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03.08.2012

09:46 Uhr

Anleihe-Markt

Keine Entwarnung! Spanien-Renditen steigen

Die Euro-Rettungspläne von EZB-Chef Mario Draghi haben die Anleihe-Investoren enttäuscht. Eilig verkaufen sie ihre Spanien-Bonds; deren Renditen steigen kräftig. Die Zeit wird knapp für die Südeuropäer.

Spanische Euro-Münzen. Der Draghi-Effekt verpufft. dpa

Spanische Euro-Münzen. Der Draghi-Effekt verpufft.

Die deutschen Bundesanleihen sind am Freitag etwas schwächer in den Handel gestartet. Die Rendite der am Rentenmarkt maßgeblichen zehnjährigen Bundesanleihe lag mit 1,26 Prozent um vier Basispunkte höher. Der richtungsweisende Kontrakt Bund-Future fiel um 16 Basispunkte auf 144,72 Prozent.
Die Kurse der spanischen und italienischen Anleihen gingen weiter zurück. EZB-Präsident Mario Draghi hatte am Vortag keine konkreten Maßnahmen zur Eindämmung der Schuldenkrise angekündigt, sondern lediglich vage Pläne vorgestellt. Daraufhin waren die Renditen bei den Zehnjährigen aus Spanien und Italien um jeweils rund 40 Basispunkte in die Höhe geschossen.

Zehnjährige Spanien-Bonds rentierten am Morgen 16 Basispunkte höher bei 7,32 Prozent. Damit liegt die Rendite wieder klar über sieben Prozent. Beim Erreichen dieser Marke waren die Rettungsaktionen für Griechenland, Irland und Portugal notwendig geworden. Italienische Anleihen mit derselben Laufzeit rentierten zuletzt sieben Basispunkte höher bei 6,39 Prozent.
Am Markt für US-Staatsanleihen waren die Kurse zum Auftakt in Europa relativ konstant. Zehnjährige Treasuries rentierten mit 1,47 Prozent nahe dem Vortagesniveau. Die Rendite des 30- jährigen Longbonds war unverändert bei 2,55 Prozent.

Zitate von Spitzenpolitikern zur Krise

Angela Merkel 2005

"Ich halte zum Beispiel den Weg, dass Europa immer nur Kompetenzen hinzubekommen kann, aber nie etwas an die Nationalstaaten wieder zurückgibt, für überprüfungsbedürftig." (im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom 24. Juni 2005, damals noch als Oppositionsführerin)

Angela Merkel 2009

„Wir können mit guten Gründen hoffen, dass Deutschland diese Krise meistern wird; dass unser Land stärker aus ihr hervorgehen wird, als es in sie hinein gegangen ist; dass sich eine solche Krise nie mehr wiederholt.“ (in ihrer Neujahrsansprache am 31. Dezember 2009)

Angela Merkel 2010

„Der Euro hat sich als krisenfest bewährt.“ (Regierungserklärung vor dem Bundestag am 15. Dezember 2010)

Angela Merkel 2011

"Irische Sorgen sind slowakische Sorgen, griechische Sorgen sind niederländische Sorgen, spanische Sorgen sind deutsche Sorgen, oder italienische, wie immer man es nimmt." (am 9. November 2011 auf einer Konferenz in Berlin zur europäischen Schuldenkrise)

Angela Merkel 2012

"Solange ich lebe." (über die Dauer ihres Widerstands gegen jegliche Vergemeinschaftung von Schulden, so gesagt nach Teilnehmerangaben bei einer Sitzung der FDP-Bundestagsfraktion am 26. Juni 2012)

Wolfgang Schäuble 2011

"Wir Menschen neigen dazu, alles zu übertreiben. Vielleicht sind wir auch jetzt in der Gefahr, selbst die Sorgen wegen dieser Krise zu übertreiben." (am 13. September 2011 in München zur EU-Schuldenkrise)

Wolfgang Schäuble 2011

"Ich glaube, dass wir in den nächsten zwölf Monaten soweit sind, dass wir die Ansteckungsgefahren gebannt und die Eurozone stabilisiert haben werden." (am 30. Dezember 2011 im "Handelsblatt")

Wolfgang Schäuble 2012 - im März

"Es gibt nicht den Hauch einer Chance, dass sich das wiederholt." (am 9. März 2012 in Berlin zum "einzigartigen" Umschuldungsfall Griechenland. Andere Länder mit zu hohen Schulden wie Irland, Spanien und Portugal würden ihre Probleme selbst schrittweise lösen)

Wolfgang Schäuble 2012 - im Mai

"Die Spanier sagen: Wir schaffen es alleine und ich glaube ihnen das." (am 5. Mai im "Focus"-Interview auf die Frage, ob Spanien als viertes Land unter den Euro-Rettungsschirm genommen werden müsse; am 25. Juni revidierte Madrid seine Meinung und stellte einen Hilfsantrag)

