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08.11.2012

13:21 Uhr

Anleiheauktionen

Spanien hat für 2012 ausgesorgt

Um seine Finanzierung für 2012 muss sich Spanien keine Sorgen mehr machen. In verschiedenen Auktionen investierten Anleger knapp fünf Milliarden Euro in das Land, das als Kandidat für den Euro-Rettungsschirm gilt.

Spanien erzielt mit Anleiheauktionen knapp fünf Milliarden Euro. dpa

Spanien erzielt mit Anleiheauktionen knapp fünf Milliarden Euro.

MadridTrotz seiner hohen Schuldlast halten die Investoren Spanien am Kapitalmarkt die Treue. Das Land nahm am Donnerstag bei Auktionen von Anleihen mittlerer und langer Laufzeiten 4,8 Milliarden Euro ein. Damit hat das als heißer Anwärter auf den Euro-Rettungsschirm gehandelte Land seinen Refinanzierungsbedarf für 2012 komplett gedeckt.

Es kann nun in den verbleibenden Auktionen im November und Dezember bereits für 2013 Gelder einsammeln. Die Anleger griffen auch bei den erstmals seit Mai 2011 wieder aufgelegten 20-jährigen Anleihen zu: Das Land brachte Papiere im Volumen von 732 Millionen Euro an den Mann. Die Nachfrage überstieg das Angebot um das 2,1-Fache, was als Vertrauensbeweis der Investoren gewertet wurde. "Die 20-jährige Anleihe war ein Erfolg", sagte Estefania Ponte von Cortal Consors. Allerdings musste das Land einen relativ hohen Zins von 6,328 Prozent für die langlaufenden Papiere bieten.

Spanien konnte sich hingegen über geringere Kosten bei den Anleihen mit Laufzeit bis 2015 freuen. Die Renditen sanken auf 3,66 nach 3,95 Prozent bei einer Auktion Anfang Oktober. Auch die Überzeichnungsquote von 2,8 bei dieser Versteigerung im Volumen von 3,04 Milliarden Euro war höher als zuletzt, als die Nachfrage das Angebot nur um das Zweifache überstieg.

Trotz seiner hohen Schulden hat das Land bislang keinen Rettungsantrag in Brüssel stellen wollen. Spekulationen, wonach Spanien dieses Jahr nicht mehr in Brüssel anklopfen wird, drückten am Donnerstag auch auf dem Euro -Kurs. Investoren fürchten, dass sich in diesem Fall die europäische Schuldenkrise noch länger hinziehen könnte als ohnehin befürchtet. Die EZB steht bereits Gewehr bei Fuß, Spanien mit flankierenden Anleihekäufen am Sekundärmarkt unter die Arme zu greifen, falls es unter den Rettungsschirm schlüpft.

Der Ökonom Nick Stamenkovic von Ria Capital Markets geht davon aus, dass sich Ministerpräsident Mariano Rajoy nach den erfolgreichen Auktionen in seiner Sicht bestärkt sieht, dass ein Antrag nicht dringlich ist. "Aber wenn der Refinanzierungsbedarf für 2013 stärker ins Blickfeld rückt, dürfte das Land doch zu einer Flucht in die Arme der EZB getrieben werden."

Nach Einschätzung der EU-Kommission wird Spanien noch mindestens zwei Jahre lang mit einem hohen Haushaltsdefizit kämpfen. Anders als von der Regierung in Madrid selbst berechnet, werde die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone auch 2014 mit einem Haushaltsloch von 6,4 Prozent weit vom vereinbarten Defizitziel von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entfernt sein, sagte die EU-Kommission in ihrer Herbstprognose voraus.

Von

rtr

Kommentare (9)

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Eurowahn

08.11.2012, 14:02 Uhr

(..) Spanien musste sich noch nie Sorgen um seine Finanzierung machen. Zumindest so lange nicht wie Herr Schäuble, Frau Merkel, Herr Steinbrück, Herr Steinmeier, Herr Rösler, Herr Trittin, Frau Roth u.a. noch am Leben sind. Kein Pleitestaat muss sich ernsthaft Sorgen um seine Finanzierung machen. Wenn die Politiker dort an der Macht bleiben wollen und schlau sind, leiten sie keine Reformen ein, sondern senken das Renteneintrittsalter weiter herab und erhöhen den Mindestlohn. Siehe Herr Hollande in Frankreich. Rentenalter von 62 auf 60 Jahre gesenkt, einen FLÄCHENDECKENDEN Mindestlohn von 9,20 Euro auf 9,40 Euro erhöht. Ob das produktiv und wirtschaftlich vernünftig ist, ist doch egal. Mit solchen Versprechungen wirst du vom Volk gewählt. Und Macht ist doch das Wichtigste für einen Politiker !! Und Herr Hollande muss sich auch keine Sorgen machen, wenn die Schulden dadurch steigen.
Herr Schäuble ist immer ganz eifrig und schickt unser Geld gerne dort hin. Dafür haben wir ja bis 67 Arbeit - und Arbeit ist doch das Wichtigste auf der Welt. Die armen Franzosen haben schon mit 60 keine Arbeit mehr weil sie mit 60 in Rente gehen. Und die Deutschen haben Arbeit, egal ob das für 4 Euro ist, wir sind doch das Jobwunder weltweit.(...)
Aber wir Deutsche profitieren ja am meisten vom Euro. Wer das glaubt(...) Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Motzer

08.11.2012, 14:34 Uhr

Ausgesorgt? Wenn es Rettung ohne Auflagen gäbe, wäre Spanien längst unter dem Rettungsschirm. Nur die angedrohten Auflagen schrecken Spanien zurück. Aber die EU würde ja gerne die Auflagen reduzieren, um noch mehr "retten" zu dürfen. Nur Deutschland spreizt sich. Das zeigt, dass die Rettungsschwelle zu niedrig ist und dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet wird. Die EU hat ihr Ziel verfehlt und dient nur noch als Geldbeschaffer. Leider wird hier nur unser Geld weiterverteilt!

Anleihenspezialist

08.11.2012, 14:50 Uhr

Sorry liebes HP, aber Spanien ist nicht über den Berg. Wer hat den die Anleihen wieder gekauft?

Die EZB hatte schon massiv Anleihen von Spanien aufgekauft. Spanien bedient Target2 - Zahlungen nicht mehr. Spanische Banken haben über 3 Bazooka - Aktionen der EZB seit 2011 ca. 1 Billion erhalten und darüber Anleihen von Spanien gekauft oder fällig werdende Anleihen im 3 stelligen Bereich bedient. Nun stellt sich hier die Frage warum benötigt Spanien einen Bankenrettungsschirm von 100 Milliarden, bei diesen schon gezahlten Summen?

Sollte jeder mal darüber nachdenken. Warum recherchieren die HB - Wirtschaftsjournalisten nicht diese Thema? Ist die Presse schon von der Finanzmafia gekauft?

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