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10.06.2014

14:03 Uhr

Anleihe-Auktion

Griechenland kommt günstig an Geld

Griechenland wagt sich mit kleinen Beträgen an die Kapitalmärkte – mit Erfolg. Das schuldengeplagte Land will mit der Ausgabe kurzlaufender Papiere im einstelligen Milliardenbereich akute Haushaltslöcher stopfen.

Jeder Euro zählt. Griechenland nimmt mit kleineren Anleihe-Auktionen regelmäßig einstellige Milliardensummen ein. dpa

Jeder Euro zählt. Griechenland nimmt mit kleineren Anleihe-Auktionen regelmäßig einstellige Milliardensummen ein.

AthenDas schuldengeplagte Griechenland hat sich erneut kurzfristig 1,625 Milliarden Euro am Kapitalmarkt besorgt. Der Zinssatz für die sechsmonatigen Papiere beläuft sich auf 2,15 Prozent. Er lag damit deutlich niedriger als bei vergleichbaren Titeln im Vormonat mit 2,70 Prozent Zinsen, wie die Schuldenagentur PDMA am Dienstag mitteilte.

Athen leiht sich regelmäßig kleinere Beträge dieser Art, um Löcher im Haushalt zu stopfen. Im April – fast vier Jahre nach dem finanziellen Absturz – hatte sich Griechenland erstmals wieder Kapital bei privaten Investoren mit einer längeren Laufzeit beschafft. Athen sammelte damals mit einer Staatsanleihe über eine Laufzeit von fünf Jahren drei Milliarden Euro ein.

Geldquelle Staatsanleihen

Was sind Staatsanleihen?

Staatsanleihen oder Schuldverschreibungen sind eine der wichtigsten Finanzierungsquellen von Staaten. Im Gegensatz zu Aktien sind diese Wertpapiere mit einem festen Zins ausgestattet und das Kapital wird zu einem bestimmten Zeitpunkt zurückgezahlt.

Wie sicher sind Staatsanleihen?

Anleihen werden in verschiedenen Laufzeiten von zumeist 2 bis 30 Jahren ausgegeben. Lange Zeit galten sie als äußerst sichere Anlageform, da das Risiko eines staatlichen Zahlungsausfalls als sehr gering betrachtet wurde. Mit der Schuldenkrise in Europa ist dieses Bild aber ins Wanken geraten.

Woraus ergibt sich der Zins?

Als Zinszahlung erhält der Anleger die Rendite oder den Effektivzins. Dieser ergibt sich aus dem im Vorhinein festgelegten Zins der Anleihe (Kupon) und dem von ihm gezahlten Marktpreis (Kurs) des Papiers. Sinkt die Nachfrage und damit der Kurs der Anleihe, steigt die Rendite.

Dass Griechenland nun wieder günstiger an frisches Geld kommt, könnte mit den politischen Entwicklungen zusammenhängen. Am Montag wurde bekannt, dass Ministerpräsident Antonis Samaras Konsequenzen aus der Niederlage bei der Europawahl zieht und beinahe alle Minister auswechselt. Auch der besonders wichtige Posten des Finanzministers wird neu besetzt. Auf Ioannis Stournaras soll Gikas Hardouvelis folgen, er ist Professor an der Universität Piräus.

Zudem gilt Hardouvelis als Experte im Bankwesen und als Verfechter der Reformen in Griechenland. Der 58-Jährige hatte während der schlimmsten Phase der griechischen Finanzkrise im Jahre 2012 an den Verhandlungen mit den Geldgebern als Berater des damaligen griechischen Regierungschefs Lucas Papademos teilgenommen. Mit Hardouvelis an der Spitze des Finanzministeriums wird mit keiner wesentlichen Änderung in der Umsetzung der von Griechenland übernommenen Verpflichtungen gegenüber den Geldgebern gerechnet. Lockerungen in der Steuer- und Sparpolitik dürfte es mit ihm nicht geben.

Von

dpa

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

10.06.2014, 14:23 Uhr

Würde Deutschland nicht haften, würde Griechenland keinen Cent sehen. Erst wenn die deutschen Sparer ausgeblutet sind, wird es eine Reaktion der Menschen auf diese verachtungswerte Politik geben. Bis dahin gilt "Bis zum finalen finanzpolitischen alternativlosen EU/EURO-Untergangsendsieg".

Account gelöscht!

10.06.2014, 14:37 Uhr

Es ist unfassbar, dass die griechischen, nationalistischen Politiker, weiter Schulden machen dürfen. Wieso ist diesem Staat das erlaubt?? Alles nicht zu glauben, wie die arbeitenden Menschen in der EU verarscht werden.

Account gelöscht!

10.06.2014, 14:52 Uhr

Das darf doch wohl einfach nicht wahr sein!
Bei aller Sympathie für die gebeutelten Griechen an sich, die ja von der als Griechenlandrettung verkauften Rettung diverser europäischer und internationaler Großbanken wirklich nichts hätten, es muss doch auch irgendwann mal Schluss sein! Da reist der griechische Finanzminister nach Brüssel mit Forderungen im Gepäck nach Herabsetzung des Zinssatzes und Streckung der Tilgung, weil 0,75% für die arme, gebeutelte griechische Volkswirtschaft nicht zu stemmen sind, und jetzt werden am laufenden Band ständig neue Anleihen für ein vielfaches dieses Zinssatzes aufgelegt, an deren Emission eben die eben noch geretteten Geldhaeuser wieder kräftig verdienen, und weder der IWF noch die EU protestieren dagegen, sondern freuen sich über eine Rückkehr des Landes an den Kapitalmarkt?
Dazu fällt mir spontan nur ein Satz aus dem Film Avatar ein:
"Die pissen auf uns und sind noch nichtmal so freundlich, es als Regen zu verkaufen..." Und mit "Die" besetze ich nicht die griechischen Bürger.
Das soviel Dreistigkeit unbestraft durchkommt beweist die Machtlosigkeit unserer sog. gewählten demokratischen Regierungen weltweit, die tatsächlich nurnoch ganz erbärmliches Kino liefern. Wo's langgeht, das bestimmen längst andere, und damit meine ich nicht die Banken, denn auch die tanzen nur nach der Pfeife ihrer Hauptkapitaleigner...

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