Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.07.2016

14:28 Uhr

Anleihe-Versteigerung

Bund kommt für 30 Jahre so günstig an Geld wie nie

VonAndrea Cünnen

Deutschland leiht sich Geld für 30 Jahre und bietet dafür eine Rendite von weniger als einem halben Prozent. Dennoch ist die Nachfrage nach der Anleihe groß. Die Risiken sind es aber auch.

Selbst für eine 30-jährige Bundesanleihe gibt es kaum noch Zins. Imago

Sparschwein

Selbst für eine 30-jährige Bundesanleihe gibt es kaum noch Zins.

FrankfurtSchon wieder ein Rekord am Rentenmarkt. Und ein gutes Geschäft für Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und damit für den deutschen Steuerzahler: Deutschland hat seine in 30 Jahren fällige Anleihe aufgestockt und muss Anlegern dafür nur eine Rendite von 0,45 Prozent zahlen. So günstig kam der Bund über diese lange Laufzeit noch nie an frisches Geld. Vor gut einem Monat zahlte er bei einer Auktion für einen 30-Jahres-Bond noch 0,62 Prozent.

Weniger als ein halbes Prozent Rendite ist selbst bei der aktuellen Mini-Inflation von 0,3 Prozent kein gutes Geschäft, wenn man bedenkt, was in 30 Jahren alles passieren kann. 1986 waren zum Beispiel BRD und DDR noch zwei getrennte Staaten. Die 30-jährige Anleihen der BRD rentierten im Herbst 1986 mit über sechs Prozent. Damals lag die Inflationsrate angesichts eines kollabierten Ölpreises sogar bei minus 0,1 Prozent. Doch nach der Wiedervereinigung schnellte die Inflationsrate Anfang der 1990-er Jahre auf bis zu fünf Prozent, und die 30-jährige Bundesanleihe warf zwischen 7,2 und 8,6 Prozent Rendite ab.

Zehnjährige Bundesanleihen: Kapitalismus verkehrt

Zehnjährige Bundesanleihen

Premium Kapitalismus verkehrt

Wer Bundesanleihen kauft und damit dem Bund Geld leiht, muss dafür bezahlen. Es ist die Folge einer absurden Geldpolitik.

Von solchen Renditen können Anleger heute nur träumen. Positive Renditen sind bei Bundesanleihen Mangelware. Deutsche Staatspapiere mit bis zu zehn Jahren Laufzeit rentieren im Minus. Wer heute eine zweijährige Bundesanleihe kauft und sie bis zur Fälligkeit hält, macht damit einen Verlust von 0,6 Prozent, bei fünfjährigen Papieren sind es 0,5 und bei der zehnjährigen 0,04 Prozent.

In der Minus-Welt scheinen somit die 30-jährigen Anleihen vergleichsweise attraktiv. „Investoren suchen aufgrund der politischen Unsicherheit einerseits weiter nach sicheren Häfen, gleichzeitig aber aufgrund der niedrigen Renditen dieser Titel nach Vermögenswerten, die noch einen auskömmlichen Ertrag versprechen“, erklärt Felix Herrmann, Kapitalmarktstratege für Deutschland, Österreich und die Schweiz beim Fondshaus Blackrock.

Doch „sichere Häfen“ sind deutsche Bundesanleihen allenfalls für Investoren, die sie bis zur Fälligkeit halten. Dann wissen sie jetzt schon, dass sich ihr Investment über 30 Jahre jedes Jahr mit den mageren 0,4 Prozent verzinst. Doch auch Anleihen werden während der Laufzeit gehandelt und bergen damit Kursrisiken. Bei den Langläufern sind die Absturzgefahren so groß, dass einem schwindlig werden kann. Dass es Kursrisiken gibt, zeigt schon ein Blick auf die Inflationsprognosen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) will die Teuerungsrate im Euro-Raum mittelfristig wieder auf knapp zwei Prozent bringen. Dabei gibt sie alles, um die Kreditvergabe und damit die Wirtschaft und die Inflationsrate anzukurbeln: Der Leitzins ist bei null Prozent, der Einlagenzins, zu dem Banken Geld bei der EZB parken, liegt bei minus 0,4 Prozent, es gibt Langfristkredite für Banken, die tatsächlich Geld verleihen wollen, zu Mini- bis Minus-Zinsen. Dazu kommt das inzwischen pro Monat 80 Milliarden Euro schwere Anleihekaufprogramm der EZB. Zwar zweifeln viele Ökonomen an der Wirkung der europäischen Geldpolitik. Doch dass die Inflation in 30 Jahren noch so niedrig liegt wie heute, glaubt niemand.

Mit steigenden Teuerungsraten, die empfindlich an den Erträgen von Anleihen zehren, steigen in der Regel aber auch die Kapitalmarktzinsen, sprich die Anleiherenditen. Wichtig zu wissen: Anleihen mit längerer Laufzeit reagieren empfindlicher auf Zinssteigerungen, weil Anleger ihr Kapital länger binden. Das bedeutet: Die Kurse der Langläufer beziehungsweise der Anleihen mit hoher Duration fallen stärker, wenn die Kapitalmarktzinsen steigen. Verstärkt wird das durch die niedrigen Zinskupons.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×