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21.02.2014

09:32 Uhr

Anlagebetrug

Auslieferung von Ex-Fonds-Manager Homm gestoppt

Ein Verwaltungsgericht in Rom setzte das Verfahren aus, sodass der mutmaßliche Anlagebetrüger Homm nicht an die USA ausgeliefert wird. Es sei nicht sicher, ob die Auslieferung mit europäischen Recht vereinbar ist.

Der mutmaßliche Millionenbetrüger und ehemalige Hedgefond-Manager Florian Homm im Jahr 2006: Homm wird vorerst nicht an die USA ausgeliefert. dpa

Der mutmaßliche Millionenbetrüger und ehemalige Hedgefond-Manager Florian Homm im Jahr 2006: Homm wird vorerst nicht an die USA ausgeliefert.

RomDer mutmaßliche Anlagebetrüger und ehemalige Hedgefonds-Manager Florian Homm wird vorerst nicht an die USA ausgeliefert. Das Verwaltungsgericht in Rom setzte das Verfahren vorübergehend aus, wie Homms Anwalt Mario Zanchetti am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa bestätigte. Die Richter sollen nun am 12. März entscheiden, ob die Auslieferung mit europäischen Recht vereinbar ist.

Bis zu der Entscheidung bleibt Homm im norditalienischen Pisa in Haft. Anfang Januar hatte das oberste italienische Berufungsgericht dem Ersuchen der USA stattgegeben, Homm auszuliefern. Nach Ansicht von Homms Anwalt war diese Entscheidung nicht korrekt. Sollte auch das Verwaltungsgericht der Auslieferung zustimmen, will er vor den Europäischen Gerichtshof ziehen.

Homm: Die besten Zitate

Das Buch

Florian Homm ist unter die Buchautoren gegangen. In seiner Autobiografie "Kopf Geld Jagd" rechnet er mit Feinden ab und erklärt, was er selbst falsch gemacht hat. Es erscheint im November.

Bibliografie:
Florian Homm
Kopf Geld Jagd
Finanzbuch Verlag, München 2012
363 Seiten, 19,99 Euro

Ungewöhnlicher Einstieg

Die Lektüre des Buches startet mit dem höchst ungewöhnlichen Hinweis: "Wichtiger Hinweis: Der Verlag und alle an diesem Buch beteiligten Personen wissen nicht, wo sich Florian Homm aufhält. Wir verfügen über keinerlei Adressen oder Telefonnummern noch kennen wir seinen Aufenthaltsort. Wir bitten deshalb, von Nachfragen an den Verlag abzusehen."

Die Widmung

"Für meine Tochter Isabella und meinen Sohn Conrad."

Über die Ex-Frau

"An erster Stelle möchte ich meiner Exfrau danken, die nicht nur meine Verrücktheit und Unbeständigkeit zwei Jahrzehnte lang ertrug, sondern auch unsere beiden Kinder fast im Alleingang großzog. Ihre Güte und Weisheit war eine Inspiration, ein positiveres und wahrhaftigeres Leben zu führen. Ich vergebe ihr das Jahr in der Scheidungshölle, in dem sie mich weitaus mehr terrorisierte als meine ärgsten Feinde in der Unternehmenswelt."

Über Journalisten

"In verschiedenen Artikeln wurde ein monströs-eindimensionales Bild von mir geschaffen, und half dabei, eine weltweite Menschenjagd zu starten, die jedes Menschenrecht verletzte und den formalen Rechtsweg in Amerika und Europa behinderte. Liebe Journalisten, Eure Pfuschereien haben mich angeregt, die Sache richtigzustellen, was hoffentlich wiederum auch andere Kollegen veranlassen wird, ihrer investigativen Arbeit künftig professioneller nachzugehen. Ich habe für Sie gebetet. Ich hoffe aufrichtig, dass Sie Ihre boshafte Energie in Zukunft auf christlichere Weise kanalisieren können."

