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02.05.2013

20:21 Uhr

Anleihe-Emission fortgesetzt

Slowenien beschafft sich 3,5 Milliarden Dollar

Slowenien kann sich dringend benötigtes Geld am Kapitalmarkt leihen. Und das trotz Ramsch-Rating. Besonders die Kreditlasten der staatlichen Banken belasten die Staatsfinanzen. EU-Hilfen lehnt das Land ab.

Eine skelettierte 1-Euro-Münze: Slowenien kann am Kapitalmarkt dringend benötigtes Geld aufnehmen. dpa

Eine skelettierte 1-Euro-Münze: Slowenien kann am Kapitalmarkt dringend benötigtes Geld aufnehmen.

LondonSlowenien hat sich trotz einer Bonitäts-Herabstufung auf "Ramsch"-Niveau erfolgreich Milliarden am Finanzmarkt geliehen und sich dadurch Zeit für dringend benötigte Reformen verschafft. Die Emission von zwei Anleihen spülte am Donnerstag insgesamt 3,5 Milliarden Dollar in die Staatskasse des klammen Euro-Landes. Damit dürfte die Regierung ihren Finanzierungsbedarf zumindest bis Jahresende gedeckt haben. Analysten gaben jedoch zu Bedenken, dass damit auch der Reformdruck etwas abgenommen hat.

Die Ausgabe war am Dienstag unterbrochen worden, nachdem Moody's die Kreditwürdigkeit des Landes wegen der Probleme im Bankensektor und der hohen Verschuldung auf das Ramschniveau "Ba1" herabgesetzt hatte. Der Schritt war ein schwerer Schlag für die erst seit kurzem regierende Ministerpräsidentin Alenka Bratusek. Sie will das Land mit seinen zwei Millionen Einwohnern ohne Euro-Rettungshilfen sanieren.

Die Ratings der Euro-Länder

Belgien

S&P Rating: AA
Ausblick: Negativ
Moody's Rating: Aa3
Ausblick: Negativ
Fitch Rating: AA
Ausblick: Stabil

Deutschland

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Estland

S&P Rating: AA-
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: A1
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: A+
Ausblick: Stabil

Finnland

S&P Rating: AAA
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Frankreich

S&P Rating: AA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aa1
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AA+
Ausblick: Stabil

Griechenland

S&P Rating: B-
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Caa3
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: B
Ausblick: Stabil

Irland

S&P Rating: BBB+
Ausblick: Positiv

Moody's Rating: Ba1
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: BBB+
Ausblick: Stabil

Italien

S&P Rating: BBB
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Baa2
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: BBB+
Ausblick: Stabil

Luxemburg

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Malta

S&P Rating: BBB+
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: A3
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: A+
Ausblick: Stabil

Niederlande

S&P Rating: AA+
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Negativ

Österreich

S&P Rating: AA+
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Portugal

S&P Rating: BB
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Ba2
Ausblick: Positiv

Fitch Rating: BB+
Ausblick: Negativ

Slowakei

S&P Rating: A
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: A2
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: A+
Ausblick: Stabil

Slowenien

S&P Rating: A-
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Ba1
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: BBB+
Ausblick: Negativ

Spanien

S&P Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Baa3
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Zypern

S&P Rating: B
Ausblick: Positiv

Moody's Rating: Caa3

Ausblick: Negativ

Fitch Rating: B-

Ausblick: Stabil

Die Herabstufung schien jedoch die Nachfrage kaum gedämpft zu haben: Das hoch verschuldete Euro-Land erhielt insgesamt Gebote in einem Volumen von 16 Milliarden Dollar. Für fünfjährige Staatsanleihen musste das Land den Anlegern eine Rendite von 4,95 Prozent bieten und für zehnjährige Papiere sechs Prozent. "Falls jemand Zweifel an dem Renditehunger der Investoren hatte - dies ist der Beweis", kommentierte Abbas Ameli-Renani von der RBS. "Ein Land, das erst vor einem Monat mit Zypern verglichen wurde, verbuchte eine Nachfrage nach den Anleihen im Volumen von fast einem Drittel seiner Wirtschaftsleistung."

Geschichte des Euro

Anfänge

Das Ziel einer Währungsunion war bereits im EG-Vertrag verankert. Am 1. Januar 1999 ist es so weit: Der Euro wird gemeinsame Währung von elf Ländern. In Euro bezahlt werden kann per Scheck, Kredit- oder EC-Karte. Das alte Geld bleibt jedoch zunächst das allein gültige Zahlungsmittel. Wenige Tage später nehmen auch die Finanzmärkte den Handel mit Euro auf.

Euro-Zone

Zu den ersten Ländern, die den Euro einführten, gehörten Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Portugal und Spanien. Griechenland trat erst 2001 der Gemeinschaft bei, da es vorher nicht die Auflagen erfüllte. Großbritannien, Dänemark und Schweden verzichteten auf den Euro.

Bargeld

Am 1. Januar 2002 wird der Euro in zwölf Ländern gesetzliches Zahlungsmittel. Die D-Mark behält für zwei Monate ihr Gültigkeit, kann danach aber immer noch gegen Euro eingetauscht werden. Der Wechselkurs ist festgesetzt auf 1 Euro = 1,95583 D-Mark.

Neue Mitglieder

2004 werden zehn Länder in Mittel- und Osteuropa sowie im Mittelmeerraum neue EU-Mitglieder. Sie müssen die Gemeinschaftswährung übernehmen, sobald sie die Konvergenzkriterien erfüllen. Bis heute sind allerdings nur fünf weitere Staaten der Euro-Zone beigetreten, nämlich Slowenien, Malta, Zypern, Estland und die Slowakei. Damit gibt es insgesamt 17 Länder in Europa, in denen offiziell mit Euro bezahlt werden kann.

Höchststand

Ende August 2008 steigt der Euro zum ersten Mal über die psychologisch wichtige Marke von 1,50 US-Dollar. Sein bisheriges Allzeithoch von 1,5990 Dollar erreicht die Gemeinschaftswährung am 15. Juli, wobei der höchste je am Markt gehandelte Kurs sogar über 1,60 Dollar liegt.

Schuldenkrise

Im Frühjahr 2010 kommt Griechenland in immer größere Finanznöte und muss als erstes Euro-Land Milliardenhilfen beantragen. Damit nimmt eine Schuldenkrise ihren Lauf, in dessen Zuge weitere Länder, darunter Irland und Portugal, um Geldmittel bitten müssen. In der Öffentlichkeit wird heftig über einen möglichen Zusammenbruch der Euro-Zone spekuliert. Die Gemeinschaftswährung wertet kontinuierlich ab.

Slowenien ächzt unter hohen Schulden der zumeist staatlichen Banken und einem großen Haushaltsloch infolge der schwachen Wirtschaftslage. Die Geldhäuser des Landes haben faule Kredite im Umfang von rund sieben Milliarden Euro angehäuft. Das entspricht einem Fünftel der Wirtschaftsleistung Sloweniens. Im Laufe des Monats will die Regierung einen Plan für Privatisierungen von Staatsfirmen und einen neuen Sparkurs vorstellen.

Von

rtr

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