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29.01.2004

16:02 Uhr

Anleger kehren Immo-Fonds scharenweise den Rücken

Auf der Flucht

VonReiner Reichel

Dass Anleger offenen Immobilienfonds im Dezember per Saldo Geld entzogen, nachdem sie zuvor monatelang fleißig Anteile gekauft haben, ist nicht erstaunlich. Überraschend ist die Höhe und noch mehr, dass allein der Grundwert-Fonds der Dresdner-Bank-Tochter Degi dafür verantwortlich ist.

DÜSSELDORF. So brisante Zahlen veröffentlicht der Branchenverband BVI selten. Dass Anleger offenen Immobilienfonds im Dezember per Saldo Geld entzogen, nachdem sie zuvor monatelang fleißig Anteile gekauft haben, ist nicht erstaunlich. Überraschend ist die Höhe und noch mehr, dass allein der Grundwert-Fonds der Dresdner-Bank-Tochter Degi dafür verantwortlich ist. Anleger gaben Anteile für über 1,1 Mrd. Euro zurück. Der Fonds verlor 14,5 Prozent des Vermögens.

Das nährt Spekulationen. So vermutete der Fonds-Analyst Stefan Loipfinger in der „Börsenzeitung“, ein institutioneller Investor habe eine Riesensumme aus dem Fonds abgezogen. Degi-Sprecher Heinrich J. Durstewitz dementiert: „Es ist definitiv kein institutioneller Investor gewesen.“ Es wäre auch ausgesprochen unfreundlich gegenüber Hunderten privater Kleinanleger, wenn ein einzelner Investor mit Unsummen das Fondsvolumen aufbläht und das Geld dann wieder abzieht. Großinvestoren zahlen – anders als Kleinanleger – keine Ausgabeaufschläge. Zudem treiben sie die liquiden Mittel in die Höhe und damit die Rendite in die Tiefe. Denn ihr Geld muss in Kurzfristanlagen geparkt werden und wirft so weniger Rendite ab als eine Immobilie.

Ob nun ein Großinvestor oder – wie Degi-Sprecher Durstewitz versichert – sich viele, viele Kleinanleger aus dem Grundwertfonds Richtung Aktienmarkt verabschiedet haben, den Schaden haben die, die noch Grundwert-Anteile besitzen. Denn der Fonds musste mehr Geld auszahlen, als er liquide Mittel hatte. Die betrugen zum Jahresende nur rund 0,8 Mrd. Euro. „Abflüsse sind absolut kein Problem für den Fonds“, versichert Durstewitz. Die gesetzlich vorgeschriebene Mindestliquidität von fünf Prozent des Fondsvermögens sei vorhanden. Dass dazu Kredite notwendig waren, dementiert Durstewitz nicht. Doch Kreditzinsen nagen an der Rendite.

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