Peer Steinbrück 2008

"Generell muss man wohl sagen, dass gewisse Teile der marxistischen Theorie doch nicht so verkehrt sind. (...) Ein maßloser Kapitalismus, wie wir ihn hier erlebt haben mit all seiner Gier, frisst sich am Ende selbst auf." (am 29. September 2008 im "Spiegel" über die Finanzkrise)

Peer Steinbrück 2009

"Ich halte nichts davon, irgendeine Scheingenauigkeit zu bringen. Nach dem Motto, die Finanzmarktkrise ist am 31. August um 17.37 Uhr beendet. Die ehrliche, vielleicht unbefriedigende Antwort lautet, das weiß keiner." (am 22. Februar 2009 in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin")

Philipp Rösler 2011

"Ich schließe aus, dass es mit dieser Bundesregierung Euro-Bonds geben wird." (am 20. August 2011 in der "Bild am Sonntag")

Mariano Rajoy 2012

"Es wird keine Rettung des spanischen Bankensektors geben." (am 28. Mai 2012 in Madrid; vier Wochen später beantragte er Hilfen aus dem Euro-Rettungstopf zur Rekapitalisierung der angeschlagenen Banken)

Mario Monti 2012

"Italien wird auch künftig keine Hilfen nötig haben. Und wenn es um Hilfe bitten müsste, dann hieße das, dass ein Fehler im System liegt." (im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung vom 22. Juni 2012)

Die nahe ihren Rekordtiefs liegenden Renditen in den USA könnten die Nachfrage der Anleger bei den Auktionen in der kommenden Woche aushöhlen, sagte Händler Ali Jalai von der Scotiabank in Singapur. Das US-Finanzministerium will zwischen dem 7. und dem 10. August drei-, zehn- und 30-jährige Staatsanleihen an den Markt bringen.

Kommentare (34)

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sons_of_liberty

03.08.2012, 10:02 Uhr

Warum gibt es keinen Artikel der sich damit befasst wer zur Zeit "der Markt" ist?
Warum gibt es hier keine seriösen Berichte darüber, dass letztenendes BlackRock (inkl. Tochtergesellschaften) von fast jedem DAX Konzern fast 25 % besitzt?

"Danach ist BlackRock an allen 30 DAX-Konzernen beteiligt, wobei die Höhe der Beteiligungen durch die Bank weg im einstelligen Bereich angegeben wird, in der Regel zwischen vier und sieben Prozent.

Aber stimmt das auch?

Es stimmt nur dann, wenn man ausschließlich die Firma “BlackRock Inc.” betrachtet. Wenn man aber BlackRock Holdco 2 Inc., BlackRock Financial Management Inc., BlackRock Advisors Holdings Inc., BlackRock International Holdings Inc., BlackRock Jersey International Holdings L.P., BlackRock Group Limited mit in die Rechnung einbezieht, sieht die Sache schon ganz anders aus."
http://www.theintelligence.de/index.php/wirtschaft/finanzen/3859-ein-gespenst-geht-um-im-deutschen-aktienindex-blackrock.html

Das sind doch keine Privatanleger die "Angst" vor 7% Zinsen haben. Kann es nicht einfach sein, dass "die Märkte" heute von ein paar Investoren gelenkt werden?
Wäre ja nicht die erste Manipulation der Kurse im großen Stil ...

Account gelöscht!

03.08.2012, 10:17 Uhr

Griechenland bald pleite? war kein Thema, wurde geleugnet...
Ein Austritt? Völlig undenkbar, nicht diskutierbar...heute? In aller Munde
Ansteckung? Neneeee wie auch?
Spanien? Auf einem guten Weg....Pleite? Niemals...alles Quatsch.
Italien? alles picobello, keine Sorge...
Nebenbei mal in die USA schauen....wie das Fressensmarken verteilt werden inzwischen und worauf man sich konzentriert weil die Hütte lichterloh brennt da drüben.

Sorry aber ich mache jede Wette dass wir in wenigen Jahren nicht nur einen Dollar Crash sehen werden sondern auch Bürgerkriegsähnliche Zustände....hier in Europa ebenso....dem Euro gebe ich keine 2 Jahre mehr. Manch einer lacht auch JETZT noch über solche Äusserungen aber die haben vor 4 Jahren auch noch über so manches gelacht was heute bittere Realität ist.

Leopold

03.08.2012, 10:21 Uhr

Es ist ja erst einmal gut, wenn die Renditen steigen. Für Spanien natürlich schlecht. Aber diese Hektik, weil sie über 7% gestiegen ist, ist künstlich. Natürlich will Spanien jetzt schnell billiges Geld von der EU. Weil die anderen es auch bekommen haben! Aber diese Schwelle von 7% unterstützt Missbrauch. Sie ist viel zu niedrig. Bei über 10% fängt es an zu brennen und dann würde es reichen, mit der Rettung zu beginnen. Das würde die Geberländer wesentlich entlasen und doch für eine allseits vertretbare Solidarität sorgen.

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