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26.06.2012

15:41 Uhr

Anleihe-Auktion

Spanien wird zum Problemfall

Spanien und Italien müssen für ihre Anleihen immer höhere Zinsen bezahlen. Langsam wird es eng für die Südeuropäer. Eile ist geboten. Der Preis für Kreditausfallversicherungen steigt und steigt.

Spanischer Torero wird auf die Hörner genommen. dpa

Spanischer Torero wird auf die Hörner genommen.

MadridIn der Schuldenkrise geraten die klammen Euro-Staaten Italien und Spanien kurz vor dem EU-Gipfel immer ärger in Finanznöte. Die beiden Länder mussten den Investoren am Dienstag für frisches Geld die höchsten Zinsen seit über einem halben Jahr bieten. Die zunehmend prekäre Lage der beiden Südländer dürfte am Abend auch Thema eines Vierergipfels in Paris sein, zu dem Frankreichs Finanzminister Pierre Moscovici seine Kollegen aus Deutschland, Italien und Spanien geladen hat: "Wir sind in der aktiven Phase der Vorbereitung des Gipfels", betonte Moscovici. Auch der Hilfsantrag Zyperns, das als fünftes Land unter den Euro-Rettungsschirm flüchten will, dürfte Thema sein. Der Inselstaat braucht wohl bis zu zehn Milliarden Euro und damit mehr als die Hälfte der eigenen Wirtschaftsleistung.

So viel kostet Europa

Rettungsfonds EFSM

Beim Rettungsfonds EFSM stehen 60 Milliarden Euro zu Buche. Der deutsche Anteil beträgt dabei 12 Milliarden Euro.

1. Rettungspaket für Griechenland (IWF und EU)

Griechenland erhielt durch das erste Rettungspaket 110 Milliarden Euro, 24 Milliarden davon kamen aus Deutschland.

Einlagensicherungsfonds (von Experten geschätzt)

Nach Schätzung der Citigroup müsste der von der EU-Kommission geforderte Einlagensicherungsfonds ein Volumen von 197 Milliarden Euro haben. Der deutsche Anteil läge dann bei bis zu 55 Milliarden Euro.

EZB-Staatsanleihenkäufe

Die Europäische Zentralbank hat Staatsanleihen für 209 Milliarden Euro eingekauft. Der Bund ist daran mit 57 Milliarden Euro, also mehr als einem Viertel, beteiligt.

IWF-Beitrag zu den Rettungspaketen

Der Internationale Währungsfonds zahlte 250 Milliarden Euro für die Rettungspakete. Deutschland gab dafür 15 Milliarden.

Geplanter ESM

Der dauerhafte Rettungsschirm soll ein Volumen von 700 Milliarden Euro haben. Deutschland wäre daran mit 190 Milliarden Euro beteiligt.

Bürgschaften im Rettungsfonds EFSF

Der Rettungsfonds bürgt mit 780 Milliarden, Deutschland allein mit 253 Milliarden Euro.

Target-Verbindlichkeiten

Die Target-Verbindlichkeiten liegen innerhalb des EZB-Verrechnungssystem bei 818 Milliarden Euro. Der deutsche Anteil daran beträgt 349 Milliarden Euro.

Bei der ersten Auktion nach dem Rettungsantrag Spaniens für den maroden Bankensektor stiegen die Renditen auf das höchste Niveau seit November. Die Zinsen für Dreimonatspapiere verdreifachten sich nahezu im Vergleich zur letzten Auktion im Mai. Spanien hatte den seit längerem erwarteten Rettungsantrag Anfang der Woche offiziell in Brüssel eingereicht, ohne allerdings eine genaue Summe zu nennen. Grundlage soll das vergangene Woche vorgelegte Ergebnis einer Untersuchung durch private Wirtschaftsprüfer sein. Diese haben eine Kapitallücke von maximal 62 Milliarden Euro ermittelt. Rasche Klarheit ist jedoch nicht zu erwarten: Die Verhandlungen zum Rettungspaket werden nach den Worten von Wirtschaftsminister Luis de Guindos einige Zeit in Anspruch nehmen. "Dies ist ein sehr komplexes Paket, die Verhandlungen werden dauern", betonte De Guindos bei einer Parlamentsanhörung.

