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25.06.2015

10:30 Uhr

Anlageprofis zu Griechenland

„Die Märkte sind ziemlich in Wallung“

Die Einigung im griechischen Schuldenpoker lässt auf sich warten, die Märkte bleiben nervös. Während der Dax sich in Deckung hält, sind Bundesanleihen kurzfristig gefragt. Was Anlageprofis zur verfahrenen Lage sagen.

Interview

Droht Syriza die Spaltung?

Interview: Droht Syriza die Spaltung?

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Frankfurt, DüsseldorfDer Schuldenpoker um Griechenland wirkt mehr als verfahren. Nach der geplatzten Verhandlungsrunde zwischen dem griechischen Regierungschef Alexis Tsipras und Vertretern der Gläubiger schießt nun die griechische Regierungspartei wieder mal gegen die EZB, IWF und Co. „Die Forderung der Geldgeber, vernichtende Maßnahmen wieder auf den Tisch zu legen, belegt, dass die Erpressung gegen Griechenland einen neuen Höhepunkt erreicht“, ätzt der Sprecher der Syriza-Parlamentsfraktion, Nikos Filis, im Fernsehen.

Eine Einigung ohne Maßnahmen bei den Schulden könne es nicht geben, verweist Arbeitsminister Panos Skourletis auf das aktuelle Verhandlungsfeld. Unter den Gläubigern spielt man den Ball nun wohl wieder Richtung IWF und zu deren Chefin Christine Lagarde, bevor die Euro-Finanzminister heute Mittag weiter verhandeln. Kein Wunder also, dass Experten in jedem Fall stärkere Schwankungen an den Finanzmärkten erwarten. Manche warnen explizit vor einem Grexit.

Am Morgen notiert der Dax knapp unter dem gestrigen Schlusskurs bei rund 11.450 Punkten. Geht es nach Thomas Hollenbach, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg, wird der Leitindex dem „Wechselbad der Erwartungen“ auch weiter ausgesetzt bleiben. Denn ob der gordische Knoten im griechischen Schuldendrama heute durchschlagen werden kann, bleibt nach Einschätzung von Hollenbach offen.

„An den Märkten gehen die meisten Teilnehmer nach wie vor von einem Kompromiss 'neue Kredite gegen Reformen' aus“, glaubt dagegen Deka-Chefvolkswirt Ulrich Kater. Mehr als alles andere sei die Währungsunion eine politische Entscheidung.

Die nächsten Akte im Griechenland-Drama

Freitag, 26. Juni

In Brüssel tagen die Staats- und Regierungschefs der EU. Griechenland werden sie im Blick behalten, auch wenn andere Themen auf der Tagesordnung stehen. Einen Einigungs-Vorschlag der Institutionen mit Griechenland kann nach dem Scheitern der Verhandlungen am Donnerstag nicht diskutiert werden.

Samstag/Sonntag, 27./28. Juni

Eine Abstimmung im griechischen Parlament ist nicht möglich – erst wenn es eine Einigung zwischen den Institutionen und der griechischen Regierung gibt. Am Samstag treffen sich die Euro-Finanzminister.

Montag, 29. Juni

Die Fraktionen des Bundestages könnten sich zu Beratungen über die Vereinbarung mit Griechenland treffen, ebenso der Haushaltsausschuss. Theoretisch wäre an diesem Tag auch eine Sondersitzung des Parlaments möglich. In Sitzungswochen muss für die Einberufung einer Sitzung keine Frist eingehalten werden.

Dienstag, 30. Juni

Ohne Verlängerung durch die Eurogruppe endet das Hilfsprogramm für Griechenland. Zugleich muss die Athen1,6 Milliarden Euro an den IWF zurückzahlen. Der Dienstag ist der bislang wahrscheinlichste Termin für eine Sondersitzung des Deutschen Bundestages. Planungen dafür gibt es nach Parlamentsangaben nicht. Als gesichert gilt, dass auch die Parlamente der Niederlande und Spaniens einer Einigung mit Griechenland zustimmen müssten.

Montag, 20. Juli

Griechenland muss rund 3,6 Milliarden Euro an die EZB zurückzahlen. Experten zufolge müsste die EZB spätestens dann ihre laufenden ELA-Liquiditätshilfen stoppen, wenn die griechische Regierung nicht zahlen sollte. Sollte also zuvor keine Vereinbarung mit den internationalen Gläubigern zustande kommen und Griechenland von externen Finanzhilfen abgeschnitten sein, wäre dies wahrscheinlich der Tag, an dem das Euro-Land in die Pleite rutscht.

Wenn eine Einigung kurzfristig nicht in Sicht komme, könnte das die Finanzmärkte bestenfalls kurzfristig „ziemlich in Wallung“ bringen. Aktienmärkte können kurzfristig die Talfahrt antreten, Kater sieht dann Kaufgelegenheiten. Langfristig würde man dann wieder zur Tagesordnung übergehen – und sich wieder mehr um niedrige Zinsen sorgen als um das „rein europapolitische Thema“ Griechenland.

Kommentare (5)

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Herr Vitto Queri

25.06.2015, 10:48 Uhr

>> Anleger warten auf die Rückkehr zur Normalität >>

Vor allem warten EUROPAS BÜRGER auf die Rückkehr der Normalität !

Herr walter rehm

25.06.2015, 14:25 Uhr

"die Märkte sind ziemlich in Wallung!"

wer sind denn "DIE MÄRKTE"....da handelt doch kein Mensch mehr...nur noch Hochfrequenzrechner in Nanosekunden Gewinne machen....sieht man heute wirder deutlich...100 Punkte runter....200 Punkte rauf in kurzer Zeit....alles vollautomatisch...der Markt wird von der Technik und Systemen bestimmt...es handelt doch kein Mensch mehr im Selbstbedienungsladen der Reichen

Herr Vitto Queri

25.06.2015, 16:23 Uhr

>> wer sind denn "DIE MÄRKTE"....>>

Das ist die "Hand Gottes", die man uns täglich vorführt.

Im realen Leben sind es simple Spekulanten, die uns das Geld aus der Tasche ziehen.
Über Börsen, Inflation, korrupte Regierungen, Schmarotzer im Staatsdienst.

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