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12.01.2009

11:24 Uhr

Anleger-Akademie

Wo sich das Geldparken lohnt

VonAnke Rezmer

Lieber den Spatzen in der Hand, als die Taube auf dem Dach: Tages- und Festgelder bringen gute Renditen. Es aber große Unterschiede zwischen den einzelnen Angeboten. Anleger sollten genau hinschauen, bevor sie ihr Geld auf ein Tages- oder Festgeldkonto einzahlen.

Wohin mit dem Geld? Tages-und Festgeldkonten sind eine gute Möglichkeit. Foto: dpa

Wohin mit dem Geld? Tages-und Festgeldkonten sind eine gute Möglichkeit. Foto: dpa

FRANKFURT. Das Sprichwort vom Spatzen in der Hand, der dem Menschen lieber ist als die Taube auf dem Dach, beherzigen deutschen Privatanleger seit Ausbruch der Finanz- und Börsenkrise mehr denn je. Das Thema Sicherheit steht für sie noch stärker im Vordergrund, seit die Börsenkurse heftig schwanken und Banken Milliardensummen abschreiben. Eine aktuelle Umfrage der Fondsgesellschaft Union Investment ergibt, dass Privatanleger in Deutschland größere Angst vor Verlusten haben als vor drei Jahren. Die meisten definieren eine Geldanlage bereits als riskant, wenn grundsätzlich ein Verlust möglich ist. "Aktienrisiken will partout keiner eingehen", sagt Harald Norbisrath, Vertriebschef für Private Kunden bei der Frankfurter Sparkasse. Viele Menschen trauten sich nicht mehr an den Kapitalmarkt und parkten große Teile ihres Finanzkapitals fernab von Wertschwankungen auf Sparkonten oder dem Sparbuch.

"Das ist verständlich in diesen Zeiten und macht kurzfristig sogar Sinn, wenn man vernünftige Anlagen auswählt", sagt Arno Gottschalk, Finanzberater der Verbraucherzentrale Bremen. Falsch wäre es allerdings, panisch alle Aktienanlagen zu den aktuell schwachen Kursen zu verkaufen und damit noch Buchverluste realisieren. Generell empfehlen Finanzberater, etwa drei Netto-Monatsgehälter als Reserve liquide zu halten.

Aktuell zeigen sich die kurzfristigen Vorteile solcher kalkulierbarer Anlagen überdeutlich. In den vergangenen 24 Monaten konnten es weder Aktien noch Anleihen mit den Festgeldzinsen aufnehmen (s. Grafik). In der anhaltenden Finanzkrise können sich Banken nicht so leicht wie sonst mit Liquidität eindecken. Daher sichern sie sich Geld von Anlegern und zahlen attraktive Zinsen.

Unter den extrem wertstabilen Anlagen hat der Sparer durchaus Auswahl: Neben Tages- und Festgeldkonten gibt es das klassische Sparbuch, die neuen Tagesanleihe des Bundes sowie Geldmarktfonds. Wer sein Geld zu einem festen Zins anlegen möchte, findet aktuell beim Festgeld die besten Konditionen - für Jahresgeld gibt es im Durchschnitt 4,78 Prozent, wie der Frankfurter Finanzdienstleister FMH errechnet hat. Die besten Renditen liegen sogar deutlich über fünf Prozent (s. "Festgeldkonditionen").

Anleger sollten die Angebote allerdings genau anschauen: Viele der Top-Angebote enthalten Nebenbedingungen. Beim Spitzenzins der niederländisch-türkischen Garantiebank von 5,65 Prozent muss der Sparer mit einem auf knapp 40 000 Euro begrenzten Einlageschutz leben. Die Bank gehört nicht dem deutschen Einlagensicherungssystem an ("s. Fünf Fragen an ..."). Mehr als die abgesicherte Summe sollte man dort keinesfalls anlegen, sagt Verbraucherschützer Gottschalk. Oft zahlen Banken Spitzenzinsen auch nur für Neukunden oder nur bis zu einer bestimmten Grenze. Die höchsten Zinsen für Jahres-Festgeld ohne Bedingungen bietet aktuell die Santander Consumer Bank mit 5,35 Prozent.

Stets das beste Angebot wahrzunehmen, bringt nach Ansicht von Gottschalk wenig. Es koste zwar kein Extrageld, aber die Mühe, ständig neue Konten zu eröffnen, lohnt meist nicht. Denn die Unterschiede zwischen den Geldhäusern im oberen Drittel sind nicht so groß: Bei einer Anlagesumme von 10 000 Euro macht ein Unterschied von 0,3 Prozentpunkten im Jahr 30 Euro aus. Eine Festgeld-Anlage enthält noch ein Steuer-Bonbon für diejenigen, die ihre Steuerfreibeträge ausgeschöpft haben. Wer heute Jahresfestgeld abschließt, bekommt seine Zinsen erst 2009 ausgezahlt. Damit versteuert er dann bereits nach Abgeltungsteuer mit 25 Prozent statt mit dem heute üblichen, meist höheren persönlichen Steuersatz.

Wer hingegen erwartet, dass die Zinsen im Zuge der Inflationsgefahr weiter steigen, kann auf Tagesgeld setzen. Hier zahlen die Geldhäuser im Mittel aber weniger, derzeit sind es 3,5 Prozent pro Jahr.

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