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13.07.2012

11:40 Uhr

Anleiheauktion

Italien kommt trotz Herunterstufung an Geld

Die Ratingagentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit Italiens deutlich gesenkt. Trotzdem musste das Land bei einer Auktion weniger Zinsen zahlen. Die Atempause währte aber nur kurz.

Erneuter Dämpfer für Italien: Die Ratingagentur Moody's senkt die Benotung des Landes um zwei Stufen. dpa

Erneuter Dämpfer für Italien: Die Ratingagentur Moody's senkt die Benotung des Landes um zwei Stufen.

Frankfurt, New YorkTrotz der Herabstufung durch die Ratingagentur Moody's hat sich die Refinanzierung von Italiens Schuldenberg etwas verbilligt. Italien lieh sich am Freitag zunächst rund 3,5 Milliarden Euro am Kapitalmarkt und musste den Investoren beim Verkauf von dreijährigen Staatsanleihen nicht mehr so hohe Zinsen bieten wie zuletzt.

Die durchschnittliche Rendite sank auf 4,65 Prozent und war damit so niedrig wie seit Mai nicht mehr. Bei der vorigen Emission im Juni lag sie mit 5,3 Prozent noch auf dem höchsten Stand seit Dezember. Die Nachfrage der Anleger war größer als das Angebot, die Auktion war 1,7-fach überzeichnet. Italien wollte zudem Bonds mit einer Laufzeit bis 2019, 2022 und 2023 begeben. "Die Rendite ist ein Schnaps niedriger als man es hätte erwarten können, aber die große Erleichterung setzt jetzt trotzdem nicht ein", sagte ein Händler. "Die Unsicherheit bleibt hoch."

Die Rendite für zehnjährige Schuldtitel aus Rom gab kurzzeitig nach auf 5,935 Prozent, stieg allerdings schnell wieder auf sechs Prozent. Kreditausfallversicherungen auf Italien-Anleihen verteuerten sich laut Datenanbieter Markit um 15 Basispunkte auf 521 Basispunkte.
Moody's hatte die Kreditwürdigkeit Italiens am Freitag um zwei Noten heruntergestuft. Die Bewertung sei auf Baa2 von A3 gesenkt worden, teilten die Bonitätswächter mit. Sie kündigten zudem an, dass eine weitere Herabstufung möglich sei, falls sich die Aussichten für die Wirtschaft weiter verschlechtern oder die Umsetzung von Reformen stocken sollten. Der Ausblick sei deshalb negativ. Außerdem wurde auf die „Ansteckungsgefahr“ Griechenlands und Spaniens verwiesen.

Musterschüler und Sitzenbleiber - so verschuldet sind die Euro-Länder

Platz 1

Das am höchsten verschuldete Land der Euro-Zone ist - wer hätte es gedacht - Griechenland. Bei satten 175 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) liegt die Schuldenquote des Mittelmeerlandes. Ein kleiner Lichtblick: Immerhin haben es die Griechen in den vergangenen Jahren geschafft, ihr extrem hohes Haushaltsdefizit zu drücken: Nahm die Regierung 2009 noch neue Kredite in Höhe von 15,6 Prozent des BIP auf, wird sich die Defizitquote im Jahr 2012 - nicht zuletzt dank europäischer Hilfe - auf 7,3 Prozent des BIP verringern.

Platz 2

Auf Platz zwei der am meisten verschuldeten Euro-Länder landet Italien. Mit 123 Prozent des BIP stehen die Italiener laut Eurostat in der Kreide. Die Märkte bestrafen das mit höheren Zinsen, die der Regierung von Premierminister Mario Monti das Leben schwer machen. Mit einem harten Sparkurs steuert Rom dem entgegen: Die Defizitquote sank von 5,4 Prozent im Jahr 2009 auf voraussichtlich 2,0 Prozent in diesem Jahr.

Platz 3

Irland hatte vor allem unter der Bankenkrise zu leiden. Weil das kleine Land seine Banken stützen musste, hat es einen Bruttoschuldenstand von 116,1 Prozent des BIP. Auch das Haushaltsdefizit des früheren keltischen Tigers war in der Folge beängstigend hoch und lag 2010 bei 31 Prozent des BIP. Inzwischen konnte die Regierung das Defizit auf 8,3 Prozent senken - was immer noch deutlich zu hoch ist.