Euro-Krise

Spanische Banken herabgestuft

Euro-Krise: Spanische Banken herabgestuft

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Erst am Montagabend erhielt Spanien den nächsten Nackenschlag: Die Ratingagentur Moody's stufte die Kreditwürdigkeit von 28 spanischen Banken herabstufte. Die Bewertungen der Geldhäuser rauschten um eine bis vier Stufen nach unten. Moody's begründete den Schritt mit der gesunkenen Bonität Spaniens, die von der Agentur erst kürzlich ebenfalls kräftig heruntergestuft wurde. Zudem drohten den Banken höhere Verluste aus der schweren Immobilienkrise in dem Land.

Musterschüler und Sitzenbleiber - so verschuldet sind die Euro-Länder

Platz 1

Das am höchsten verschuldete Land der Euro-Zone ist - wer hätte es gedacht - Griechenland. Bei satten 175 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) liegt die Schuldenquote des Mittelmeerlandes. Ein kleiner Lichtblick: Immerhin haben es die Griechen in den vergangenen Jahren geschafft, ihr extrem hohes Haushaltsdefizit zu drücken: Nahm die Regierung 2009 noch neue Kredite in Höhe von 15,6 Prozent des BIP auf, wird sich die Defizitquote im Jahr 2012 - nicht zuletzt dank europäischer Hilfe - auf 7,3 Prozent des BIP verringern.

Platz 2

Auf Platz zwei der am meisten verschuldeten Euro-Länder landet Italien. Mit 123 Prozent des BIP stehen die Italiener laut Eurostat in der Kreide. Die Märkte bestrafen das mit höheren Zinsen, die der Regierung von Premierminister Mario Monti das Leben schwer machen. Mit einem harten Sparkurs steuert Rom dem entgegen: Die Defizitquote sank von 5,4 Prozent im Jahr 2009 auf voraussichtlich 2,0 Prozent in diesem Jahr.

Platz 3

Irland hatte vor allem unter der Bankenkrise zu leiden. Weil das kleine Land seine Banken stützen musste, hat es einen Bruttoschuldenstand von 116,1 Prozent des BIP. Auch das Haushaltsdefizit des früheren keltischen Tigers war in der Folge beängstigend hoch und lag 2010 bei 31 Prozent des BIP. Inzwischen konnte die Regierung das Defizit auf 8,3 Prozent senken - was immer noch deutlich zu hoch ist.

Platz 4

Genau wie Griechenland und Irland musste sich auch Portugal unter den Rettungsschirm flüchten. Das Land ächzt unter einer Schuldenquote von 113,9 Prozent der BIP. Auf Druck der EU reduzierten die Portugiesen ihr Haushaltsdefizit in den vergangenen Jahren deutlich: Waren es 2009 noch 10,2 Prozent des BIP, wird die Defizitquote in diesem Jahr voraussichtlich auf 4,7 Prozent sinken.

Platz 5

Auch Belgiens Schuldenquote hat mit 113,9 Prozent vom BIP eine kritische Höhe erreicht. Bei Haushaltsdefizit hingegen sehen die Belgier inzwischen wieder ganz gut aus: Nach satten 10,2 Prozent im Jahr 2009 werden sie die in den Maastricht-Kriterien festgelegte Defizitquote von drei Prozent in diesem Jahr vorrausichtlich exakt einhalten.

Platz 6

Deutschlands Nachbarland Frankreich hat eine Verschuldungsquote von 90,5 Prozent des BIP. Ökonomen halten diese Schuldenlast für gerade noch tragbar, die Maastricht-Kriterien hingegen verletzen die Franzosen deutlich: Sie sehen eine Quote von höchstens 60 Prozent vor. Auch das französische Haushaltsdefizit ist mit 4,5 Prozent vom BIP im Jahr 2012 zu hoch.

