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04.08.2015

17:58 Uhr

Anleihe

Lufthansa sammelt 500 Millionen Euro ein

Zweimal scheiterte der Versuch der Lufthansa, sich über eine für den Konzern praktische Anleihe frisches Geld zu besorgen. Der dritte Versuch sollte bis zu 750 Millionen einbringen – dafür reichte es allerdings nicht.

Die Lufthansa hat nach zwei gescheiterten Versuchen ihr Finanzpolster aufgebessert. ap

Aller guten Dinge sind drei

Die Lufthansa hat nach zwei gescheiterten Versuchen ihr Finanzpolster aufgebessert.

London/FrankfurtNach zwei gescheiterten Anläufen im Frühjahr bessert die Lufthansa mit einer Anleihe ihr Finanzpolster auf. Die Schuldverschreibung mit einem Volumen von einer halben Milliarde Euro und einer Laufzeit von 60 Jahren sei mit einer Verzinsung von 5,125 Prozent platziert worden, teilte die Lufthansa am Dienstag mit.

Zuvor hatten die beteiligten Banken noch ein Volumen von bis zu 750 Millionen Euro ins Spiel gebracht. Insgesamt sei die Transaktion nahezu vierfach überzeichnet gewesen. Die Lufthansa kann die Anleihe erstmals im Februar 2021 kündigen.

Die vielen Baustellen der Lufthansa

Schwieriger Konzernumbau

Carsten Spohr will die Lufthansa wetterfest machen für die Zukunft, denn der Konkurrenzkampf über den Wolken ist hart. Der Umbau des größten europäischen Luftverkehrskonzerns ist eine Mammutaufgabe. Längst noch nicht alle Probleme sind gelöst. Das sind die Baustellen der Lufthansa.

Quelle: dpa

Billig-Airlines

Vor allem der größte europäische Player im Billigsegment, Ryanair, heizt den Wettbewerb an. Nachdem die Iren über Jahre vor allem auf kleinere Flughäfen in der Provinz gesetzt hatten, bedienen sie nun zunehmend auch große Flughäfen wie Berlin oder Köln. Zudem bieten inzwischen auch Billig-Airlines gegen entsprechenden Preisaufschlag Leistungen an, die sich vor allem an Geschäftsreisende richten – ein Segment, in dem vor allem etablierte Fluggesellschaften unterwegs sind.

Expansive arabische Konkurrenten

Emirates, Qatar Airways und Etihad punkten vor allem auf der lukrativen Langstrecke. Die Airlines vom arabischen Golf haben rasante, von den Herrscher-Familien unterstützte Wachstumspläne. Weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien haben sie bereits fest im Griff und bei einigen europäischen Airlines sitzen sie mit am Steuerknüppel – zum Beispiel Etihad bei Air Berlin oder Alitalia.

Probleme mit dem Personal

Ein Tarifkonflikt ist nach wie vor ungelöst: Der Dauerstreit mit den Piloten kann nach bisher 13 Streikrunden jederzeit wieder eskalieren. Die Kabinengewerkschaft UFO war im November in einen einwöchigen Streik getreten, einigte sich mit Lufthansa im Januar aber auf Eckpunkte eines neuen Tarifvertrags. Für das Bodenpersonal gab es zuvor schon eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi.

Das komplizierteste Thema bei den Piloten sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Eurowings-Konzept

Neben der klassischen Premium-Lufthansa baut Lufthansa-Chef Spohr eine Billigschiene mit Eurowings auf, die im Europa-Verkehr Ryanair oder Easyjet Paroli bieten soll. Kern des Konzepts ist „Eurowings Europe“ mit Sitz in Wien. Derzeit stellt sie Piloten zu deutlich geringeren Gehältern ein, als bei der Lufthansa-Mutter gezahlt werden.

Der Konzernumbau belastet die Tarifverhandlungen, insbesondere mit den Piloten. Außerdem läuft es bei Eurowings selbst noch nicht rund. Die neue Billig-Airline hat mit Verspätungen auf ihren Fernflügen zu kämpfen.

Germanwings-Absturz

Der vom Co-Piloten Andreas L. im Frühjahr herbeigeführte Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten war das größte Unglück in der Geschichte des Lufthansa-Konzerns. Finanzielle Soforthilfe von zunächst 50.000 Euro pro Opfer wurde schnell auf den Weg gebracht. Um Schmerzensgeldzahlungen ist allerdings ein Millionenpoker entbrannt. Opfer-Anwälte lehnten die Lufthansa-Vorschläge als zu niedrig ab.

Hybrid-Anleihen haben für Unternehmen den Vorteil, dass sie aufgrund der langen Laufzeiten zur Hälfte dem Eigenkapital zugerechnet werden. Die Lufthansa steht unter Druck, ihre Kapitalausstattung zu erhöhen. Hohe Pensionsverpflichtungen und niedrige Zinsen machen dem größten europäischen Luftfahrtkonzern zu schaffen.

Von

rtr

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