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16.10.2015

13:25 Uhr

Anlageexperte zu Dieselgate

„VW-Skandal könnte 0,4 Prozent Wachstum kosten“

VonAndrea Cünnen

Die VW-Abgasaffäre wird die Deutsche Wirtschaft stark belasten, ist sich Uwe Pyde sicher. Dennoch glaubt der Bantleon-Fondsmanager an ein langsames, aber stetiges Wachstum in Europa. Was das für den Anleihemarkt bedeutet.

Pyde ist Fondsmanager beim Anleihehaus Bantleon. PR

Uwe Pyde

Pyde ist Fondsmanager beim Anleihehaus Bantleon.

Seit Jahren betrachtet Uwe Pyde die Märkte, als Portfoliomanager bei der Bantleon Bank im schweizerischen Zug ist der 45-jährige Diplom-Kaufmann mitverantwortlich für mehrere Anleihefonds. 2009 öffnete Bantleon ausgewählte Fonds auch schrittweise für private Anleger. Seit 2015 bietet das Haus zudem zwei Aktienfonds an. Insgesamt verwaltet Bantleon ein Kundenvermögen im Umfang von rund 10,4 Milliarden Euro.

Herr Pyde, bei vielen Investoren haben die Sorgen um die Wirtschaft zugenommen. Bei Ihnen auch?
Nicht sehr, vor allem nicht mit Blick auf die Euro-Zone. Wichtige vorlaufende Indikatoren wie die Einkaufsmanager-Indizes sind nur leicht gesunken. Das heißt: Die Euro-Zonen Konjunktur bewegt sich zwar auf einem flachen, aber dennoch stetigen Aufwärtstrend, der bis Mitte nächsten Jahres anhalten dürfte.
Fürchten Sie keine neuen Störfeuer aus China?
Nein. Wir gehen davon aus, dass die getroffenen geldpolitischen Maßnahmen in China Wirkung zeigen werden und damit auch in Deutschland die Wachstumsängste mit Blick auf die Volksrepublik dämpfen.

Volkswagen und Dieselgate: Der Coup, der VW Milliarden bringt

Volkswagen und Dieselgate

Der Coup, der VW Milliarden bringt

Endlich mal wieder eine gute Nachricht für VW: In einem Monat winken dem Konzern stolze 3,7 Milliarden Euro. Nicht in Cash, aber immerhin an Eigenkapital. Welcher Trick dahintersteckt.

Wird nicht der VW-Skandal die deutsche Wirtschaft belasten?
In der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung Deutschlands wird die Angelegenheit Spuren hinterlassen, denn VW – inklusive seiner Zulieferer – steht für rund zwei Prozent der bundesdeutschen Wertschöpfung. Selbst wenn sich der Skandal nicht auf die anderen Hersteller ausweitet, könnten bei einem Produktionseinbruch von zehn bis 20 Prozent 0,2 bis 0,4 Prozent an Wirtschaftswachstum verloren gehen. Das ist durchaus beachtlich, eine Bedrohung für das Konjunkturbild insgesamt sehen wir hierdurch allerdings nicht.
Was heißt das für die deutsche Bundesanleihen?
Das langsame aber anhaltende Wirtschaftswachstum wird dazu führen, dass Anleihen der Kernstaaten der Euro-Zone wie zum Beispiel Deutschland mit ihren immer noch sehr niedrigen Renditen unter Druck geraten werden. Dazu werden in den nächsten Monaten auch die voraussichtlich wieder stärker aufkommenden Erwartungen einer ersten Zinserhöhung in den USA beitragen.

Der VW-Abgasskandal - eine Chronik

Freitag, 18. September

Die US-Umweltbehörde EPA teilt in Washington mit, Volkswagen habe eine spezielle Software eingesetzt, um die Messung des Schadstoffausstoßes bei Abgastests zu manipulieren.

Samstag, 19. September

Die Deutsche Umwelthilfe fordert angesichts der VW-Manipulationsvorwürfe ein Fahrverbot für Dieselautos. Das Problem bestehe nicht nur in den USA, sondern noch stärker in Europa.

