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19.02.2014

14:50 Uhr

Anleiheauktion

Bund wird Staatsanleihen nicht los

Das gab es lange nicht mehr: Deutschland bleibt auf einem Teil seiner zehnjährigen Bonds sitzen. Schuld ist die Entspannung der Staatsschuldenkrise in Europa. Die Papiere von Ländern wie Italien werden attraktiver.

Die ehrgeizigen Erwartungen von fünf Milliarden Euro konnten die Einnahmen aus der Versteigerung am Mittwoch nicht erfüllen. Der Bund wird seine zehnjährigen Staatsanleihen einfach nicht los. dpa

Die ehrgeizigen Erwartungen von fünf Milliarden Euro konnten die Einnahmen aus der Versteigerung am Mittwoch nicht erfüllen. Der Bund wird seine zehnjährigen Staatsanleihen einfach nicht los.

BerlinErstmals seit knapp anderthalb Jahren hat der Bund nicht ausreichend Interessenten für eine zehnjährige Staatsanleihe gefunden. Mit der Versteigerung wollte die für das Schuldenmanagement des Bundes zuständige Finanzagentur am Mittwoch fünf Milliarden Euro einnehmen. Die Gebote der Investoren für die Bundesanleihe summierten sich aber nur auf gut 4,3 Milliarden Euro.

Die Finanzagentur erklärte das mit der „Marktsituation im unmittelbaren Umfeld und zum Zeitpunkt der Auktion.“ Analysten machten die niedrigen Zinsen für das geringe Interesse verantwortlich. „Das Renditeniveau ist derzeit einfach zu niedrig, um Anleger für das Papier begeistern zu können“, sagte Matthias Melms von der NordLB.

Die Investoren mussten sich mit einer durchschnittlichen Rendite von 1,64 Prozent begnügen, Ende Januar lag sie noch bei 1,77 Prozent. „Anleger gehen wieder mehr Risiko mit entsprechend höheren Renditen“, sagte Melms. „Die Euro-Krisenländer haben Fortschritte gemacht, was Investoren lockt.“

Vergleichbare italienische Bonds werfen derzeit am Markt mit rund 3,6 Prozent eine mehr als doppelt so hohe Rendite ab. Den Investoren wurden schließlich Papiere im Wert von knapp 3,8 Milliarden Euro zugeteilt. Die restlichen gut 1,2 Milliarden Euro nahm die Finanzagentur in den Eigenbestand auf. Die Bundesanleihe kann sie nun am Markt verkaufen.

Die Hoffnung auf einen beschleunigten Reformkurs hat Anleger am Mittwoch in italienische Staatsanleihen getrieben. Die Kurse der zehnjährigen Papiere stiegen, im Gegenzug fiel die Rendite auf ein neues Acht-Jahres-Tief. Sie lag zeitweise bei 3,552 Prozent, im Schlussgeschäft am Dienstag hatte die Rendite noch 3,567 Prozent betragen. Anleger setzten darauf, dass der designierte Ministerpräsident Matteo Renzi mit einer Serie rascher Reformen die tiefe Wirtschaftskrise überwinden kann.

