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12.01.2011

07:35 Uhr

Anleiheauktion

Warum Portugal heute der Nabel der Finanzwelt ist

Portugal will sich heute gut eine Milliarde Euro am Kapitalmarkt beschaffen. An den Märkten wird die Emission seit Tagen heiß diskutiert, die Gerüchteküche brodelt. Dabei ist der Schritt an den Kapitalmarkt eigentlich etwas ganz und gar Gewöhnliches. Warum dann die Aufregung um einen so alltäglichen Vorgang?

Portugals Ministerpräsident Jose Socrates: "Wir brauchen keinen Bail-out." Quelle: Reuters

Portugals Ministerpräsident Jose Socrates: "Wir brauchen keinen Bail-out."

HB DÜSSELDORF. Für Portugal wird es heute ernst. Das hoch verschuldete Land will sich am Markt frisches Geld verschaffen. Es geht um einige hundert Millionen oder allenfalls eine gute Milliarde Euro - und eigentlich ein Routinegeschäft, das an den Kapitalmärkten Jahr für Jahr dutzendfach abgewickelt wird.

Doch die Schuldenkrise macht den kleinen Schritt an den Kapitalmarkt zu einem wichtigen Stimmungsindikator für die gesamte Euro-Zone. Sollten die Investoren streiken, würde der Druck auf Portugal noch einmal mächtig ansteigen. Aus den Spekulationen über eine Flucht des Landes unter den Rettungsschirm könnte schnell Tatsache werden.

Im Vorfeld der Emission gab es daher auch von vielen Seiten Unterstützung und ermutigende Worte. Bundeskanzlerin Angela Merkel lobte das Land für sein Sparpaket . Ministerpräsident Jose Socrates betonte noch einmal, dass Portugal entgegen der Spekulationen keine externe Hilfe brauche. Marktgerüchten zufolge hat die Europäische Zentralbank zuletzt zudem portugiesische Anleihen gekauft, um Druck aus dem Markt zu nehmen.

Die Anspannung vor der heutigen Anleiheemission bleibt jedoch hoch. Die Finanzwelt blickt vor allem gebannt auf eine Zahl: Die Rendite, die die Anleihe für Investoren abwirft - oder spiegelbildlich die Zinsen, die der portugiesische Staat für seine Schulden bezahlen muss. Je geringer das Vertrauen der Investoren, desto tiefer muss Portugal in die Taschen greifen. Und desto teurer wird die Refinanzierung für das ohnehin schon hoch verschuldete Land.

Objektiv geht es um vergleichsweise wenig Geld: In zwei Tranchen mit Laufzeiten bis 2014 und 2020 will Portugal insgesamt 1,25 Mrd. Euro aufnehmen. Ein solches Anleihevolumen entspricht der Größenordnung, mit der sich viele Firmen regelmäßig Fremdkapital besorgen. Dennoch: Die Volkswirte der Commerzbank sehen hier einen "ersten Lackmustest". "Weitere werden folgen, insbesondere im April/Mai, wenn hohe Rückzahlungen anstehen."

Es geht also auch um Psychologie, allerdings mit sehr handfesten Folgen: Derzeit rechnet zwar kaum jemand ernsthaft damit, dass der EU-Schuldensünder Portugal wirklich zahlungsunfähig wird. Doch die Sorge davor reicht schon, um die Zinsen in die Höhe zu treiben. Und wenn das geschieht, verschlimmert sich die Haushaltslage des betroffenen Landes quasi automatisch. Wegen der Diskussion um gemeinsame Anleihen der Euroländer könnte dies langfristig auch die Finanzierung für die solideren Staaten wie Deutschland teurer machen.

Kommentare (1)

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Leertasche

12.01.2011, 12:38 Uhr

DAS PRObLEM ALS SOLCHES bLEibT !
So, jetzt ziehen wir mal alle mit unseren Zeigefingern die äußeren Anteile der Augenlider gaanz weit auseinander! Dann haben wir schon mal den richtigen blickwinkel der Sachlage erreicht.
Denkanstöße: Was und vor allem Wo, so die Kasus-Knaktus-Frage, wird China in 4 bzw. 10 Jahren, seine Zinseinnahmen verwenden wollen? Neue Anleihen? import-Warenströme? Landwirtschaftliche Dependencen in Europa? Wohltätigkeitsveranstaltungen im ganz großen Rahmen?
Man versteht die Sachlage sicherlich besser als Arbitragegeschäft. Oder als Diversifikationsgeschäft. Es wird einfach minderwertigere Währung ($) gegen höherwertigere Weichbutterwährungen (€) austauschbar. Und vor allem handelbar, selbst im chinesischen inland! Unkontrolliert, versteht sich.
Sehe es so:
DER AUFWERTUNGSDRUCK DES YUAN WiRD iN 2011 bEiLEibE NiCHT UM DiE SECHS PROZENT LiEGEN, SONDERN NiEDRiGER.

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