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13.01.2014

06:45 Uhr

Anlegerschützer empört

Prokon-Ankündigung wirkt wie „Erpressung“

ExklusivDie Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz kritisiert das Vorgehen des von der Insolvenz bedrohten Windanlagen-Finanzierers Prokon scharf. Mehr als doppelt so viele Anleger wie bei Lehman sind betroffen.

Es geht um rund 1,4 Milliarden Euro: Prokon-Gläubiger müssen sich vielleicht bald auf ein Planinsolvenzverfahren einstellen. dpa

Es geht um rund 1,4 Milliarden Euro: Prokon-Gläubiger müssen sich vielleicht bald auf ein Planinsolvenzverfahren einstellen.

DüsseldorfNach der Pleitedrohung des Windparkbetreibers Prokon wächst der Druck auf den Gesetzgeber. „Der eigentliche Skandal ist, dass die Politik den grauen Markt noch immer nicht gebändigt hat“, sagte Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) dem Handelsblatt. „Auf die betroffenen Anleger wirken die aktuellen Verlautbarungen schlichtweg wie eine klassische Erpressung“, sagte sein Kollege, DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler, der „Bild am Sonntag“.

Zuvor hatte die Windpark-Firma aus dem schleswig-holsteinischen Itzehoe ihren Anlegern in einem Schreiben mit der Insolvenz gedroht, wenn sie ihr Kapital zurückforderten. Knapp 1,4 Milliarden Euro haben rund 75.000 Anleger in Genussrechte von Prokon investiert. Zum Vergleich: Bei der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers waren etwa 30.000 Anleger betroffen.

Weil es sich dabei um sogenannte Graumarktangebote handelt, ist die Finanzaufsicht Bafin machtlos. "Prokon betreibt keine erlaubnispflichtigen Bankgeschäfte und untersteht damit nicht der Aufsicht der Bafin“, sagte eine Sprecherin. Umso lauter werden jetzt Stimmen, den Aufsehern mehr Kompetenzen zu geben und den grauen Markt zu regulieren.

"Der Fall Prokon zeigt, dass die Einwände gegen eine strengere Regulierung der Finanzmärkte unberechtigt sind", sagte der Finanzpolitiker Lothar Binding (SPD) dem Handelsblatt. "Wir müssen versuchen, die grauen Märkte auszumerzen." Auch Unions-Fraktionsvize Michael Fuchs sieht Handlungsbedarf. Der Staat dürfe „der Abzocke von Anlegern nicht tatenlos zusehen“.

Wenn es nach dem von der Insolvenz bedrohten Windkraftfinanzierers Prokon geht, sind an der misslichen Lage vor allem die anderen Schuld: Unter anderem hätte die schlechte Berichterstattung in den Medien dazu geführt, dass Anleger zuletzt verstärkt Genussrechte gekündigt – und damit für das Unternehmen wichtige Liquidität abgezogen haben.

So funktioniert die Planinsolvenz

Die Rolle des Insolvenzverwalters

Die Planinsolvenz, die der Windkraftfinanzierer Prokon nun nicht mehr ausschließt, ist ein Spezialfall des Insolvenzverfahrens. Abweichend vom „normalen“ Insolvenzverfahren bleibt die alte Geschäftsführung im Amt, der Insolvenzverwalter tritt nur beratend auf.

Der Sanierer

Die Planinsolvenz wird in der Regel von einem Sanierer begleitet, der zusammen mit der Unternehmensführung vor der Antragstellung den Insolvenzplan ausarbeitet.

Die Rolle der Gläubiger

Über den beim Amtsgericht eingereichten Plan entscheiden die Gläubiger. Wenn es eine Perspektive für den Fortbestand des Unternehmens gibt, soll es durch diesen Plan ermöglicht werden, im Insolvenzverfahren auch von der Insolvenzordnung abzuweichen.

So appellierte das Unternehmen am Samstag auf seiner Internetseite an die verbliebenen Anleger: „Wir sind auf Ihre Hilfe angewiesen.“ Nicht die wirtschaftliche Lage setze Prokon unter Druck, sondern „der Kapitalentzug durch die Kündigungen unserer Anleger.“

Kommentare (36)

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sagler

13.01.2014, 08:04 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Realitaet

13.01.2014, 08:12 Uhr

"Der Fall Prokon zeigt, dass die Einwände gegen eine strengere Regulierung der Finanzmärkte unberechtigt sind", sagte der Finanzpolitiker Lothar Binding (SPD) dem Handelsblatt. ->>> was fuer ein ausgemachter Unsinn. Da macht sich wieder ein Politiker in seiner ausgemachten Ahnungslosigkeit wichtig. Der Fall zeigt doch ganz klar - und dies beschreibt ja auch dieser Artikel - dass nicht eine noch weitere Regulierung der bereits ueberregulierten Finanzmaerkte, sondern im Gegenteil das viel zu grosse Gefaelle zwischen Finanzmarkt und Graumarkt das Problem ist, dass es zu loesen gilt.

Gast

13.01.2014, 08:28 Uhr

"Im vergangenen Jahr hat Prokon nach eigenen Angaben rund 330 Millionen Euro an Zinsen ausgeschüttet".

Nein. Die Zahl bezieht sich auf die Ausschüttungen insgesamt, also seit Bestehen des Unternehmens. Das hätte auch dem Verfasser des Artikels auffallen müssen - sonst wären ja im vergangenen Jahr über 20% Zinsen ausgeschüttet worden. Ob der Rest auch so "sorgfältig" recherchiert ist?

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