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30.09.2015

15:00 Uhr

Anleihe unter der Lupe

Ihr Name ist Bond, VW-Bond

VonAndrea Cünnen

Aktienanleger müssen in diesen Tagen um den Wert des VW-Papiers zittern. Anleiheeignern geht es kaum besser. Bieten die niedrigeren Kurse bei den VW-Bonds vielleicht Einstiegschancen? Anleger sollten genau hinschauen.

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FrankfurtDie Affäre um manipulierte Diesel-Abgaswerte bei Volkswagen und die Folgen beschäftigen nicht nur Aktionäre, sondern auch die Anleihebesitzer von VW. Denn auch die Zinspapiere der Wolfsburger sind seit Bekanntwerden von „Dieselgate“ vor anderthalb Wochen unter Druck geraten. Die Kurse von herkömmlichen VW-Bonds sind bei einer Laufzeit von zwei Jahren um gut ein Prozent gefallen, bei neun Jahren sind es zwölf Prozent. Die sich gegenläufig zum Kurs entwickelnden Renditen stiegen um bis zu drei Prozentpunkte auf 2,3 bis 3,3 Prozent.

Das sind heftige Bewegungen für Anleihen, aber wenig verglichen mit dem fast 40-prozentigen Einbruch der VW-Aktie. Schlimmer sieht es aber auch am Bondmarkt bei riskanteren sogenannten hybriden VW-Bonds aus. Der Kurs des Hybrid-Bonds, den VW in drei Jahren tilgen kann, ist um fast 13 Prozent gefallen. Dabei ist jetzt die Rendite auf den ersten Blick verlockend. Wer jetzt kauft, bekommt theoretisch eine Rendite von 7,6 Prozent.

Doch Experten raten zur Vorsicht. „Bei herkömmlichen VW-Anleihen mit kurzen Laufzeiten sehen wir Einstiegschancen, da sich die Risikoprämien schon erheblich ausgeweitet haben, aber für hybride Anleihen ist es noch zu früh“, meint Frank Hussing, Analyst für Autoanleihen bei der Commerzbank. Sein Kollege Gerhard Wolf von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) sieht das ähnlich.

Selbst in einem Worst-Case-Szenario, in dem auf VW in den nächsten Jahren ein Bruttoschaden vor möglichen Kompensationen wie Kosteneinsparungen und reduzierten Investitionen von rund 47 Milliarden Euro zukommen könnten, sei die Zahlungsfähigkeit aus aktueller Sicht nicht gefährdet.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Gründe dafür sind für Wolf die hohen Barreserven und der hohe Cashflow von VW. „Bei hybriden Anleihen ist aber die Korrelation zu den nervösen Aktienmärkten sehr hoch“, warnt Wolf. In die LBBW-Berechnungen sind Schätzungen für Kosten für Schadensersatz in den USA, Rückkauf aller beanstandeten Fahrzeuge, Servicekosten und Strafzahlungen einkalkuliert. Die Vorsicht der Analysten mit Blick auf die hybriden Bonds liegt daran, dass diese Zinspapiere ihre Tücken haben.

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