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13.03.2013

14:00 Uhr

Anleihe-Auktionen

Irland und Italien holen sich Milliarden

Zum ersten Mal seit 2010 platzieren die Iren eine zehnjährige Anleihe. Die Nachfrage ist hoch. Auch Italien platziert Anleihen erfolgreich bei Investoren. Doch die Märkte reagieren darauf mit Ernüchterung.

Die bis 2023 laufende Anleihe könnte ein Emissionsvolumen von bis zu drei Milliarden Euro haben. dpa

Die bis 2023 laufende Anleihe könnte ein Emissionsvolumen von bis zu drei Milliarden Euro haben.

Dublin, FrankfurtItalien und Irland haben sich ungeachtet ihrer wirtschaftlichen Probleme Milliarden auf dem Anleihenmarkt gesichert. Erstmals seit der Rettung vor der Staatspleite zapft Irland wieder den Kapitalmarkt an. Die Gebote der Anleger summierten sich auf mehr als sieben Milliarden Euro, teilten die Konsortialbanken am Mittwoch mit. Auch Italien hat erfolgreich Anleihen versteigert.

„Das Geschäft lässt sich gut an“, sagte ein Banker der Nachrichtenagentur Reuters zur Versteigerung der irischen Anleihen. Der Risikoaufschlag im Vergleich zur richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe soll bei 2,45 Prozentpunkten liegen. Zunächst waren 2,50 Prozent anvisiert worden.

Irlands Reformen

Ausgangslage

Irland war als erstes Land der Euro-Zone in die Finanzkrise geraten und hatte sich nur mit einem internationalen Hilfspaket aus dem Strudel befreien können. Zahlreiche Maßnahmen wurden bereits umgesetzt, aber einiges bleibt noch zu tun.

Umgesetzte Maßnahmen

• Senkung der Steuerfreibeträge bei Erbschaften, seit 2009
• Mineralölsteuererhöhungen für Diesel um 5 Cent/Liter, seit 2009 sowie um 4 Cent Benzin und um weitere 2 Cent Diesel, seit 2010
• Übergangsweise Einführung einer Flugverkehrssteuer von 3 Euro pro Fluggast, seit 01.03.2011
• Einführung Kohlenstoffemissionssteuer mit 15 Euro pro Tonne (Dez. 2009) Erhöhung auf 20 Euro ab Mai 2012
• Anpassung der Steuergrenzbeträge, maximalen Einkommensteuersatz von 41% ab 32.800 statt 36.400 Euro
• Senkung Einkommensteuerfreibeträge von 1.830 auf 1.650 Euro, ab 2011
• Anhebung der MwSt. von 21 auf 23%, ab 2012
• Erhöhung Kapitalertragssteuer von 20 auf 30%, ab 2012
• Aufhebung Beitragsbemessungsgrenzen für Sozialversicherungen
• Besteuerung der Boni von Bankangestellten, deren Bank vom irischen Staat gerettet wurde, mit 90%
• Kürzung von Pensionen
• Restrukturierung maroder Banken sogar über Zeitplan (Fusionen, Erneuerung des Managements)
• Senkung der Gehälter im öffentlichen Dienst (5% der ersten 30.000 Euro, 7,5% Teil bis 40.000 Euro und 10% Teil bis 55.000 Euro)
• Erhöhung Tabaksteuer um 25 Cent für 20 Zigaretten, ab 06.12.2011

Geplante Maßnahmen

• Einführung Trinkwasserabgabe i. H. v. etwa 250 bis 400 Euro pro Haushalt, bis 2014
• Staatsdefizit von 2011 bis 2014 um 15 Mrd. Euro senken – 10 Mrd. Euro Ausgabensenkungen/5 Mrd. Euro Einnahmenerhöhungen
• Immobiliensteuer derzeit 100 Euro pro Wohneinheit – geplant Grundsteuer
• Streichung von 6.000 Stellen im öffentlichen Dienst in 2012, Einsparungen von (400 Mio. Euro p.a.)
• Erhöhung des Renteneintrittsalters in 2014 auf 66 Jahre, in 2021 auf 67 Jahre und in 2028 auf 68 Jahr
• Erhöhung der Studiengebühren

