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24.09.2012

14:18 Uhr

Anleiheauktion

Deutschland wird nicht alle Bonds los

Milliarden für die deutsche Staatskasse: Bei der Auktion kurzlaufender Anleihen bekommt der Bund einen ordentlichen Batzen Geld. Auf den ersten Blick ein Erfolg - doch dieser Schein trügt.

Deutsche Euromünze. Geld für das Schuldenmachen. dpa

Deutsche Euromünze. Geld für das Schuldenmachen.

BerlinDeutschland verdient kurzfristig weiter Geld mit Schuldenmachen. Allerdings sind immer weniger Investoren bereit, Negativzinsen in Kauf zu nehmen, wie die Ergebnisse einer Geldmarktauktion am Montag zeigten. Lediglich 30 Prozent der Anleger gaben Gebote ab, die für den Bund akzeptabel sind, wie ein Sprecher der mit dem Schuldenmanagement beauftragten Finanzagentur in Frankfurt bestätigte. Im Klartext: Die Zeiten, in denen Deutschland Parkgebühren für überschüssige Mittel von Investoren kassiert, neigen sich dem Ende zu.

Der Bund sammelte bei einer Auktion zwölfmonatiger Geldmarktpapiere laut eigenen Angaben 1,17 Milliarden Euro zu einem Negativzins von minus 0,018 Prozent ein. Am 27. August mussten Anleger noch einen Negativzins von 0,025 Prozent bieten, um Titel mit gleicher Laufzeit zeichnen zu können. Dafür legte die Nachfrage deutlich zu: Die Gebote hätten gereicht, um das 5,1-fache der Papiere zu platzieren.

Die größten Risiken für den deutschen Staatshaushalt

Griechenland-Pleite

Deutschland käme eine Zahlungsunfähigkeit Griechenlands teuer zu stehen. Eine Pleite mit anschließendem Euro-Austritt würde den Bund nach Berechnungen des Ifo-Instituts bis zu 82 Milliarden Euro kosten. Falls Griechenland nach einer Zahlungsunfähigkeit in der Währungsunion verbleibt, steigen die Kosten demnach auf bis zu 89 Milliarden Euro. In diesen Zahlen sind unter anderem die bereits ausgezahlten Beträge aus den Rettungspaketen und die Käufe von griechischen Staatsanleihen durch die Zentralbanken der Euro-Länder enthalten.

Konjunktur

Die wichtigste Einnahmequelle des Staates sind die Steuern. Wie stark sie sprudeln, hängt von der Konjunktur ab. Und die dürfte sich im zweiten Halbjahr wesentlich schlechter entwickeln. „Die Konjunktur in Deutschland könnte nach der Jahresmitte 2012 stärker als bisher durch die Verunsicherung im Euro-Raum beeinträchtigt werden“, warnt etwa die Bundesbank. Viele Experten befürchten, dass das Bruttoinlandsprodukt im Sommer schrumpft. Schon in den ersten sechs Monaten stiegen die Steuereinnahmen mit 3,8 Prozent wesentlich langsamer als ein Jahr zuvor mit 9,6 Prozent.

WestLB

Der Bund und das Land Nordrhein-Westfalen bürgen für die Milliarden-Risiken des einstigen Flaggschiffs unter den Landesbanken. Die Erste Abwicklungsanstalt als Bad Bank hat zum 1. Juli ein Portfolio von 100 Milliarden Euro von der zerschlagenen WestLB übernommen. Die Differenz zwischen dem Übernahmewert der Papiere und ihrem aktuellen Marktwert fließt im zweiten Halbjahr in die Defizitberechnung des Bundes und des Landes ein.

Zinskosten

Investoren reißen sich um Bundeswertpapiere, die als sichere Anlage in der Euro-Krise gelten. Mehrfach konnte der Bund sich teilweise zum Nulltarif verschulden oder kassierte sogar Prämien. Die Zinskosten sanken deshalb im ersten Halbjahr um 3,5 Prozent. Ob sich das so fortschreiben lässt, ist keineswegs gewiss. Am Markt sind die Zinsen in den vergangenen Wochen wieder gestiegen: Lagen sie im Juli zeitweise bei 1,1 Prozent, so sind es derzeit mehr als 1,4 Prozent. Wegen der hohen Kosten durch die Euro-Krise droht die Ratingagentur Moody's mit dem Entzug der besten Bonitätsnote AAA, was die Zinsen weiter nach oben treiben könnte.

Auf den ersten Blick ein Erfolg - doch dieser Schein trügt. Denn trotz der großen Nachfrage machen die Ergebnisse der Versteigerung bei genauerer Betrachtung deutlich, dass die Preisvorstellungen zwischen dem Bund als Verkäufer der Schuldverschreibungen und den Investoren, die die Papiere kaufen, zunehmend auseinanderdriften. Mehr als zwei Drittel der Mitbietenden bei der Auktion waren nicht bereit, die Titel zu den angebotenen Konditionen zu kaufen - sie verlangen höhere Zinsen.

Die Konsequenz: Der Bund behielt mehr als die Hälfte der versteigerten Geldmarktpapiere einfach selbst ein. Die Finanzagentur wird nun versuchen, die Titel am Sekundärmarkt, wo bereits ausgegebene Schuldverschreibungen gehandelt werden, in seinem Auftrag zu günstigeren Konditionen loszuschlagen. Dies sei jedoch ein ungewisses Unterfangen, wie ein Sprecher auf Nachfrage einräumte.

Von

dpa

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

24.09.2012, 14:50 Uhr

wie dämlich muss man denn bitte sein?

Account gelöscht!

24.09.2012, 15:06 Uhr

Nicht "dämlich", sondern "finanziell repressiert"!

Die Versicherungen kaufen den Schrott schließlich nicht, weil sie zu dämlich sind, sondern weil sie keine andere Wahl haben: Sie müssen Kundengelder anlegen und dürfen z.B. nicht in Aktien gehen, weil Gesetze oder Eigenkapitalvorschriften das verbieten.

Der "Dämliche" ist am Ende der Versicherungskunde, also der kleine Riester-Sparer oder Oma Schmitz mit Ihrem Geldmarktfonds, den sie bei der Sparkasse Ihres Vertrauens gekauft hat.

Rechner

24.09.2012, 16:31 Uhr

Also -0,018 nach -0,025%!

Und nicht alle Papiere konnten zu negativen Zinsen abgesetzt werden!

Tatsächlich: ein Riesenproblem!

Gut, daß die mutigen Handelsblattjournalisten hier den Griffel in die Wunde legen.

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