Platz 4

Genau wie Griechenland und Irland musste sich auch Portugal unter den Rettungsschirm flüchten. Das Land ächzt unter einer Schuldenquote von 113,9 Prozent der BIP. Auf Druck der EU reduzierten die Portugiesen ihr Haushaltsdefizit in den vergangenen Jahren deutlich: Waren es 2009 noch 10,2 Prozent des BIP, wird die Defizitquote in diesem Jahr voraussichtlich auf 4,7 Prozent sinken.

Platz 5

Auch Belgiens Schuldenquote hat mit 113,9 Prozent vom BIP eine kritische Höhe erreicht. Bei Haushaltsdefizit hingegen sehen die Belgier inzwischen wieder ganz gut aus: Nach satten 10,2 Prozent im Jahr 2009 werden sie die in den Maastricht-Kriterien festgelegte Defizitquote von drei Prozent in diesem Jahr vorrausichtlich exakt einhalten.

Platz 6

Deutschlands Nachbarland Frankreich hat eine Verschuldungsquote von 90,5 Prozent des BIP. Ökonomen halten diese Schuldenlast für gerade noch tragbar, die Maastricht-Kriterien hingegen verletzen die Franzosen deutlich: Sie sehen eine Quote von höchstens 60 Prozent vor. Auch das französische Haushaltsdefizit ist mit 4,5 Prozent vom BIP im Jahr 2012 zu hoch.

Platz 7

Auch Deutschland, das sich gerne als Musterschüler der Euro-Zone sieht, drückt eine hohe Schuldenlast: 81,2 Prozent beträgt die Bruttoschuldenquote im Jahr 2012 - zu hoch für Maastricht. Beim Haushaltsdefizit hingegen sieht Europas größte Volkswirtschaft inzwischen richtig gut aus: Eurostat schätzt, dass Schäubles Defizitquote in diesem Jahr nur noch bei 0,9 Prozent des BIP liegt - der zweitbeste Wert aller Euro-Staaten.

Platz 8

Das letzte Land, das Schutz unter dem Euro-Rettungsschirm suchte, war Spanien. Dabei ist die Bruttoschuldenquote der Iberer gar nicht so hoch: mit 80,9 Prozent liegt sie unter der von Deutschland. Deutlich zu hoch ist allerdings das Haushaltsdefizit Spaniens: Kredite in Höhe von 6,4 Prozent muss die konservative Regierung in diesem Jahr aufnehmen - weniger als im letzten Jahr (8,5 Prozent) aber immer noch zu viel.

Platz 9

Bei Zypern wird immer gemunkelt, dass das Land als nächstes unter den Rettungsschirm schlüpfen könnte. Den Inselstaat drückt eine Schuldenquote von 76,5 Prozent des BIP. Immerhin: Das Haushaltsdefizit konnten die Zyprioten spürbar reduzieren: Es sankt von 6,3 Prozent des BIP im Vorjahr auf 3,4 Prozent in diesem Jahr. Die Maastricht-Grenze ist damit wieder in Reichweite.

Platz 10

Die Mittelmeerinsel Malta weist eine Bruttoverschuldungsquote von 74,8 Prozent des BIP auf. Im europäischen Vergleich reicht das für Platz zehn. Das Haushaltsdefizit von Malta bewegt sich innerhalb der Maastricht-Kriterien und wird in diesem Jahr voraussichtlich bei 2,6 Prozent liegen.

Platz 11

Deutschlands südlicher Nachbar Österreich weist eine Verschuldungsquote von 74,2 Prozent des BIP auf - Platz elf in Europa. Auch das Haushaltsdefizitdefizit der Alpenrepublik ist mit aktuell drei Prozent vom BIP vergleichsweise gering. Im Jahr 2011 hatte es mit 2,6 Prozent sogar noch niedriger gelegen.

Platz 12

Die Niederlande gelten ähnlich wie Deutschland als Verfechter einer strengen Haushaltspolitik. Das macht sich bemerkbar: Die Verschuldungsquote liegt bei nur 70,1 Prozent vom BIP. Weniger erfolgreich haben die Niederländer in den vergangen Jahren gewirtschaftet: Das Haushaltsdefizit lag 2009 bei 5,6 Prozent und hat sich danach nur leicht verringert. Im Jahr 2012 peilt die Regierung ein Defizit in Höhe von 4,4 Prozent des BIP an.

