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22.08.2012

12:31 Uhr

Anleihe-Emission

Schäuble sammelt wieder Null-Zins-Geld

Deutschland hat mit der zweiten Null-Zins-Anleihe in seiner Geschichte erneut Milliarden bei Investoren eingesammelt. Es gebe immer noch genügend Leute, die ihr Geld kostenlos verliehen, sagte eine Analystin.

Finanzminister Schäuble: Genügend Leute, die Ihr Geld kostenlos verleihen. dpa

Finanzminister Schäuble: Genügend Leute, die Ihr Geld kostenlos verleihen.

BerlinDie Versteigerung der Bundesschatzanweisungen mit einer Laufzeit von zwei Jahren spülte knapp 4,1 Milliarden Euro in die Kassen von Finanzminister Wolfgang Schäuble. Das teilte die für das Schuldenmanagement des Bundes zuständige Finanzagentur am Mittwoch mit.
Der Appetit der Anleger auf die Papiere ließ aber nach. Die Nachfrage übertraf das Angebot noch um das 1,5-Fache. Im Mai hatte die Finanzagentur zum ersten Mal überhaupt eine Null-Zins-Anleihe begeben. Damals war die Versteigerung 1,7-fach überzeichnet, die letzte Aufstockung des Volumens im Juli sogar um das 2,0-Fache.

So viel kostet Europa

Rettungsfonds EFSM

Beim Rettungsfonds EFSM stehen 60 Milliarden Euro zu Buche. Der deutsche Anteil beträgt dabei 12 Milliarden Euro.

1. Rettungspaket für Griechenland (IWF und EU)

Griechenland erhielt durch das erste Rettungspaket 110 Milliarden Euro, 24 Milliarden davon kamen aus Deutschland.

Einlagensicherungsfonds (von Experten geschätzt)

Nach Schätzung der Citigroup müsste der von der EU-Kommission geforderte Einlagensicherungsfonds ein Volumen von 197 Milliarden Euro haben. Der deutsche Anteil läge dann bei bis zu 55 Milliarden Euro.

EZB-Staatsanleihenkäufe

Die Europäische Zentralbank hat Staatsanleihen für 209 Milliarden Euro eingekauft. Der Bund ist daran mit 57 Milliarden Euro, also mehr als einem Viertel, beteiligt.

IWF-Beitrag zu den Rettungspaketen

Der Internationale Währungsfonds zahlte 250 Milliarden Euro für die Rettungspakete. Deutschland gab dafür 15 Milliarden.

Geplanter ESM

Der dauerhafte Rettungsschirm soll ein Volumen von 700 Milliarden Euro haben. Deutschland wäre daran mit 190 Milliarden Euro beteiligt.

Bürgschaften im Rettungsfonds EFSF

Der Rettungsfonds bürgt mit 780 Milliarden, Deutschland allein mit 253 Milliarden Euro.

Target-Verbindlichkeiten

Die Target-Verbindlichkeiten liegen innerhalb des EZB-Verrechnungssystem bei 818 Milliarden Euro. Der deutsche Anteil daran beträgt 349 Milliarden Euro.

"Es gibt immer noch Leute, die ihr Geld kostenlos verleihen, aber immerhin müssen sie für die Ehre nicht auch noch draufzahlen", sagte Investec-Analystin Elisabeth Afseth angesichts vorangegangener Auktionen, bei denen Investoren dem Staat sogar eine Prämie zahlten. "Die Nachfrage ist etwas zurückgegangen, aber noch immer ordentlich."
Weil Investoren wegen des ungewissen Ausgangs der Schuldenkrise nach einem sicheren Parkplatz für ihr Geld suchen, legen sie es in der als sicherer Hafen geltenden Bundesrepublik an. Die Finanzagentur orientiert sich bei der Festlegung des Zinskupons am Markt. Dort lag der Zins zu Wochenbeginn sogar im Minus. "Der Bund beabsichtigt aber nicht, Bundeswertpapiere mit negativen Kupons zu begeben", sagte ein Sprecher der Finanzagentur. "Ein Kupon von null Prozent stellt insoweit eine Untergrenze dar."

Gefährliche Inflation

Was ist Inflation?