Sonntag, 20. September

Winterkorn kündigt eine umfassende Aufklärung an. „Ich persönlich bedauere zutiefst, dass wir das Vertrauen unserer Kunden und der Öffentlichkeit enttäuscht haben“, teilte er mit und erklärt das Thema zur „höchsten Priorität“. Später räumt ein Konzernsprecher ein, dass es zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist.

Montag, 21. September

Volkswagen stoppt den Verkauf von Dieselwagen mit Vierzylinder-Motoren in den USA. Betroffen sind dort Modelle der Kernmarke VW und der Tochter Audi. Die Vorzugsaktie von VW bricht zeitweise um mehr als ein Fünftel ein. In den USA entschuldigt sich VW-Regionalchef Michael Horn: „Wir haben Mist gebaut.“

Dienstag, 22. September

Auch in Absatzmärkten außerhalb der USA gibt es Forderungen, Klarheit über das Ausmaß der Affäre zu schaffen. VW gibt eine Gewinnwarnung heraus und kündigt Milliarden-Rückstellungen an. In einem Video bittet Winterkorn um Entschuldigung.

Mittwoch, 23. September

Winterkorn tritt zurück. „Ich bin bestürzt über das, was in den vergangenen Tagen geschehen ist. Vor allem bin ich fassungslos, dass Verfehlungen dieser Tragweite im Volkswagen-Konzern möglich waren“, erklärt er seinen Schritt. Der Aufsichtsrat kündigt eine Entscheidung über die Nachfolge an.

Donnerstag, 24. September

Die Affäre bringt die gesamte Industrie in Bedrängnis. Vorwürfe werden laut, auch andere Hersteller könnten manipuliert haben. Viele dementieren das. Daneben gibt es etliche Personalspekulationen rund um VW. Medien berichten, Porsche-Chef Matthias Müller habe die besten Chancen, Winterkorn zu beerben.

Freitag, 25. September

Der VW-Aufsichtsrat wählt Matthias Müller zum neuen Konzernchef.

Montag, 28. September

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig leitet Ermittlungen ein.

Dienstag, 29. September

Volkswagen legt einen Aktionsplan zur Nachbesserung von Dieselwagen mit manipulierter Software vor und will fünf Millionen Fahrzeuge der Kernmarke VW in die Werkstätten holen.

Mittwoch, 30. September

Das Präsidium des Aufsichtsrates tagt. Es schlägt vor, die im November geplante außerordentliche Aufsichtsratssitzung abzusagen. Trotz der Affäre soll der langjährige VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch weiterhin neuer Aufsichtsratsvorsitzender werden.

Die VW-Finanztochter verhängt einen Einstellungsstopp bis zum Jahresende, auslaufende Zeitverträge werden nicht verlängert.

Donnerstag, 1. Oktober

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig rudert zurück: Entgegen früheren Angaben führt sie kein formelles Verfahren gegen Winterkorn. Neuer VW-Finanzchef wird nach dem Wechsel von Hans Dieter Pötsch in den Aufsichtsrat der Leiter der Finanzsparte, Frank Witter.

Freitag, 2. Oktober

Der US-Kongress teilt mit, dass sich VW-Landeschef Michael Horn am 8. Oktober den Abgeordneten in einer Befragung stellen muss. Auf speziellen Internetseiten können Kunden von VW und Audi prüfen, ob ihr Wagen die Manipulations-Software verwendet.

Dienstag, 6. Oktober

Betriebsratschef Bernd Osterloh und Müller sprechen bei einer Betriebsversammlung in Wolfsburg zur Belegschaft. Osterloh betont, bisher gebe es noch keine Konsequenzen für Jobs - laut Müller stellt die Abgas-Affäre aber bereits geplante Investitionen infrage.

Was erwarten Sie konkret?
Die US-Notenbank dürfte den Leitzins im Dezember um einen Viertel Prozentpunkt anheben. Weitere moderate Zinserhöhungen werden folgen. Bei der Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe erwarten wir bis Jahresende eine Seitwärtsbewegung zwischen 0,4 Prozent und 0,8 Prozent.

Das würde im schlimmsten Fall Kursverluste von gut zwei Prozent bedeuten.
Das stimmt, und wir halten Bundesanleihen ebenso wie die von anderen Euro-Kernländern deshalb auch für relativ unattraktiv.

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