zu erzielen. Ich würde aber nicht so weit gehen, von einer Blase zu sprechen.

Kommentare (39)

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Account gelöscht!

19.06.2013, 12:41 Uhr

Die MEssage kurz zusammengefasst "Germany Ihr Deppen, zahlt alles bis nichts mehr geht oder wir kreiden Euch alles an......naja, was wir so oder so machen werden :D".

„Europa ist extrem fragil“
Falsch, die EU ist ein Fehlkonstrukt!

Witzbolde

19.06.2013, 12:42 Uhr

Äh ja ! Die Gutmenschen von Goldman Sachs geben gut Ratschläge für Europa.
Das ist der Witz des Jahrhunderts.

Wer hat denn Griechenland in den Eiro gehoben? Wider besseren Wissens?
Wer hat dieses Dilemma mit verursacht?

Und jetzt gibt Goldmann Sachs gute Ratschläge!

Account gelöscht!

19.06.2013, 12:49 Uhr

Die gewinne von G+S während der Krise waren mehr als ordentlich... ein schelm wer böses denkt...

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