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19.09.2012

14:36 Uhr

Anleihe-Auktion

„Spanien darf nicht zu lange zögern“

Spanien kann sich vergleichsweise günstig am Geldmarkt Euro leihen. Und doch sind die Bond-Investoren skeptisch. Die Südländer sollten endlich Finanzhilfen beantragen, fordern sie. Sonst drohe Ungemach an den Märkten.

Spanische Euromünze. Die Nervosität wächst wieder. dpa

Spanische Euromünze. Die Nervosität wächst wieder.

FrankfurtAnhaltende Spekulationen um den Zeitpunkt eines umfassenden spanischen Hilfsantrages in der Schuldenkrise haben am Dienstag für Nervosität an den europäischen Anleihenmärkten gesorgt. Daran änderten auch die rückläufigen Renditen kurzlaufender spanischer Staatspapiere nichts.

Die Rendite der richtungweisenden zehnjährigen Titel rutschte zwar wieder unter die psychologisch wichtige Marke von sechs Prozent, lag damit aber immer noch rund 50 Basispunkte über dem Tief vom Freitag. Auf ihrer Suche nach einem "sicheren Hafen" griffen Investoren wieder vermehrt zu Bundesanleihen. Der Bund-Future legte 31 Ticks auf 139,31 Punkte zu.

Die größten Schuldenmacher in der Euro-Zone

Irland

Das höchste Defizit in der Euro-Zone hat Irland. Es beträgt 8,3 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Griechenland

Rund 7,3 Prozent beträgt das Haushaltsdefizit Griechenlands für 2012.

Spanien

Der Krisenstaat auf der Iberischen Halbinsel kommt auf ein Haushaltsdefizit von 6,9 Prozent.

Slowakei

Platz vier unter den größten Schuldensündern belegt mit einem Defizit von 4,8 Prozent die Slowakei.

Portugal

Knapp hinter der Slowakei reiht sich Portugal ein: Hier schlägt 2012 ein Defizit von 4,7 Prozent des Bruttosozialprodukts zu Buche.

Frankreich

Mit Hilfe von Steuererhöhungen und Einsparungen will Frankreich sein Haushaltsdefizit im nächsten Jahr eindämmen. Dieses Jahr beträgt es noch 4,5 Prozent.

Niederlande

Rund 20 Milliarden Euro müssten die Niederlande sparen, um ihr Defizit unter drei Prozent zu drücken. Derzeit liegt es bei 4,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Slowenien

Auch Slowenien ringt mit steigender Verschuldung und schrumpfendem Wirtschaftswachstum. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 4,3 Prozent.

Zypern

„Sparen, kürzen, streichen“: So lautet auch das Motto in Zypern. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 3,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

"Die Märkte warten nur darauf, dass Spanien endlich Hilfe beantragt", sagte Analyst Jo Tominks von der Beratungsfirma 4Cast. "Je länger Spanien zögert, desto ungeduldiger und frustrierter werden die Märkte reagieren."
Bislang hat das Land Geldspritzen für seinen maroden Bankensektor beantragt. Falls das Land komplett unter den Rettungsschirm schlüpft, erfüllt es damit die Vorbedingung für unterstützende Anleihekäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB), mit der die hohen Zinsen für spanische Staatsanleihen gedrückt werden sollen.

Wenn Spanien noch lange zögere, werde sich der positive Effekt der Ankündigung der EZB-Maßnahmen in Luft auflösen, warnte 4Cast-Experte Tomkins. Andere Börsianer urteilten ähnlich. Wenn Spanien seinen Widerstand nicht bald aufgebe, würden spekulativ orientierte Anleger die Bond-Renditen so lange in die Höhe treiben, bis dem Land keine andere Wahl mehr bleibe.

Seit der Londoner Rede von "Super Mario" Draghi, als der EZB-Chef erstmals Anleihe-Käufe andeutete, sind die Renditen der zehnjährigen spanischen Anleihen in der Spitze um mehr als zwei Prozentpunkte gefallen. Bei den zweijährigen Titeln gingen sie zweitweise sogar auf bis zu 2,705 Prozent von 7,182 Prozent unmittelbar vor der Draghi-Rede zurück.

