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07.12.2011

11:51 Uhr

Anleiheauktion

Bundesanleihen trotzen den Rating-Ängsten

Die Anleger lassen sich von den Drohungen der Rating-Agenturen nicht einschüchtern: Der Bund hat sich wieder zu einem günstigen Zins mit frischem Geld versorgt. Die verpatzte Auktion Ende November ist schon vergessen.

Deutschland hat sich wieder zu günstigen Konditionen frisches Geld besorgt. dpa

Deutschland hat sich wieder zu günstigen Konditionen frisches Geld besorgt.

DüsseldorfTrotz des drohenden Verlustes der Top-Bonitätsnote „AAA“ hat sich der Bund frisches Geld zu günstigen Konditionen am Kapitalmarkt besorgt. Bei der Aufstockung einer fünfjährigen Anleihe wurden fast 4,1 Milliarden Euro eingenommen, teilte die mit dem Schuldenmanagement des Bundes zuständige Finanzagentur am Mittwoch mit. Die Nachfrage der Investoren übertraf das Angebot um das 2,1-Fache, die vorangegangene Auktion war nur 1,5-fach überzeichnet. Der durchschnittliche Zinssatz stieg dagegen leicht von 1,0 auf 1,11 Prozent.

„Das Ergebnis ist als sehr gut einzustufen“, sagte ein Sprecher der Finanzagentur. Investoren suchten und vertrauten weiter auf die Qualität der Papiere. Ähnlich sehen das Analysten. „Es gab offenbar eine hohe Nachfrage“, sagte Helaba-Experte Ralf Umlauf. „Es ist erfreulich, dass vor dem Hintergrund der S&P-Warnung kein generelles Misstrauen gegenüber Bundesanleihen zu beobachten ist.“

Warum Zinsen auch ohne „AAA“ niedrig sein können

Wem droht Standard & Poor's mit Herabstufung?

Der ohnehin kleine Club der „AAA“-Staaten droht noch exklusiver zu werden: Ganze 14 Länder werden noch von allen drei großen Ratingagenturen Standard & Poor's (S&P), Fitch und Moody's mit der Spitzen-Bonitätsnote bewertet. Nun droht S&P wegen der Euro-Schuldenkrise Deutschland, Frankreich, Österreich, Finnland, Luxemburg und den Niederlanden mit einer Herabstufung. Doch wäre ein Verlust der Top-Bonität wirklich so schlimm?

Bedeutet ein schwächeres Rating automatisch höhere Zinsen?

Nein. Obwohl die USA eine Bonitätsstufe schlechter bewertet werden als Deutschland liegt derzeit die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen mit 2,08 Prozent unter der deutschen Bundesanleihe mit 2,23 Prozent oder der österreichische Anleihe mit 3,24 Prozent. Weil sich die Zinsen bei Anleiheauktionen an den Marktzinsen orientieren, können sich die USA also zu günstigeren Konditionen verschulden - trotz des schlechteres Ratings.

Welche Länder haben auch nach der Herabstufung keine Probleme bekommen?

„Japan und die USA haben ihre Bestnote von AAA bereits verloren, ohne dass dies zu ernsthaften Problemen geführt hätte“, sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Auch wenn S&P Deutschland wirklich herabstufe, blieben Bundesanleihen verglichen mit den Anleihen der anderen Euro-Länder erste Wahl.

„Selbst wenn Deutschland seine Top-Bonitätsnote AAA verliert, ist das nicht der Untergang des Abendlandes“, sagt auch DWS-Chefvolkswirt Johannes Müller. Bundesanleihen würden ein sicherer Hafen für europäische Staatsanleihen bleiben.

Wann nehmen Investoren niedrigere Renditen in Kauf?

Eine ganz entscheidende Rolle für die Höhe der Zinsen, die ein Staat auf seine Anleihen zahlen muss, spielt, wie gut diese an den Börsen frei gehandelt werden können. Denn Anleger nehmen kräftige Abschläge bei der Rendite hin, wenn sie sichergehen können, die Wertpapiere jederzeit wieder abstoßen und zu Geld machen zu können. Die Bundesrepublik zahlt auch deshalb so niedrige Zinsen, weil Deutschland nach den USA der weltweit zweitgrößten Markt für Staatsanleihen ist.

