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19.01.2008

10:02 Uhr

Anleger-Akademie

Wer schön sein will, muss zahlen

VonSonia Shinde

Der Wert von historischem Schmuck wird fast ausschließlich über die Nachfrage bestimmt. Aus diesem Grund sind es hauptsächlich Schmuck-Liebhaber, die in diesen Markt inverstieren. Wer trotzdem hier sein Geld anlegen möchte, für den sollte stets gelten: Klasse statt Masse - lieber wenige exquisite Stücke, statt viele günstige.

Erste Regel für Sammler von historischem Schmuck : Große Namen ziehen immer. Brosche aus dem siebten Jahrhundert. Foto AP

Erste Regel für Sammler von historischem Schmuck : Große Namen ziehen immer. Brosche aus dem siebten Jahrhundert. Foto AP

FRANKFURT. Ihren Hals haben sie geschmückt, aber ihren Kopf konnten sie nicht retten, und kaufen wollte sie auch keiner: die Perlen der Marie Antoinette. Mindestens eine halbe Million Euro verlangte jene britische Adelsfamilie, deren Ahnin die unglückliche französische Königin das Geschmeide anvertraut hatte, um die Flucht vor der Guillotine zu finanzieren. Doch bieten wollte im Dezember bei Christie?s niemand auf das Geschmeide.

Anders als für Perlenkette und Anhänger der beliebten Wallis Simpson, Herzogin von Windsor, für die Edward VIII. sogar auf den britischen Thron verzichtete. Ihre Perlen kamen fast zur gleichen Zeit beim Konkurrenten Sotheby?s für mehr als vier Mill. Dollar unter den Hammer und bescherten dem Vorbesitzer, Modeschöpfer Calvin Klein, einen satten Gewinn. Gekauft hatte der Amerikaner die Cartier -Perlenkette und -anhänger 1987 als Liebesgeschenk für seine Frau Kelly für etwa ein Viertel des Preises. - Schmuck ist eine gefährliche Geldanlage, aber durchaus reizvoll, wenn man es richtig macht. "Wer auf schnelle Rendite setzt, sollte lieber ungefasste Edelsteine kaufen", sagt Schmuckexperte Raymond Sancroft-Baker vom britischen Auktionshaus Christie?s. "Als reines Finanzinvestment eignet sich alter Schmuck weniger."

Versteigerungserfolge wie die von Calvin Klein sind eher die Ausnahme denn die Regel, darin sind sich die Experten einig. Denn der Markt ist ausgesprochen intransparent. "Keiner kann sagen, wie groß der Markt wirklich ist", sagt Markus Eisenbeis, Vizepräsident des Bundesverbandes der Kunstversteigerer. Und: Im Gegensatz zu Neuware, bei der sich die Preise relativ gut vergleichen lassen, bestimmen bei historischen Stücken ausschließlich Angebot und Nachfrage den Preis. Das gilt insbesondere für Stücke prominenter Besitzer.

Alt waren sie nicht, die Perlen der Jackie O., und richtig wertvoll auch nicht. Dennoch kam die Kunstperlenkette von Jacqueline Kennedy Onassis für 221 500 Dollar unter den Hammer. Neu kostet die gleiche Kette gerade einmal 80 Dollar. "Da zieht natürlich der Name ", sagt Eisenbeis. Und warnt: "Wer historischen Schmuck sammelt, sollte sich nicht zu sehr auf das Kaufen illustrer Provenienz verlegen." Denn was große Auktionshäuser oft mit viel Brimborium und Marketingmacht in den Markt drückten, werde beim Wiederverkauf nicht zwingend dieselbe Faszination und damit denselben Preis erzielen. Dennoch beobachten Experten seit ein paar Jahren, dass die Preise explodieren, hatten die Juwelen einst berühmte oder adlige Vorbesitzer.

"Wirkliche Gewinne lassen sich nur erzielen, wenn ein Gebiet stark in Mode kommt", sagt Renate Möller, Kunst-Sachverständige und Herausgeberin des renommierten "Antiquitätenführers". So war in den 70er- und 80er- Jahren Jugendstil gefragt, in den 90ern eher Biedermeier, derzeit ist es Art déco. Vorhersagen lassen sich solche Trends aber nicht. Das unterscheidet historischen Schmuck beispielsweise von moderner Kunst, wo sich durchaus Renditen erzielen lassen.

Wer dennoch mit dem Gedanken spielt, historischen Schmuck zu sammeln, muss einige Regeln beachten. Erstens: Große Namen gehen immer. Jede Epoche hatte ihre großen Meister der Schmuckkunst, sei es der Email-Künstler René Lalique aus dem Jugendstil oder berühmte Juweliere des Art déco wie Mauboussin, Boucheron, Van Cleef & Arpels oder Cartier. Entworfen für die neue "femme fatale" der 20er- und 30er-Jahre, zierten die klaren Linien in Platin, Onyx, Jade und Diamanten so berühmte Frauen wie Josephine Baker oder Marlene Dietrich oder gekrönte Häupter wie Anita Delgado, die spätere Maharani von Kapurthala, oder die Herzogin von Windsor.

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