Die Platzierung erfolgt bei einer öffentlichen Auktion, bei der institutionelle Investoren zugreifen können. Bei einer sogenannten Syndizierung übernehmen einzelne Banken den Begebungsprozess. Laut NTMA handelt es sich um die britischen Finanzinstitute Barclays und HSBC, die Investmentbanken Goldman Sachs und Nomura, die dänische Bank Danske Bank und das irische Institut Davy.

Das Hilfsprogramm Irlands über 67,5 Milliarden Euro läuft noch bis Ende des Jahres. Danach soll sich das Land wieder komplett selbstständig refinanzieren. In den letzten Monaten war es Irland mehrfach gelungen, Staatsanleihen kürzerer Laufzeit am Markt zu platzieren. Im freien Handel sind die Risikoaufschläge irischer Schuldtitel in den vergangenen eineinhalb Jahren massiv gefallen. Ein Grund ist der stetige Reform- und Sparkurs des Landes. Irland gilt als „Musterknabe“ unter den Euro-Krisenländern.

Irland könnte in der Tat das Hilfsprogramm von EU und IWF jederzeit verlassen, wenn das Land dies wünscht“, sagte Holger Schmieding, Chefvolkswirt bei Berenberg Bank. „Ich denke, Irland braucht derzeit kein zusätzliches Geld. Es braucht auch keine längeren Fälligkeiten für ausstehende öffentliche Darlehen. Was Irland braucht, ist die implizite EZB-Zusage, Länder zu stützen, die die offiziellen Hilfsprogrammen verlassen“, ergänzte Schmieding.

Die Regierung in Dublin geht für 2013 von einem Wirtschaftswachstum auf der grünen Insel von 1,5 Prozent aus. Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte am 11. Februar den Ausblick für Irlands „BBB+“-Rating von negativ auf stabil angehoben. Die Ratingagentur Moody's stuft Irland mit „Ba1“ ein.

Kommentare (9)

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ratlos

13.03.2013, 10:52 Uhr

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Durchsubventionierte-Rueckkehr

13.03.2013, 11:00 Uhr

Irland hat jüngst selbst die Mindestzahlungsziele versäumt: Die "Belohnung" sind weitere 25 Jahre Tilgungsaufschub für den s.g. "Musterschüler".

Irlands Geschäftsmodell ist Steuerschiebung. Irland vermarktet Steuerkonstrukte, die es int.Konzernen erlaubt, ihre (anderenfalls steuerpflichten) Zahlungsströme in Steueroasen umzulenken. (s. Double Irish / Dutch Sandwich )
Die Fata-Morgana-Ökonomie Irlands löste einem Ansiedlungsboom mit Immobilienblase aus.
Als diese in Bilanzen der Banken detonierte, wälzte die durchkorrumpierte irische Regierung diese Bilanzprobleme kurzerhand auf die Staatskasse ab.
Durch diese "Verstaatlichung" ver4fachte sich die irische Staatsverschuldung.
Anschließend nannte man es "Eurorettung", als die geplünderte Staatskasse mit EU-Geldern betankt wurde:
85 Mrd."Eurorettung" für einen Kleinstaat mit einem Viertel der Einwohnerzahl von NRW (!).
Um die Bürger der Zahlstaaten bei Laune zu halten, wurde der Rückzahlungsmythos vom "irischen Musterschüler" geschaffen. Real versäumt Irland auch die Mindestzahlungsziele.
Viel Spass mit der durchinszenierten "Rückkehr zum Kapitalmarkt".
Die "unechten Nachfrager" werden vorher bei der EZB mit Billigskredit aufmunitioniert.

MMnews_de

13.03.2013, 11:22 Uhr

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