Der Begriff stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „Sich-Aufblasen“. Der Begriff bezeichnet einen andauernden starken Anstieg des Preisniveaus: Waren- und Dienstleistungspreise steigen insgesamt an, blasen sich quasi auf. Die Kaufkraft des Geldes sinkt, da man weniger Waren und Dienstleistungen als zuvor für den gleichen Geldbetrag kaufen kann. Wenn die Preise nur einzelner Güter steigen, herrscht noch keine Inflation. Kennzeichnend für eine Inflation ist vielmehr, dass das Geld generell und fortlaufend an Kaufkraft verliert. Das Eurosystem hat definiert, dass eine jährliche Inflationsrate von unter zwei Prozent noch mit dem Ziel der Preisstabilität vereinbar ist.

Quelle: Deutsche Bundesbank, Bundeszentrale für politische Bildung.

Wie wird die Inflation gemessen?

Am häufigsten wird zur Messung der Inflation der Verbraucherpreisindex (früher Preisindex für die Lebenshaltung) als Maßstab für Preisveränderungen herangezogen. Der Verbraucherpreisindex wird anhand eines Verbrauchsschemas, des sogenannten Warenkorbs, berechnet, der alle Güter und Dienstleistungen enthält, die den typischen Verbrauchsgewohnheiten eines Durchschnittshaushalts entsprechen. Dazu gehören Güter des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel, Bekleidung oder Mieten und langlebige Gebrauchsgüter wie Kraftfahrzeuge oder Möbel genauso wie Dienstleistungen (z. B. Friseurbesuche oder Versicherungen). In der Regel wird der Warenkorb ungefähr alle fünf Jahre neu festgesetzt, weil sich die Konsumgewohnheiten der Verbraucher verändern oder neue Waren und Dienstleistungen angeboten werden. Die Berechnung der Preisveränderung für die Lebenshaltung erfolgt durch die Ermittlung der Preise für die einzelnen Güter des Warenkorbes. Diese Preise werden dann als Indexzahl, bezogen auf ein Basisjahr (derzeit Preisbasis 2005 = 100), ausgedrückt.

Wann spricht man von Hyperinflation?

Eine Hyperinflation ist eine Inflation mit gigantischen Preissteigerungen. Die Inflationsraten liegen mindestens bei 50 Prozent, meist sogar höher. Ist eine Hyperinflation im Gange, nimmt die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes ständig zu. Das liegt daran, dass jeder sein Geld möglichst sofort ausgibt, um weiteren Preissteigerungen zuvorzukommen. Die Folge ist eine immer schnellere Nachfrage und immer schnellere Preissteigerungen, bis schließlich das Vertrauen der Bevölkerung in die inländische Währung total verloren geht. Spätestens in dieser Situation weicht die Bevölkerung auf wertbeständiges ausländisches Geld oder auf knappe Sachgüter als Ersatzwährung aus (z. B. amerikanische Zigaretten nach dem Zweiten Weltkrieg in Westdeutschland), um sich auf dem Schwarzmarkt mit notwendigen Gütern zu versorgen.

Schützen Immobilien vor Inflation?

Dass Stein und Beton gegen die Geldentwertung helfen stimmt nur bedingt. Denn die Preise von Eigentumswohnungen und Häusern steigen vor allem in Metropolen. Der Maklerverband IVD hat festgestellt, dass die Preise für Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser von 1977 bis 2010 stärker gestiegen sind als die Inflation, aber vor allem in Metropolen und nicht in Kleinstädten oder auf dem Land.

Schützt Gold vor einer Inflation?

Gold gilt als besonders sicher, weshalb Anleger gerade aus Furcht vor fallenden Börsenkursen und Angst vor steigender Inflation hier zugreifen. Allerdings raten Verbraucherschützer regelmäßig zur Vorsicht: Denn die künftige Entwicklung des Goldpreises ist reine Spekulation. Zwar spricht aus ihrer Sicht nichts dagegen, in Gold zu investieren. Allerdings gibt es einiges zu beachten: Da Gold in Dollar gehandelt wird, besteht ein Währungsrisiko. Wer Goldbestände aus Sicherheitsgründen nicht daheim lagern will, muss zudem Kosten für ein Schließfach einkalkulieren.

Schützen Aktien vor einer Inflation?

Neben Immobilien und Edelmetallen gelten auch Aktien als verlässlicher Schutz. Die Idee dahinter: Steigt das allgemeine Preisniveau, schlägt sich das früher oder später auch in den Preisen und Kursen realer Vermögenswerte nieder. Einigkeit herrscht unter Experten aber auch darin, dass dieser Zusammenhang erstens nur tendenziell gilt und zweitens vor allem langfristig.

