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15.02.2012

14:49 Uhr

Anleihe-Emission

Portugal zahlt weniger Zinsen

Portugal ist bei der größten Anleihe-Emission seit der Flucht unter den Euro-Rettungsschirm auf reißenden Absatz für Papiere mit kurzer Laufzeit gestoßen.

Ein Broker einer portugiesischen Bank in Lissabon. dapd

Ein Broker einer portugiesischen Bank in Lissabon.

LissabonPortugal hat am Mittwoch die größte Emission am Geldmarkt seit der Flucht unter den Euro-Rettungsschirm im vorigen Jahr gewagt. Bei mehreren Auktionen von Papieren mit Laufzeiten zwischen drei Monaten und einem Jahr sammelte das klamme Land wie erhofft drei Milliarden Euro ein. Die Investoren rissen der portugiesischen Finanzagentur IGCP die Kurzläufer geradezu aus den Händen.

Die Nachfrage nach den Dreimonatspapieren, bei der 300 Millionen Euro in die Staatskasse gespült wurde, war zehnmal höher als das Angebot. Bei den sechsmonatigen und zwölfmonatigen Schuldtiteln war die Nachfrage immer noch rund zweimal höher. Zugleich sanken die Zinsen für die Papiere, was niedrigere Kosten für das Land bedeutet. So erhielten die Investoren für die besonders begehrten Dreimonatspapiere eine Rendite von 3,845 Prozent. Noch vor zwei Wochen waren bei einer vergleichbaren Auktion 4,06 Prozent erforderlich.

Portugal war im Frühjahr 2011 unter den Rettungsschirm von EU und IWF geschlüpft. Mittlerweile wird über eine Ausweitung des auf drei Jahre ausgelegten und 78 Milliarden Euro schweren Pakets spekuliert: Denn für das tief in der Rezession steckende Land zeichnet sich noch immer kein Silberstreif am Horizont ab.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat vorige Woche am Rande des Euro-Finanzministertreffens Bereitschaft signalisiert, dem westlichen Nachbarn Spaniens notfalls entgegenzukommen. In einem von dem Fernsehsender TVI mitgeschnittenen Gespräch mit seinem portugiesischen Kollegen Vitor Gaspar sagte Schäuble: „Wenn sich die Notwendigkeit für eine Anpassung des portugiesischen Programms ergibt, werden wir dazu bereit sein.“

Analystin Elisabeth Afseth von Investec Capital Markets sieht diese Äußerungen als eine der Gründe dafür, dass die Renditen portugiesischer Schuldtitel kurzfristig gefallen sind. Dennoch ist Portugal am Kapitalmarkt noch immer weit von einem langfristig tragfähigen Zinsniveau entfernt: Für 10-jährige Anleihen werden Renditen von mehr als zwölf Prozent fällig. Ende Januar war allerdings ein Höchstwert von mehr als 17 Prozent erreicht worden.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Warren

15.02.2012, 17:55 Uhr

"Die Investoren rissen der portugiesischen Finanzagentur IGCP die Kurzläufer geradezu aus den Händen."
Investoren ??? Das war die EZB über den Umweg Banken, die Geld und Sicherheit für lau erhalten. Hierbei wird das fundamentale Marktgesetz "hohe Rendite = hohes Risiko" außer Kraft gesetzt. Während die Banken die Rendite behalten, wird das Risiko an die Steuerzahler (in diversen Formen) weitergeleitet. Ein rational denkender "echter" Investor, der nicht seine Verluste im Falle einer Pleite sozialisieren (über Verkauf des Schrotts an EZB oder Bail-Out durch den Staat mittels Steuergelder) kann, würde solche Papierchen sicherlich nicht kaufen.

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