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08.04.2015

16:43 Uhr

Anleihe mit negativer Rendite

Schweiz wird fürs Schuldenmachen bezahlt

Die Schweiz hat Neuland betreten und als erstes Land eine zehnjährige Anleihe mit negativer Rendite ausgegeben. Dies sei erst der Anfang, sagen Experten. Das Universum der Negativzinsen werde sich weiter ausweiten.

Erstmals schafft es ein Land gleich zu Beginn einer Auktion eine Anleihe mit negativen Zinsen zu begeben. Die Schweiz betritt damit Neuland in der Zinswelt. dpa

Neuer Rekord

Erstmals schafft es ein Land gleich zu Beginn einer Auktion eine Anleihe mit negativen Zinsen zu begeben. Die Schweiz betritt damit Neuland in der Zinswelt.

EdinburghIn einer Welt, in der Anleger dafür zahlen, um solventen Ländern Geld zu leihen, hat sich die Schweiz am weitesten auf Neuland vorgewagt. Am Mittwoch platzierte die Schweiz über eine Auktion erstmals zehnjährige Anleihen mit negativer Rendite.

Die mit einer Nominalverzinsung von 1,5 Prozent ausgestatteten Papiere wiesen eine Emissionsrendite von minus 0,055 Prozent auf. Investoren, die das Papier erwarben, bezahlen den Schweizer Staat praktisch dafür, dass er ihr Geld über ein Jahrzehnt nimmt. Negativrenditen an sich sind in der Eidgenossenschaft nichts Neues, aber noch nie ist eine Anleihe mit einer so langen Laufzeit und negativer Rendite direkt an Anleger verkauft worden. Im September 2012 - mitten in der Schuldenkrise im Euroraum - hatte die Schweiz eine Auktion dreijähriger Papiere zu einer Rendite von minus 0,21 Prozent durchgeführt.

In Deutschland, dessen Finanzierungskosten aufgrund des Anleihekaufprogramms der Europäischen Zentralbank gesunken sind, weisen inzwischen Anleihen mit einer Laufzeit von bis zu sieben Jahren negative Renditen auf. Die größte Volkswirtschaft Europas hat am Mittwoch zweijährige Papiere mit einer rekordniedrigen Rendite von 0,28 Prozent begeben. Hier sind die Anleger bereit, noch mehr zu zahlen als den Zins von 0,20 Prozent, den die EZB für Übernachteinlagen verlangt.

Ausstehende Staatsanleihen ausgewählter Euro-Staaten

Italien

Volumen: 2280 Milliarden Euro, Anteil an Euro-Zone gesamt (inklusive Luxemburg, Malta und Estland): 25,3 Prozent
(Quelle: Bloomberg)

Frankreich

1935 Milliarden Euro, 21,5 Prozent der Euro-Zone

Deutschland

1365 Milliarden Euro, 15,2 Prozent der Euro-Zone

Spanien

1192 Milliarden Euro, 13,2 Prozent der Euro-Zone

Belgien

465 Milliarden Euro, 5,2 Prozent der Euro-Zone

Niederlande

439 Milliarden Euro, 4,9 Prozent der Euro-Zone

Griechenland

331 Milliarden Euro, 3,7 Prozent der Euro-Zone

Österreich

272 Milliarden Euro, 3,0 Prozent der Euro-Zone

Irland

239 Milliarden Euro, 2,7 Prozent der Euro-Zone

Portugal

230 Milliarden Euro, 2,6 Prozent der Euro-Zone

Finnland

115 Milliarden Euro, 1,3 Prozent der Euro-Zone

Slowakei

45 Milliarden Euro, 0,5 Prozent der Euro-Zone

Slowenien

39 Milliarden Euro, 0,4 Prozent der Euro-Zone

Zypern

18 Milliarden Euro, 0,2 Prozent der Euro-Zone

Litauen

17 Milliarden Euro, 0,2 Prozent der Euro-Zone

„Das spiegelt die Maßnahmen der Zentralbanken wider, es gibt eine Abwärtsspirale bei der geldpolitischen Lockerung“, sagte Michael Leister, leitender Zinsstratege bei der Commerzbank. „Es sieht so aus, als ob dieses Negativzins-Umfeld sich ausweiten wird.“

Die anhaltend negativen Renditen deuten darauf hin, dass Investoren darauf spekulieren, dass die Notenbanken Schwierigkeiten haben werden, ihre Volkswirtschaften auf Touren zu bringen und eine Deflation zu vermeiden. Wenn die Verbraucherpreise sinken, dann können die realen Renditen der Papiere – also die Renditen nach Berücksichtigung der Inflation – immer noch positiv sein.

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