Über Homms Motive

"Anders als manch andere Lebensgeschichte ist dieses Buch weder der Versuch einer Selbstrechtfertigung noch steht dahinter die Absicht, ein paar lumpige Dollars zu verdienen. Ich bin zwar ohne jeden Zweifel selbstbesessen,
dennoch versuche ich, nicht den Selbstgerechten zu mimen. Insgesamt gebe ich zweifellos das Bild eines abgefeimten, habgierigen Spekulanten ab."

Über seine Vorbildfunktion

"Es wird dringend davon abgeraten, irgendeine der in diesem Buch beschriebenen Handlungen nachzuahmen."

Über sein Vermögen

"Das Manager Magazin hatte mein Nettovermögen auf rund eine halbe Milliarde Dollar beziffert. Damit lag es gar nicht so falsch. Ich besaß Schlösser, Paläste, Landgüter, Luxusapartments und reiste mit Privatjets, einer Jacht mit vier Schlafzimmern, einem Schnellboot, einem Rolls-Royce-Cabriolet und einem individuell ausgestatteten, aufgemotzten Mercedes-Cabriolet der S-Klasse. Ich besaß eine herausragende Gemäldesammlung alter Meister."

Über Feiern und Warmduscher

"Im Jahr 2006 wurde ACMH im Rahmen des Hedge Fund Review European Awards mit der Auszeichnung »Best Hedge Fund Group« und »Best Fund« geehrt. Treu meinen Prinzipien nahm ich an dieser Festivität nicht teil – nur Warmduscher verschwenden wertvolle Zeit mit Feiern. Unternehmen fürchten mich. Ich hatte sogar die multiple Sklerose besiegt. Ich war ein Wolf unter Schafen."

Über seine größten Fehler

"Ich hatte meine Seele erbärmlich verkommen lassen. Ich hatte mich dem Mammon unterworfen. Ich war primitiv und liebte das Vulgäre. Ich war geblendet von Reichtümern, Macht und egoistischen Vergnügungen. Ich spürte Gottes Verachtung. Ich wusste, dass ich vollkommen falsch handelte, und suchte unbewusst die Selbstzerstörung. Mein Autopilot steuerte auf den Hades zu. Ich war schwach und ließ mich treiben. Nichts konnte meine Abwärtsspirale aufhalten. Mein Schicksal war besiegelt."

Über Aktien-Leerverkäufe

"Ich hatte mit dem Aktienleerverkauf und der Plünderung von Unternehmen viel Geld verdient. Man muss ziemlich unsensibel und aggressiv sein, um auf diesem Gebiet erfolgreich zu sein."

Über Geld und Glück

"Fast drei Jahrzehnte lang glaubte ich, Geld bedeute Glück. Begriffsstutzige Menschen wie ich müssen erst ihre Familie und ihr Vermögen verlieren, um zu begreifen, dass es keinerlei Verbindung zwischen Geld und Glück gibt."

Über seine Zukunft

"Ich habe seit meiner Zeit als junger Erwachsener mehrere wohltätige Einrichtungen unterstützt und die Liberia Renaissance Foundation gegründet, die nicht nur effektiv ist, sondern unter meiner Führung auch eine sehr schlanke Organisation war. Ich habe zuvor ein multinationales Unternehmen geführt. Ich habe Entwicklungsökonomie in Harvard studiert und drei Jahrzehnte lang in Entwicklungsländer investiert. Ich weiß, wie man mit Ärzten, Pharmazeuten und Forschern zusammenarbeitet. Ich habe zahllose Fusionen und Partnerschaften strukturiert und abschließend begleitet.

Ich bin keine eindimensionale Luxushure. Ich kann mich an extreme und widrige Bedingungen anpassen, mit Konflikten umgehen und Herausforderungen meistern.

