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03.07.2013

13:53 Uhr

Angst um Portugal

Die Euro-Krise kehrt zurück

VonJörg Hackhausen

Die Regierung in Portugal zerbricht. Griechenland ruft nach einem Schuldenschnitt. Und die Finanzmärkte schalten wieder in den Krisenmodus. Der Ausverkauf an den Börsen trifft Anleihen und Bankaktien.

DüsseldorfDie Euro-Krise flammt wieder auf. Griechenland ruft schon wieder nach einem Schuldenschnitt. Die Regierung in Portugal steht vor dem Aus. Die hoch verschuldeten Staaten sind offenbar an den Grenzen ihrer Belastbarkeit angelangt. Sie wollen die Sparpolitik nicht länger tragen. An den Finanzmärkten sorgt das für Nervosität. Die Investoren verfallen in das alte Muster: Sie verkaufen Anleihen der Schuldenstaaten und Bankaktien. Jetzt zeigt sich, dass die Euro-retter die Brandherde innerhalb der Währungsunion nur vorübergehend eingedämmt, aber nie gelöscht haben.

Der Kurs zehnjähriger Portugal-Anleihen brach um knapp zwölf Prozent ein. Im Gegenzug stieg die Rendite zeitweise auf 8,195 Prozent von 6,519 Prozent am Vortag. Auch die Aktienmärkte rutschten am Dienstag europaweit ab. Der portugiesische Leitindex brach um fast sieben Prozent ein und notierte so niedrig wie zuletzt im November 2012. Der Eurostoxx 50 fiel um 1,8 Prozent. Die Liste der Verlierer führten Unicredit, Banco Santander und Société Generale an. Der europäische Bankenindex fiel um 3,6 Prozent. In Frankfurt gab der Dax um 1,6 Prozent auf 7.784 Punkte nach. Zu den größten Verlierer zählten Commerzbank und Deutsche Bank.

In Portugal war am Montag Finanzminister Vitor Gaspar wegen des schwindenden Rückhalts in der Bevölkerung für den Sparkurs zurückgetreten. Einen Tag später hatte auch Außenminister Paolo Portas seinen Rücktritt erklärt, den Ministerpräsident Pedro Passos Coelho aber nicht akzeptierte. Zwei weitere Minister wollen nach Medienberichten noch am Mittwoch ihre Ämter niederlegen.

Steigende Renditen

Deutschland

Rendite zehnjähriger Anleihen: 1,64 Prozent
Veränderung seit 1. Mai: + 43 Basispunkte

USA

Rendite zehnjähriger Anleihen: 2,44 Prozent
Veränderung seit 1. Mai: + 81 Basispunkte

Japan

Rendite zehnjähriger Anleihen: 0,86 Prozent
Veränderung seit 1. Mai: + 28 Basispunkte

Italien

Rendite zehnjähriger Anleihen: 4,50 Prozent
Veränderung seit 1. Mai: + 62 Basispunkte

Spanien

Rendite zehnjähriger Anleihen: 4,70 Prozent
Veränderung seit 1. Mai: + 59 Basispunkte

Portugal

Rendite zehnjähriger Anleihen: 7,91 Prozent
Veränderung seit 1. Mai: + 229 Basispunkte

Griechenland

Rendite zehnjähriger Anleihen: 11,08 Prozent
Veränderung seit 1. Mai: + 42 Basispunkte

Frankreich

Rendite zehnjähriger Anleihen: 2,26 Prozent
Veränderung seit 1. Mai: + 56 Basispunkte

Irland

Rendite zehnjähriger Anleihen: 3,97 Prozent
Veränderung seit 1. Mai: + 49 Basispunkte

Brasilien

Rendite zehnjähriger Anleihen: 4,21 Prozent
Veränderung seit 1. Mai: + 155 Basispunkte

China

Rendite zehnjähriger Anleihen: 3,47 Prozent
Veränderung seit 1. Mai: + 6 Basispunkte

Indonesien

Rendite zehnjähriger Anleihen: 7,21 Prozent
Veränderung seit 1. Mai: + 178 Basispunkte

Indien

Rendite zehnjähriger Anleihen: 7,50 Prozent
Veränderung seit 1. Mai: - 23 Basispunkte

Quelle

Bloomberg, 3.7.2013

„Die Koalition in Portugal ist praktisch am Ende. Coelho sagt zwar, dass er nicht zurücktreten will, aber ich gebe der Regierung noch maximal 48 Stunden“, sagt Steen Jakobsen, Chefökonom der Saxo Bank. „Mitten in einer Stimmung gegen weitere Sparrunden wird es zu Neuwahlen kommen“, so Jakobsen weiter. Dies sei genau das, was Angela Merkel vor den eigenen Wahlen nicht brauche. „Die Bundestagswahlen werden dafür sorgen, dass die EU alles dafür tun wird, um Portugal weiter über Wasser zu halten“, sagt Jakobsen. Die Verlierer dabei seien, wie immer wenn sich Politiker Zeit erkaufen, die eigene Wirtschaft und die Bürger.

Auch in Griechenland kocht die Krise wieder hoch. Die Bereitschaft zu weiteren Sparmaßnahmen stößt an ihre Grenze. Der griechische Wirtschaftsminister Kostis Hatzidakis hatte jüngst über einen weiteren Schuldenschnitt spekuliert. Das wiederum sorgte für Unverständnis bei den Geldgebern. „Die wiederkehrenden Diskussionen über einen Schuldenschnitt sind nicht hilfreich, da sie von den notwendigen Reformanstrengungen in Griechenland ablenken“, sagte EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen der Tageszeitung „Die Welt“. Ein zweiter Schuldenschnitt würden Milliarden verloren gehen - auch für den deutschen Steuerzahler.

Kommentare (88)

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Account gelöscht!

03.07.2013, 14:06 Uhr

So? Die Krise kehrt zurück? War sie denn überhaupt mal weg? Oder nur übertüncht? Daß Griechenland nach neuem Schuldenerlaß plärrt, müßte eigentlich das Handelsblatt motivieren, wieder deren Staatsanleihen wie geschnitten Brot anzupreißen. Solidarität und so blah...

Jenny_E

03.07.2013, 14:09 Uhr

Ja klar, die Krise war mal kurz weg, weil unsere propandaerprobte Presse, die sonst über jeden Furz berichtet, im vorauseilenden Gehorsam Schweigen über den größten Skandal der jüngeren Weltgeschichte gelegt hat. Viel lieber wird seitenweise über eine Frau namens Jenny Elvers-Elvertsdingsbums berichtet, die kein Schwein kennt!

Account gelöscht!

03.07.2013, 14:11 Uhr


Schaut euch den Goldpreis an, da ist keine Krise in Sicht.
Nur "Dooms" unterwegs.

Alles wunderbar, nur paar "eiternde Verbindlichkeiten".

Draghi-Corleone-Pashi biegt das schon hin. Keine Panik, selbst wenn Kurse fallen. Werft die Kreditmaschinen an, Null-Zins für alle. Getränke frei Haus.

Lasst uns die Bazookas sehen, bevor wir alle Flaggen streichen.

"Nicht verzagen, Merkel/Schäuble/Steinbrueck fragen".

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