Refinanzierungsbedarf der größten Staaten der Welt 2014

USA

Fällige Bonds: 3,1 Billionen Dollar

Schatzanweisungen: 218 Milliarden Dollar

Japan

Fällige Bonds: 2,4 Billionen Dollar

Schatzanweisungen: 87 Milliarden Dollar

Italien

Fällige Bonds: 468 Milliarden Dollar

Schatzanweisungen: 79 Milliarden Dollar

Frankreich

Fällige Bonds: 410 Milliarden Dollar

Schatzanweisungen: 61 Milliarden Dollar

Deutschland

Fällige Bonds: 268 Milliarden Dollar

Schatzanweisungen: 39 Milliarden Dollar

Kanada

Fällige Bonds: 248 Milliarden Dollar

Schatzanweisungen: 13 Milliarden Dollar

Großbritannien

Fällige Bonds: 181 Milliarden Dollar

Schatzanweisungen: 75 Milliarden Dollar

China

Fällige Bonds: 143 Milliarden Dollar

Schatzanweisungen: 58 Milliarden Dollar

Brasilien

Fällige Bonds: 121 Milliarden Dollar

Schatzanweisungen: 24 Milliarden Dollar

Indien

Fällige Bonds: 85 Milliarden Dollar

Schatzanweisungen: 47 Milliarden Dollar

Russland

Fällige Bonds: 10 Milliarden Dollar

Schatzanweisungen: 11 Milliarden Dollar

Renzi hatte sich vergangene Woche in einem innerparteilichen Machtkampf gegen Enrico Letta durchgesetzt, der daraufhin als Ministerpräsident zurücktrat. Der 39-Jährige muss nun eine Regierungskoalition schmieden und ein neues Kabinett zusammenstellen. "Die Erwartung an Renzi steigen Tag für Tag. Da drängt sich natürlich die Frage auf, ob Renzi den hohen Erwartungen gerecht werden kann oder demnächst Gewinnmitnahmen bei den Anleihen einsetzen", sagte Commerzbank-Stratege Michael Leister.

Von

rtr

Kommentare (18)

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PeterKock

19.02.2014, 14:55 Uhr

Staatsanleihen von EU-Staaten ??? Die Länder sind alle hochgradig PLEITE. Wer kauft den Schrott denn ? Z.B. Deutschland ist mit über 5,4 Billionen Euro verschuldet. Das sind 1200 Jahre Tilgungszeit und damit sind die nächste 16 Generationen schon verschuldet. Wer macht diesen Blödsinn ? NUR Politiker und deren Helfer in Amtsstuben und Behörden . Keiner tut was ... im Gegenteil den Schmitz aus Berlin,mit der Steuergeschichte, hat man entlassen. Entlassene haben aber KEINEN Pensionsanspruch. Also hat man ihn wieder eingestellt und ihn dann in den Ruhestand verschoben und jetzt hat er monatlich Anspruch auf 8700 Euro. Die Politik macht nur das Beste für uns und unser Land. Ist ja klar.Tolle Leute haben wir in der Politik.

HofmannM

19.02.2014, 15:19 Uhr

Das hat jetzt Schäuble von seiner Euro-Schulden-Banken-Länder Rettung und der Missachtung des Maastricher Vertrags durch den ESM.
Die Investoren können sich ziemlich sicher sein, dass Deutschland weiterhin die Klammen-Euro-Länder/Banken mit Geld stützt. Jeder kann sich also bequem zurücklehnen, solange Schäuble diese Ausplünderung des deutschen Wohlstandes weiter betreibt. Die Schuldenländer können höhere Zinsen für ihre maroden Volkswirtschaften (Anleihen) anbieten und die Investoren können sich darauf verlassen, dass die Dummen Deutschen, dank Schäuble und Merkel, weiter am EURO-System festhalten.
Die Investoren werden sich in Zukunft immer weniger für Deutschland interessieren. Schuld daran sind zwei politisch gesteuerte Faktoren...der ESM (Währungspolitik) und das EEG (Energiepolitik). Beide Faktoren sind politische Willkür und Plandiktatur und haben mit einen freien Marktwirschaftlichen System nichts zu tun. So eine willkürliche Plandiktatur ist für freie und marktorientiert Investoren nicht attraktiv und schreckt ab. Die einzigen, die von so einen DDR-Konstrukt angezogen werden, sind Abzocker, Ausbeuter und Betrüger.

erst_informieren_dann...

19.02.2014, 15:27 Uhr

Wo haben Sie denn so einen Bloedsinn her? Portugal-, Spanien, Italien Bonds u.a. gehen weg wie warme Semmeln, nur die D-e-u-t-s-c-h-e-n nicht! Die anderen bringen halt was!

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