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14.08.2012

14:49 Uhr

Anleihe-Auktion

Griechenland ist (noch) nicht pleite

Athen beschafft sich auf dem Geldmarkt frisches Geld; rund vier Milliarden Euro sammeln die klammen Griechen insgesamt ein. Die Südeuropäer verschaffen sich damit etwas Luft. Doch gerettet ist das Land noch lange nicht.

Griechische Euromünze. Den Südeuropäern steht das Wasser bis zum Hals. action press

Griechische Euromünze. Den Südeuropäern steht das Wasser bis zum Hals.

Das hochverschuldete Griechenland hat am Dienstag mit einer Geldmarktauktion kurzfristig einen Zahlungsausfall abgewendet. Das Land besorgte sich bei Investoren den ungewöhnlich hohen Betrag von 4,063 Milliarden Euro. Wie das staatliche Fernsehen unter Berufung auf die Schuldenagentur (PDMA) mitteilte, beträgt die Laufzeit der Papiere 13 Wochen. Der Zinssatz liegt bei 4,43 Prozent. Die Nachfrage nach den angebotenen Kurzläufern hätte ausgereicht, um das 1,36-fache Volumen bei Anlegern zu platzieren. An dem neuen kurzfristigen Kredit haben sich hauptsächlich griechische Banken als Geldgeber beteiligt. Dass die überhaupt kaufen, soll an einer Sonderregelung der Europäischen Zentralbank (EZB) liegen.

Wie Athens Regierung die Sparauflagen frisieren will

Hintergrund

Die neue griechische Koalitionsregierung hat am Wochenende ihre Pläne zur Lockerung des Sparpakts veröffentlicht. Der Koalitionsvertrag der drei Regierungsparteien - Konservative, Sozialisten, Demokratische Linke - nennt als zentrales Ziel, die Frist für die Umsetzung der Sparauflagen um zwei Jahre zu verlängern.

Streckung der Frist für neue Sparauflagen

Athen wünscht eine Streckung um mindestens zwei Jahre. Es geht um Sparmaßnahmen in Höhe von schätzungsweise 11,5 Milliarden Euro. Ursprünglich sollten sie 2013 und 2014 umgesetzt werden. Athen will dafür nun Zeit bekommen bis Ende 2016.

Arbeitsmarkt/ Verschlankung des Staates

„Keine weiteren Kürzungen der Löhne und Renten; keine neuen Steuern“, lautet das Motto. Die geplante Entlassung von 150 000 Staatsbediensteten soll nicht wie ursprünglich vorgesehen erfolgen, stattdessen wird ein stufenweiser Abbau angestrebt. Stufenweise sollen auch wieder die niedrigeren Renten und Löhne angehoben werden. Arbeitslosengeld soll statt bislang ein Jahr künftig 24 Monate ausgezahlt werden.

Steuerreform/ Wachstum

Ein neues gerechteres und langfristiges Steuersystem soll ausgearbeitet werden. Die Mehrwehrsteuer (23 Prozent) soll im wirtschaftlich wichtigen Bereich Tourismus und Gastronomie reduziert werden. Schwer verschuldete Haushalte und Personen sollen ihre Schulden stufenweise zurückbezahlen. Niemand soll mehr als 25 Prozent seines Einkommens für den Abbau seiner Schulden aufwenden. Die Gelder aus den Strukturfonds der EU sollen intensiv genutzt werden.

Landwirtschaft

Das Land soll möglichst keine landwirtschaftlichen Produkte einführen. Die Rückkehr junger Leute in die Landwirtschaft soll unterstützt werden.

Gesundheit/ Versicherungen

Alle Bürger sollen die Möglichkeit haben, ärztlich behandelt und medizinisch versorgt zu werden - unabhängig davon, ob sie arbeiten oder keinen Job haben. Das zusammenbrechende Versicherungssystem soll wieder auf die Beine gestellt werden.

Staat/ Politisches System

Die Immunität von Ministern soll eingeschränkt werden. Der Bürokratie wird der Kampf angesagt. Dies gilt auch für die Steuerhinterziehung.

Migration

Die Flüchtlingswelle soll durch strengere Kontrollen der Grenzen eingedämmt werden. Verantwortliche für Übergriffe auf Migranten sollen konsequent strafrechtlich verfolgt werden.

Außenpolitik

Griechenland soll eine stabilisierende Rolle in der Region des östlichen Mittelmeeres spielen. Gute Nachbarschaft mit allen Ländern der Region. Förderung einer Europäischen Politik für das Mittelmeer.

Athen braucht das frische Geld dringend, um Schulden bei der EZB zurückzuzahlen. Am kommenden Montag werden Anleihezinsen in Höhe von 3,2 Milliarden Euro fällig. Die EZB hatte das erste Rettungspaket für Griechenland mit Stützungskäufen von Staatsanleihen flankiert, sich jedoch nicht an der Umschuldung im März 2012 beteiligt. Private Investoren mussten bei dem Schuldenschnitt mehr als 70 Prozent ihrer Forderungen abschreiben. Die Notenbank macht keine offiziellen Angaben über das ausstehende Volumen ihrer griechischen Schuldverschreibungen. Analysten schätzen, dass das Portfolio etwa 50 Milliarden Euro schwer ist. Athen muss aller Finanznöte zum Trotz die Titel weiter bedienen.
Die Kassen in Athen sind leer, weil die Geldgeber seit Juni kein Geld mehr nach Athen überwiesen haben. Solange nicht klar ist, wohin das Land unter seiner neuen Regierung steuert, halten sie eine Hilfszahlung über 31,5 Milliarden Euro zurück. Die Kontrolleure der Troika aus EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) wollen im September ihre Kontrollen fortsetzen, um festzustellen, ob Athen seine Verpflichtungen erfüllt. Zuletzt stellten die Prüfer zwar Fortschritte fest - doch kurzfristig dürfte auf keinen Fall Geld fließen.