Über alle Laufzeiten hinweg hat der Bund Papiere im Wert von 1,1 Billionen Euro im Umlauf. Allein im ersten Halbjahr wechselten an den Börsen aber Papiere im Wert von knapp 3,3 Billionen Euro ihren Besitzer. Deutschland zahlt auch deshalb viel niedrigere Zinsen als sein Nachbar Österreich.

Schauen Ratingagenturen zu stark auf die Schulden?

Ja, sagen Kritiker wie der Chefanalyst der Bremer Landesbank, Folker Hellmeyer. „Die Staatsschulden sind die eine Seite der Medaille, die andere sind die Vermögenswerte. Und die spielen bei den Ratingagenturen nur eine untergeordnete Rolle.“

Italien etwa kommt nach Einschätzung Hellmeyers viel zu schlecht weg, weil dem Schuldenberg von rund 1850 Milliarden Euro auch Staatsvermögen von etwa 600 Milliarden gegenüberstehe, das am Markt zu Geld gemacht werden könnte. Das Vermögen der privaten Haushalte in Italien übersteige zudem deren Schulden um ein Mehrfaches. „Das alles beachten die Agenturen zu wenig“, kritisiert Hellmeyer. „Ebenso wenig wird die Reformpolitik vieler europäischer Staaten anerkannt.“ Seine Schlussfolgerung daraus lautet: „Die Empfindlichkeit gegenüber Ratings nimmt in der Tendenz ab.“

Drohen bei Herabstufungen heftige Turbulenzen?

Eher nicht. „Ratings vollziehen nur nach, was ohnehin sichtbar ist“, sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Krämer. „Das Rating ist ein Symptom, die Probleme sind längst sichtbar.“ Ähnlich sieht das auch Hellmeyer: „Mögliche Herabstufungen sind längst eingepreist.“ Nur bei dramatischen oder völlig unerwarteten Schritt werde es heftige Erschütterungen geben.

Deutschland gilt trotz seiner hohen Staatsschulden lange Zeit als Hort der Stabilität in der Euro-Zone. Während Investoren aus Anleihen der südeuropäischen Euro-Mitglieder flüchteten, waren deutsche Staatsanleihen stark gefragt. Die Renditen drückte das auf historische Tiefstände. Zeitweise rutschte die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen auf weniger als 1,7 Prozent. Für Investoren bedeutet das eine deutlich negative Realrendite, da die Inflationsrate in Deutschland zurzeit bei 2,4 Prozent liegt.

Kommentare (4)

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www.steuerembargo.co.de

07.12.2011, 12:25 Uhr

Kann nicht sein, dass dies einen Kommentator verwundern kann, ausser er hat absolut keine Ahnung von dem, ueber was er schreibt. Sollte sich vielleicht ins Feuilleton versetzen lassen!
An diese Bonds kommen zunaechst ausschliesslich institutionelle Anleger, also meist Banken und Versicherungen, was praktisch das Gleiche ist!
Diese Anleger sind jedoch genau die, welche die Politik steuern und deshalb genau wissen, dass sie ihr Geld auf jeden fall bekommen. Es gibt ja schliesslich in Deutschland fast 80 Millionen Buergen, die geschroepft werden koennen!

Sabine

07.12.2011, 13:09 Uhr

Wie süß.Haha.Dann lest mal in der FinacialTimes!Da steht die Sache mal ganz ANDERS.
Von wegen,keine Probleme beim Geld beschaffen..Die Probleme haben für den Bund nun erst begonnen!
Hier der Artikel:
http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/anleihen-devisen/:schuldenkrise-bund-zahlt-nach-s-p-warnung-hoehere-zinsen/60139363.html

Account gelöscht!

07.12.2011, 13:29 Uhr

Mittlerweile ist das ganze Affentheater so abstrus geworden, dass es sich nicht mehr lohnt, zu einzelnen Absurditäten Kommentare abzugeben, da wird man nicht mehr fertig. Sachwerte halten, wenig Cash, abwarten und überwintern.

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