Platz 7

Auch Deutschland, das sich gerne als Musterschüler der Euro-Zone sieht, drückt eine hohe Schuldenlast: 81,2 Prozent beträgt die Bruttoschuldenquote im Jahr 2012 - zu hoch für Maastricht. Beim Haushaltsdefizit hingegen sieht Europas größte Volkswirtschaft inzwischen richtig gut aus: Eurostat schätzt, dass Schäubles Defizitquote in diesem Jahr nur noch bei 0,9 Prozent des BIP liegt - der zweitbeste Wert aller Euro-Staaten.

Platz 8

Das letzte Land, das Schutz unter dem Euro-Rettungsschirm suchte, war Spanien. Dabei ist die Bruttoschuldenquote der Iberer gar nicht so hoch: mit 80,9 Prozent liegt sie unter der von Deutschland. Deutlich zu hoch ist allerdings das Haushaltsdefizit Spaniens: Kredite in Höhe von 6,4 Prozent muss die konservative Regierung in diesem Jahr aufnehmen - weniger als im letzten Jahr (8,5 Prozent) aber immer noch zu viel.

Platz 9

Bei Zypern wird immer gemunkelt, dass das Land als nächstes unter den Rettungsschirm schlüpfen könnte. Den Inselstaat drückt eine Schuldenquote von 76,5 Prozent des BIP. Immerhin: Das Haushaltsdefizit konnten die Zyprioten spürbar reduzieren: Es sankt von 6,3 Prozent des BIP im Vorjahr auf 3,4 Prozent in diesem Jahr. Die Maastricht-Grenze ist damit wieder in Reichweite.

Platz 10

Die Mittelmeerinsel Malta weist eine Bruttoverschuldungsquote von 74,8 Prozent des BIP auf. Im europäischen Vergleich reicht das für Platz zehn. Das Haushaltsdefizit von Malta bewegt sich innerhalb der Maastricht-Kriterien und wird in diesem Jahr voraussichtlich bei 2,6 Prozent liegen.

Platz 11

Deutschlands südlicher Nachbar Österreich weist eine Verschuldungsquote von 74,2 Prozent des BIP auf - Platz elf in Europa. Auch das Haushaltsdefizitdefizit der Alpenrepublik ist mit aktuell drei Prozent vom BIP vergleichsweise gering. Im Jahr 2011 hatte es mit 2,6 Prozent sogar noch niedriger gelegen.

Platz 12

Die Niederlande gelten ähnlich wie Deutschland als Verfechter einer strengen Haushaltspolitik. Das macht sich bemerkbar: Die Verschuldungsquote liegt bei nur 70,1 Prozent vom BIP. Weniger erfolgreich haben die Niederländer in den vergangen Jahren gewirtschaftet: Das Haushaltsdefizit lag 2009 bei 5,6 Prozent und hat sich danach nur leicht verringert. Im Jahr 2012 peilt die Regierung ein Defizit in Höhe von 4,4 Prozent des BIP an.

Platz 13

Slowenien ist das erste Land im Ranking, dessen Verschuldungsquote die Maastricht-Kriterien erfüllt: Sie liegt im Jahr 2012 bei 54,7 Prozent des BIP. Schlechter sieht es bei den Haushaltszahlen aus: Nach einen Defizit in Höhe von 6,4 Prozent des BIP im Jahr 2011 steuert die Regierung in diesem Jahr auf 4,3 Prozent zu. Die Gesamtverschuldung steigt also.

Platz 14

Ein Musterbeispiel für solide Haushaltsführung ist Finnland: Die Bruttoverschuldungsquote der Skandinavier liegt bei 50,5 Prozent und bewegt sich damit locker in dem Rahmen, den der Maastricht-Vertrag vorgibt. Auch die Haushaltszahlen können sich sehen lassen: In den vergangenen vier Jahren lag Finnlands Defizit nie über der Drei-Prozent-Marke. Im Jahr 2012 werden es nach Prognose von Eurostat gerade einmal 0,7 Prozent sein.