Was ein Euro-Austritt Griechenlands kosten würde

Erhebliche Lasten

„Der Austritt eines Landes aus der Eurozone würde auch für uns eine Menge Turbulenzen mitbringen", warnte bereits Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Seriös lässt sich die Kostenfrage aber nicht beantworten, weil es kein Drehbuch für Pleite und Euro-Austritt gibt. Allenfalls eine Annäherung an eine Antwort ist möglich.

Umrisse des Problems

Aus dem ersten Hilfspaket hat Griechenland von anderen Euro-Ländern 53 Milliarden Euro erhalten. Hinzu kommen 35,4 Milliarden Euro aus dem zweiten Paket. Zudem hat der Euro-Rettungsschirm EFSF 25 Milliarden Euro bereitgestellt, damit das Land seine vom Schuldenschnitt im März angeschlagenen Banken rekapitalisieren kann. Berenberg-Chefvolkswirt Holger Schmieding zufolge ist das Geld aber offenbar noch nicht an die Banken geflossen.

Risikobewertung griechischer Anleihen

Der Analyst geht außerdem davon aus, dass die EZB noch griechische Anleihen im Nominalwert von gut 35 Milliarden Euro in den Büchern hat. Weil die Zentralbank diese vermutlich zu Kursen von rund 75 Prozent des Nominalwertes gekauft hat, rechnet Schmieding hier mit einem maximalen nominalen Verlustrisiko von 27 Milliarden Euro. Allerdings hat die EZB auch Gewinne mit Hellas-Anleihen gemacht. Verrechnet man die beiden Posten miteinander, kommt man für die EZB auf ein echtes Verlustrisiko von etwa 20 Milliarden Euro.

Target-II-Salden

Hinzu kommt aber ein weiteres Risiko, das sich hinter dem Begriff „Target II-Salden" verbirgt, von dem ebenfalls völlig unklar ist, wie und in welchem Umfang es sich realisieren könnte: Innerhalb des Verrechnungssystems der europäischen Notenbanken für den Zahlungsverkehr zwischen Banken (Target II) hatte die griechische Zentralbank gegenüber dem Eurosystem bis Ende Januar ein Negativ-Saldo von 107 Milliarden Euro aufgebaut. Schmieding zufolge dürfte es heute bei 120 bis 130 Milliarden Euro liegen.

Kreditsicherheiten

Abgesichert wird der Negativ-Saldo durch Kreditsicherheiten, die griechische Banken bei der griechischen Notenbank hinterlegt haben. Ob diese nach einem Euro-Austritt ihren Verpflichtungen gegenüber dem Eurosystem weiter nachkommen würde, Sicherheiten abtreten würde und welchen Wert diese Sicherheiten noch hätten, steht dabei in den Sternen. Von möglichen Verlusten, die sich aus Target II ergeben würden, müsste Deutschland über die Bundesbank ebenfalls 27 Prozent tragen.

Weitere Forderungen

Schließlich müssten in die Gesamtrechnung noch Forderungen europäischer Bürger und Unternehmen gegenüber griechischen Banken einfließen. Ende 2011 betrugen die Auslandsschulden griechischer Unternehmen etwa 100 Milliarden Euro, davon 91 Milliarden Bankschulden und neun Milliarden anderer Unternehmen.

Fazit

Weil nicht klar ist, welche Risiken eintreten würden, lassen sich die Kosten eines Staatsbankrotts und Euro-Austritts vorher nicht beziffern. Sicher ist aber: Es würde teuer werden.

Damit das klamme Athen dennoch seine Schulden bei der EZB bezahlen kann, hat man sich Finanzkreisen und Presseberichten zufolge auf eine kreative Lösung geeinigt: Kurzfristig anberaumte Geldmarktauktionen sollen das Geld einbringen. Da internationale Investoren griechische Papiere meiden, kommen vor allem griechische Banken als Käufer in Frage. Weil viele Institute jedoch selbst nicht flüssig sind, haben Staatstitel für sie nur dann einen Wert, wenn sie als Sicherheit für Zentralbankgeld eingereicht werden können. Deshalb soll der EZB-Rat der griechischen Zentralbank gestattet haben, mehr kurzfristige Staatspapiere als Pfand anzunehmen.

Von

dpa

Kommentare (26)

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Account gelöscht!

14.08.2012, 15:07 Uhr

Athen braucht das frische Geld dringend, um Schulden bei der EZB zurückzuzahlen ....

Was für eine Schmierenoper.
Bankrotte griechische Banken leihen sich bei der EZB Geld um griechische Staatsanleihen zu kaufen und hinterlegen zur Sicherheit diese "AAA :) Sicherheiten" bei der EZB.
Danach zahlt Griechenland vom eingenommen Geld wiederum die Schuld-Zinsen bei der EZB ein...
Ich dachte das Perpetuum Mobile gibts nicht.

Oder bin ich auf Drogen??

PRO-D

14.08.2012, 15:12 Uhr

Finanzmärkte sind wie WAR-GAMES, alles spielt sich nur im Computer ab.

Genial, wie man die Menschen heute mit Computer steuern kann.

Account gelöscht!

14.08.2012, 15:13 Uhr

AHA:
A hat kein Geld.
B hat auch kein Geld.
Beide haben aber wenigstens die gleiche Nationalität.
C hätte gern seine Zinsen für Schulden von A.
C gäbe es aber B, damit es A erhalte.
A zahle so an C die Zinsen für Schulden von A.
C zahlt sich selbst die Zinsen für sich selbst und für Schulden von A und B!
Genial.
AHA!

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