Platz 13

Slowenien ist das erste Land im Ranking, dessen Verschuldungsquote die Maastricht-Kriterien erfüllt: Sie liegt im Jahr 2012 bei 54,7 Prozent des BIP. Schlechter sieht es bei den Haushaltszahlen aus: Nach einen Defizit in Höhe von 6,4 Prozent des BIP im Jahr 2011 steuert die Regierung in diesem Jahr auf 4,3 Prozent zu. Die Gesamtverschuldung steigt also.

Platz 14

Ein Musterbeispiel für solide Haushaltsführung ist Finnland: Die Bruttoverschuldungsquote der Skandinavier liegt bei 50,5 Prozent und bewegt sich damit locker in dem Rahmen, den der Maastricht-Vertrag vorgibt. Auch die Haushaltszahlen können sich sehen lassen: In den vergangenen vier Jahren lag Finnlands Defizit nie über der Drei-Prozent-Marke. Im Jahr 2012 werden es nach Prognose von Eurostat gerade einmal 0,7 Prozent sein.

Platz 15

Auch die Slowakei weist eine niedrige Gesamtverschuldung auf: Die Bruttoverschuldungsquote liegt bei 49,7 Prozent des BIP. In den vergangen Jahren allerdings hatten die Slowaken zunehmend Probleme: Bei acht Prozent des BIP lag das Haushaltsdefizit im Jahr 2009, in diesem Jahr werden es laut Eurostat-Prognose 4,7 Prozent sein.

Platz 16

Geldsorgen sind in Luxemburg ein Fremdwort. Die Verschuldungsquote des Großherzogtums liegt bei niedrigen 20,3 Prozent. Der Regierung gelingt es in den meisten Jahren auch, mit den eingenommenen Steuermitteln auszukommen. In den vergangenen drei Jahren lag das Haushaltsdefizit stets unter einem Prozent des BIP. Die anvisierten 1,8 Prozent in diesem Jahr sind da schon ein Ausreißer nach oben.

Platz 17

Hätten Sie es gewusst? Der absolute Haushalts-Musterschüler der Euro-Zone ist Estland. Das baltische Land hat eine Gesamtverschuldung, die bei extrem niedrigen 10,4 Prozent des BIP liegt - ein echter Spitzenwert. 2010 und 2011 gelang es der Regierung sogar, einen kleinen Haushaltsüberschuss zu erwirtschaften. In diesem Jahr läuft es etwas schlechter: Voraussichtlich wird die Regierung Kredite in Höhe von 2,4 Prozent des BIP aufnehmen. Die Maastricht-Kriterien halten die Esten damit aber immer noch locker ein.

Angesichts einer sich verschlechternden wirtschaftlichen Entwicklung in Italien, die durch sinkendes Wachstum und steigende Arbeitslosenzahlen deutlich werde, steige auch das Risiko, die Einsparungsziele zu verfehlen. Dies würde sich dann wiederum negativ auf das Vertrauen am Markt und die Möglichkeiten zur Beschaffung frischen Geldes auswirken, hieß es. Moody's prognostizierte für das laufende Jahr einen Rückgang der Wirtschaftsleistung des Landes um zwei Prozent.

Die Herabstufung vom Freitag war bereits die zweite innerhalb von fünf Monaten. Im Februar hatte Moody's die Kreditwürdigkeit Italiens gemeinsam mit der Bonität von Portugal und Spanien gesenkt.

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger hält die hohen Refinanzierungskosten Italiens für ungerechtfertigt. "Man kann nicht erkennen, warum Italien bei einem Defizit von 1,7 Prozent Renditen von 6,0 bis 6,5 Prozent zahlen sollte, während Großbritannien mit einem Defizit von 7,7 Prozent seine Schulden am Markt mit rund zwei Prozent refinanzieren kann", sagte Bofinger der italienischen Zeitung "Corriere della Sera" vom Freitag. Die Märkte sähen nicht die Fortschritte, die das hoch verschuldete Land gemacht habe. Italien sei im Kreise der sieben führenden Industriestaaten (G7) beim Haushaltsdefizit hinter Deutschland das solideste Land, sagte Bofinger, der als Mitglied im Sachverständigenrat die deutsche Bundesregierung berät.

Es sei richtig, dass Italiens Regierungschef Mario Monti beim jüngsten Euro-Gipfel durchgesetzt habe, dass Italien bei den Rettungsschirmen EFSF und ESM einen vereinfachten Antrag auf den Kauf von Staatsanleihen stellen kann. Italien müsste dann keine zusätzlichen Auflagen erfüllen. Monti erhofft sich davon, dass die Finanzierungskosten für die Verschuldung sinken.

Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, sieht Italien nach der Herabstufung durch die Ratingagentur Moody's vor schwierigen Zeiten. „Es ist nicht auszuschließen, dass am Ende auch Italien den Rettungsfonds um Hilfe bittet“, sagte Krämer Handelsblatt Online. Premierminister Mario Monti habe selbst diese Möglichkeit bereits mehrfach erwähnt.

Kommentare (37)

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Machiavelli

13.07.2012, 04:34 Uhr

Wirkung und Ursache können leicht verwechselt werden.
Es ist offensichtlich dass bei einer Verzinsung von 6% bis 7% oder mehr, Länder die jetzt schon eine schwache Wirtschaft haben, gerade wegen der enormen Zinsbelastung, kaum eine Chance haben aus der Schuldenfalle raus zukommen.
Das ist eine Feststellung und jeder halbwegs in Mathematik gewanderter Mensch wird es zugeben.
Was nutzt "Druck" wenn die Tube leer ist.
Zumutbare Hauthalsdisziplin muss, darf und kann nur durch Kontrolle und nicht durch Kapitalentzug erreicht werden (hier die Betonung auf „zumutbare“).
Viele intelligente Menschen haben damals auch den Nationalsozialismus aus Kurzsichtigkeit befürwortet (u.a. Graf von Stauffenberg) auch jetzt ist der kurzsichtige deutsch-nationale Gedanke Vater des Fehlers und wird zum Scheitern führen.

Und_weiter

13.07.2012, 04:36 Uhr

Der Morgenthau-Plan oder warum Europa verblutet.
Die Euro- und EU-Verträge, von der deutsch-französische Achse entworfen und durchgesetzt, führen zu eine Art Morgenthau-Plan für die Peripherieländer der Währungsunion.
Die wirtschaftlich schwache Euro-Länder werden, weil ihre Wirtschaft gegen die stärkere Wirtschaften nicht geschützt ist, immer schwächer. Dies führt dazu dass vielen jungen und gut ausgebildete Menschen aus diesen Länder keine andere Alternative bleibt als Europa den Rücken zu kehren und ihr Glück auf andere Kontinente zu suchen.
Diese Hämorrhagie ist nicht nur eine menschliche Tragödie aber auch wirtschaftlich nachteilig für Europa. Bedingt durch den permanenten deutschen Leistungsbilanzüberschuss, ist der Euro für die meisten andere Länder überbewertet und erschwert diesen Ländern Exporte und bremst Importe nicht ab. Folge: Wirtschaftlicher Niedergang. Der führt dann zu geringeren Staatseinnahmen, die wiederum zu einer höheren Verschuldung, die wiederum zu höheren Zinsen für das Land und seine Wirtschaft.
Niemand soll sagen, dass diese Dinge nicht absehbar gewesen seien - dass ist Ökonomie-Grundstudiums-Wissen. Trotzdem hat damals die deutsch-französische Achse auf das Prinzip der eigenen Verantwortung bestanden.
Was Europa braucht sind Vertragsänderungen die zu einer Wirtschaftskonvergenz innerhalb der Währungsunion führen und zu einer horizontalen Arbeitsteilung, Vertragsänderungen die den natürlichen Standortsnachteile der Peripherieländer entgegen wirken.

Eddie

13.07.2012, 05:52 Uhr

"Es sei zu erwarten, dass die Kosten für die Schuldenfinanzierung weiter steigen oder das Land angesichts eines Vertrauensverlustes seinen Zugang zum Finanzmarkt verliert, hieß es zur Begründung." Das ist nicht die Ursache, sondern die beabsichtigte Wirkung der Herabstufung. Diese Betrueger haben die gute Nachricht vom 12.07. gelesen und mussten da wohl schnell gegensteuern: "Gute Nachrichten aus Rom: Hohe Steuereinnahmen führen dazu, dass das Land weniger Staatsanleihen braucht und die Zinsen sinken. (...) Am Donnerstag konnte Italien einjährige Geldmarktpapiere im Volumen von 7,5 Milliarden Euro bereits zu einem geringeren Zins platzieren. Die Rendite lag bei 2,697 Prozent nach 3,97 Prozent vor einem Monat. Die Nachfrage war robust."

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