Was gegen diese Zukunft sprechen könnte

"Ich würde dieses Vorhaben wirklich gerne realisieren. Ich habe noch gut 25 produktive Jahre vor mir. Hoffentlich wird in naher Zukunft kein internationaler Haftbefehl gegen mich erlassen; hoffentlich bekomme ich keine Kugel in
den Kopf, werde entführt oder verrotte in irgendeinem Gefängnis. Das würde die Entwicklung dieser karitativen Initiative schwer behindern. Auch sollte ich möglichst nicht in jahrelange Gerichtsverfahren verwickelt sein, die mich
für Monate von der Arbeit abhalten."

Homm war im März 2013 nach fünf Jahren Flucht in Italien festgenommen worden. Dem Manager wird Betrug in großem Stil bei Wertpapiergeschäften vorgeworfen. Anleger sollen um einen dreistelligen Millionenbetrag geprellt worden sein. Ihm droht in den USA eine hohe Haftstrafe. Die Strafen dort gelten als besonders drakonisch - der Finanzjongleur Bernhard Madoff war zum Beispiel zu 150 Jahren Haft verurteilt worden.

Der jahrelang flüchtige Homm war bei einem Besuch in den Uffizien in Florenz von der italienischen Polizei festgenommen worden. Gemeinsam mit seiner Ex-Frau und seinem Sohn betrachtete er die Statue der „Kauernden Venus“, als ihn die Beamten baten, mitzukommen. Seitdem sitzt der mehr als zwei Meter große Deutsche in Pisa ein, wo er wegen seiner Krankheit Multiple Sklerose (MS) bereits in das Gefängniskrankenhaus verlegt wurde.

Homms krebskranke Mutter schrieb einen anrührenden Brief an die Behörden, ihren Sohn nicht auszuliefern. Homms Mutter erhob schwere Vorwürfe gegen die Haftbedingungen: „Sie alle wussten, dass er wegen falscher Ernährung von Woche zu Woche stärker abmagerte, bis er nicht mehr laufen konnte. Darauf hat man ihm wochenlang eine Gehstütze verweigert“ schreibt sie in ihrem Appell. „Am unglaublichsten ist, dass man ihm in den letzten drei Monaten seine amerikanischen Medikamente vorenthalten hat, was durch Zufall aufgedeckt wurde.“

Von

dpa

Kommentare (8)

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th235

21.02.2014, 11:06 Uhr

Mitleidgefühle,
unglaublich, was sich hier die Redaktion dabei gedacht hatte.
Abzocken anderer und dann noch hier die Aufrufe der Mutter von Homm so darzustellen, dass ihr "geliebter" Sohn schwer Krank sei.
Der hat auf Kosten anderer sich ein schönes Leben gemacht, dafür soll auch er geradestehen.
Nehmt Abstand, von solchen Gefühlsdusseleien, liebe Redaktionskollegen.
Habt Achtung von denen die ihr Geld diesen Halunken zum Verschwenden, statt zum Anlegen, überlassen haben.

Homm soll auch 150 Jahr in den Knast, wie Madoff; Punkt Aus und keinen Kommentar mehr !!!

skrentz

21.02.2014, 11:28 Uhr

Ab mit ihm in die USA, da wird diesem Gauner der Prozess gemacht werden. Er wird schon wissen, warum er 5 Jahre geflohen ist - den Rest seines Lebens soll er in amerikanischen Gefängnissen schmoren - das dürfte ein kleiner Kontrast zu seinem ausufernden Luxusleben sein - die Millionenbeträge wird er ja vermutlich nicht zurückzahlen können, da sein Geld schon verbraucht ist.

Account gelöscht!

21.02.2014, 12:08 Uhr

Ja, die Vorteile des eigenen Handelns werden gerne genommen und genossen. Wenn jedoch die Nachteile zu wirken beginnen, fängt die Jammerei an.
Unter den Geschädigten werden wohl etliche Amerikaner sein, wodurch berechtigt ist, daß Homm mal für seine Fehler auch da vorstellig werden muß.

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