Während der Finanzminister Milliarden an Kosten spart, stellt das niedrige Zinsniveau für Lebensversicherer und Pensionsfonds ein großes Problem dar. Sie sind aufsichtsrechtlich verpflichtet, einen Großteil ihres Geldes in möglichst ausfallsichere Staatsanleihen zu stecken. Da die Inflationsrate in Deutschland derzeit bei gut zwei Prozent liegt, liegen die Realzinsen im negativen Bereich. Für Lebensversicherer ist es damit schwierig, hohe Renditeversprechen einzuhalten.
Der Bund muss sich in diesem Jahr rund 260 Milliarden Euro von Investoren holen, um Altschulden zu tilgen und das Haushaltsloch zu schließen. Etwa 58 Milliarden Euro sollen die zweijährigen Bundesschatzanweisungen in die Kasse spülen. Die neuen Papiere sollen im September und Oktober jeweils um bis zu fünf Milliarden Euro aufgestockt werden.

Von

rtr

Kommentare (11)

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Peer-Bilderberger

22.08.2012, 12:45 Uhr

verschenkt der Drogen Dealer am Anfang seine Drogen nicht auch zum Nulltarif?

Frau Merkel hat mit ihren STASI-Erfahrungen bewiesen, dass das ganze Geld- und Bankensystem auf einem Vertrauen beruhen kann, das manipulierbar ist.

Der Staat hat deutlich klar gemacht, dass er kein Geld mehr hat, dass es kein Geld mehr gibt, dass die Rentenkassen leer sind, dass der Staat nicht mehr in der Lage ist, seinen Aufgaben nachzukommen, weil kein Geld mehr da ist.

Dann wurde alles privatisiert, und die Banken übten einen großen Einfluss und ein großes Vertrauen auf die Menschen aus, bis zu einem Zeitpunkt, an dem die Banken in die Pleite gingen und plötzlich nicht mehr existieren konnten. Dann kam der Staat, der sowieso kein Geld hatte, und hat den Banken wieder Geld gegeben, um ihnen wieder auf die Beine zu helfen! Und all das konnte Frau
Merkel dem Volk verkaufen!


Das Volk hat es geglaubt! Es ist zu keiner Panik gekommen, und das System funktioniert immer noch. Und deshalb kann man hoffnungsvoll in die Zukunft gehen.

Wir sehen, dass irgendwann wieder alles verstaatlicht wird und in einer Art Softsozialismus in die Neue
Weltordnung eingebettet wird.

Account gelöscht!

22.08.2012, 12:46 Uhr

"Der Bund muss sich in diesem Jahr rund 260 Milliarden Euro von Investoren holen, um Altschulden zu tilgen und das Haushaltsloch zu schließen. Etwa 58 Milliarden Euro sollen die zweijährigen Bundesschatzanweisungen in die Kasse spülen. "

260 Milliarden. Welch eine Summe. Wie gut, dass das zur Zeit noch mit 0% Zinsen geht. Das bedeutet doch aber, das Schäuble deutlich weniger für Zinszahlungen ausgeben muss, warum schafft er es unter diesen Voraussetzungen und angeblich sprudelnder Steuereinnahmen, nicht mal ein paar Euro Altschulden zu tilgen? Nicht zu vergessen, dass sämtliche "Rettungsmassnahmen" im Haushalt gar nicht eingespeist sind. Und mit jeder Intervention von IWF und EZB haftet Deutschland mit, ohne das es dagegen intervenieren kann.

Europaeer

22.08.2012, 12:56 Uhr

Liebes Handelsblatt,

bitte unterlasse es doch gefälligst, Artikel zu schreiben, die dem geneigten Leser suggerieren könnte, Deutschland ziehe auch Nutzen aus der sogenannten EURO-Krise.

Informationen will der gemeine Forist hier nicht sehen.

Deutschland = Zahlmeister Europas
EURO = Inlation, sozialer Abstieg, Verelendung
Griechenland = Schurkenstaat, der uns ausplündert
Schäuble = Volksverräter
SPD = Diebe
Grüne = Ökofaschisten
....

So sieht die Attitüde aus, die man hier lesen will, verstanden?

;)

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