Platz 15

Auch die Slowakei weist eine niedrige Gesamtverschuldung auf: Die Bruttoverschuldungsquote liegt bei 49,7 Prozent des BIP. In den vergangen Jahren allerdings hatten die Slowaken zunehmend Probleme: Bei acht Prozent des BIP lag das Haushaltsdefizit im Jahr 2009, in diesem Jahr werden es laut Eurostat-Prognose 4,7 Prozent sein.

Platz 16

Geldsorgen sind in Luxemburg ein Fremdwort. Die Verschuldungsquote des Großherzogtums liegt bei niedrigen 20,3 Prozent. Der Regierung gelingt es in den meisten Jahren auch, mit den eingenommenen Steuermitteln auszukommen. In den vergangenen drei Jahren lag das Haushaltsdefizit stets unter einem Prozent des BIP. Die anvisierten 1,8 Prozent in diesem Jahr sind da schon ein Ausreißer nach oben.

Platz 17

Hätten Sie es gewusst? Der absolute Haushalts-Musterschüler der Euro-Zone ist Estland. Das baltische Land hat eine Gesamtverschuldung, die bei extrem niedrigen 10,4 Prozent des BIP liegt - ein echter Spitzenwert. 2010 und 2011 gelang es der Regierung sogar, einen kleinen Haushaltsüberschuss zu erwirtschaften. In diesem Jahr läuft es etwas schlechter: Voraussichtlich wird die Regierung Kredite in Höhe von 2,4 Prozent des BIP aufnehmen. Die Maastricht-Kriterien halten die Esten damit aber immer noch locker ein.

Kommentare (60)

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bhayes

26.06.2012, 14:52 Uhr

Natürlich gibt es Ansätze, wie auch Spanien aus der Überschuldungskrise wieder rauskommt. Aber diese Analysen und Konzepte kommen nicht aus der Politkaste und auch nicht von den Banken (Überraschung, Überraschung...), siehe z.B. "Wie die Überschuldungskrise innerhalb von Wochen beendet werden kann" für konkrete, bewährte und funktionierende Prinzipien, wie das klappt.

stop_esm

26.06.2012, 14:55 Uhr

Hier sieht man wie schizophren das System ist.
Erhalten die immer noch Geld vom privaten Sektor??
Unfassbar!
Aber diese Käufer spekulieren darauf, dass Ihre Schrottanleihen die Deutschen am Ende über den ESM abkaufen werden, usw.
Tja, wahrscheinlich haben die wieder Ihre Wette gewonnen!

WOLLT_IHR_DEN_TOTALEN_..BESCHISS

26.06.2012, 15:03 Uhr

@stop_esm: Die Käufer der Anleihen sind hauptsächlich spanische Banken. Spanische Banken werden u. a. vom dt. Steuerzahler gerettet und spanische Banken retten den Staat durch Käufe der Anleihen. Diese Schrottanleihen, können wiederum für neue Liquidität beim EZB hinterlegt werden, um Liquidität zu erhalten. Diese Liquidität fliesst in den Kauf weiterer Schrottanleihen. Das ist Voodoo-Ökonomie. In die Wirtschaft fliess kaum etwas. BESCHISS pur. Schulden mit noch mehr Schulden lösen - Schwachsinn hoch 10. Richtige Restrukturierung und einen realistischen Insolvenzplan passen Parasitenpolitikern und Finanzlobbyisten nicht. Deshalb wird das kranke System lieber ein paar Jahre so aufrechterhalten. Insolvenzverschleppung befriedigt Interessen bestimmter Parasiten halt. Deutschland soll lieber das Geld für die bald notwendige Rekapitalisierung dt. Banken verwenden. Diese wie z. B. Deutsche Bank haben europaweit grössten Verschuldungsgrad!!! Also, Angela, lieber deutsches Geld zu r Sicherung der Einlagen in Deutschland verwenden und Verluste bei DT.Bank realisieren und die Banken KURZFRISTIG ggf. verstaatlichen, um Bilanzen zu säubern. Dt. BAnk hat Verluste nicht realisiert und hat eine Eigenkapitalquote von 2,6%. MF Global, die pleite ging hatte 3,3% Eigenkapitalquote

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