So viel kostet Europa

Rettungsfonds EFSM

Beim Rettungsfonds EFSM stehen 60 Milliarden Euro zu Buche. Der deutsche Anteil beträgt dabei 12 Milliarden Euro.

1. Rettungspaket für Griechenland (IWF und EU)

Griechenland erhielt durch das erste Rettungspaket 110 Milliarden Euro, 24 Milliarden davon kamen aus Deutschland.

Einlagensicherungsfonds (von Experten geschätzt)

Nach Schätzung der Citigroup müsste der von der EU-Kommission geforderte Einlagensicherungsfonds ein Volumen von 197 Milliarden Euro haben. Der deutsche Anteil läge dann bei bis zu 55 Milliarden Euro.

EZB-Staatsanleihenkäufe

Die Europäische Zentralbank hat Staatsanleihen für 209 Milliarden Euro eingekauft. Der Bund ist daran mit 57 Milliarden Euro, also mehr als einem Viertel, beteiligt.

IWF-Beitrag zu den Rettungspaketen

Der Internationale Währungsfonds zahlte 250 Milliarden Euro für die Rettungspakete. Deutschland gab dafür 15 Milliarden.

Geplanter ESM

Der dauerhafte Rettungsschirm soll ein Volumen von 700 Milliarden Euro haben. Deutschland wäre daran mit 190 Milliarden Euro beteiligt.

Bürgschaften im Rettungsfonds EFSF

Der Rettungsfonds bürgt mit 780 Milliarden, Deutschland allein mit 253 Milliarden Euro.

Target-Verbindlichkeiten

Die Target-Verbindlichkeiten liegen innerhalb des EZB-Verrechnungssystem bei 818 Milliarden Euro. Der deutsche Anteil daran beträgt 349 Milliarden Euro.

Auch am Devisenmarkt beherrschte das Thema Spanien die Gespräche der Börsianer. So lange dieser Unsicherheitsfaktor nicht beseitigt sei, werde es der Euro schwer haben, sein Viereinhalb-Monats-Hoch vom Vortag zu toppen, sagte Devisenstratege Adam Myers von der Credit Agricole. Die Gemeinschaftswährung kostete am Dienstagmittag 1,3059 Dollar und lag damit rund einen US-Cent unter dem Höchststand vom Montag.

Unabhängig davon blickten Anleger gespannt auf die Ratssitzung der Bank von Japan. Nach der Lockerung der US-Geldpolitik in der vergangenen Woche erwartete Osamu Takashima, Chef-Devisenstratege für Japan bei der Citigroup, einen ähnlichen Schritt. Er gehe davon aus, dass die japanische Notenbank ihre Anleihekäufe um umgerechnet knapp 50 Milliarden Euro ausweiten werde.


Von

rtr

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

18.09.2012, 15:20 Uhr

jetzt fordern Aasgeier schon die Beute bevor sie ganz tot ist

Rene

18.09.2012, 15:51 Uhr

"Die" Märkte sollten egal sein.
Sollen "die" Märkte doch zappeln. Wenn die Zinsenerfordernisse steigern, kann die EZB immer noch eingreifen bzw. Spanien Hilfe beantragen. Deren Forderung/Erpressung sollte die Politik nicht nachgeben.

Rene

18.09.2012, 15:54 Uhr

Hat Spanien Hilfe beantragt, "erwarten" "die" Märkte, dass Italien Hilfe beantragt. Und das Spiel geht wieder von vorn los. Es wird Zeit, dass der Spieß umgedreht wird!
Die Anleihegläubiger haben doch nur Angst, dass sie ihren Schrott unter Buchwert verkaufen müssen. Und das geschähe ihnen recht. Das ist die anderer Seite der (Kapital-)Marktmedaille, die sie spielen.

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