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17.02.2011

08:07 Uhr

Anlagestrategie

Europäische Doppelwette

VonIngo Narat

Die Euro-Union bietet jetzt für mutige Anleger eine alternative Anlagestrategie. Mit einer Doppelwette lassen sich die unterschiedlichen Entwicklungen in den Euro-Ländern nutzen.

Die aktuelle Lage der Euro-Union bietet Spielraum für Doppelwetten. Quelle: dapd

Die aktuelle Lage der Euro-Union bietet Spielraum für Doppelwetten.

FrankfurtDie Euro-Union soll auf jeden Fall gehalten werden. Dafür stehen die starken Staaten ein. Die Starken helfen den Schwachen, mit Geld, versteht sich. Das will auch die Bundeskanzlerin Angela Merkel. Der politische Wille macht den Weg frei in die sogenannte Transferunion.

An den Anleihemärkten eröffnet sich dadurch eine interessante Wette. Mit einer de facto garantierten Zahlungsfähigkeit von Schwach-Staaten denken Großanleger jetzt nach: Dann müssten deutsche und beispielsweise italienische oder spanische Staatsanleihen ähnlichen Wert haben, dürften im Renditevergleich nicht so weit auseinander liegen wie es momentan der Fall ist.

Zehnjährige Bundesanleihen liegen auch nach ihrem rasanten Renditeanstieg mit 3,2 Prozent noch deutlich unter den spanischen mit 5,3 Prozent. Wenn Deutschland aber für Länder wie Spanien einsteht, müssten die iberischen Renditen sinken, die deutschen im Gegenzug steigen.

Genau da setzt eine Idee an. Wenn die Rahmenbedinungen so bleiben wie beschrieben, können Anleger durchaus beispielsweise spanische und italienische Anleihen kaufen, dagegen deutsche Bundestitel eher verkaufen. Länder wie Griechenland bleiben außen vor, denn solche Staaten werden um drastische Anpassungen und einen Zahlungsschnitt nicht herum kommen – das signalisieren die Märkte.

Wenn der Euro gerettet wird, verlieren die Bundesanleihen

Das Kalkül einer Doppelwette: Die Renditen für zehnjährige spanische und deutsche Staatspapiere werden sich von oben und von unten auf eine Größenordnung von vielleicht vier Prozent zubewegen. So unwahrscheinlich wären Bewegungen in diesem Ausmaß nicht. Die Zeiten überschaubarer Veränderungen bei Bonds sind in diesen turbulenten Zeiten ohnehin vorbei. Allein im letzten halben Jahr sind die Bundesrenditen vom Tief bei 2,1 Prozent um mehr als einen Prozentpunkt nach oben geschnellt.

Auch für Privatanleger gibt es geeignete Finanzinstrumente. Etwas Mut müssen die Trader allerdings mitbringen. Es gibt beispielsweise Zertifikate, die etwa bei steigenden Kursen – spiegelbildlich fallenden Renditen – für italienische Staatsanleihen zulegen. Für eine Spekulation auf fallende Kurse von Bundesanleihen gibt es ohnehin eine umfangreiche Palette an Instrumenten. Wer will, der kann diese Wette bei Zertifikaten sogar mit Hebel umsetzen, das heißt mit höheren Gewinnchancen bei gleichzeitig höherem Risiko.

Es gibt auch eine moderate Variante dieser doppelten Anleihe-Wette: den eigenen Bestand an Bundesanleihen senken, dafür geeignete Südländer wie Spanien oder Italien kaufen.

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