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18.04.2013

15:57 Uhr

Anleiheauktionen

Spanien spürt trotz Konjunkturflaute Rückenwind

Spanien kann zehnjährige Bonds mit der niedrigsten Rendite seit drei Jahren platzieren und hat nicht nur damit sein angepeiltes Emissionsvolumen überschritten. Für deutsche und französische Papiere sah es schlechter aus.

Eine Spanische Flagge in Madrid: Das Land konnte sich am Kapitalmarkt erfolgreich mit frischem Geld eindecken. dapd

Eine Spanische Flagge in Madrid: Das Land konnte sich am Kapitalmarkt erfolgreich mit frischem Geld eindecken.

Madrid/FrankfurtSpanien kommt trotz der tiefen Wirtschafts- und Schuldenkrise günstiger an frisches Geld. Bei der Ausgabe einer zehnjährigen Anleihe zahlte das klamme Land am Donnerstag einen Zins von 4,612 Prozent - das ist die niedrigste Rendite seit drei Jahren. Spanien teilte zudem Schuldtitel mit Laufzeiten bis 2016 und 2018 zu und sammelte an diesem Emissionstag insgesamt 4,7 Milliarden Euro ein. Damit wurde die angepeilte Obergrenze von 4,5 Milliarden Euro deutlich übertroffen.

Die Nachfrage nach einigen Papieren war weit höher als zuletzt: Die Auktion der Bonds mit Laufzeit bis 2016 war 2,8-fach überzeichnet, zuletzt überstieg die Nachfrage das Angebot nur um das 1,9-Fache. Auch bei dem 2023er Schuldtitel griffen die Anleger zu: Die Überzeichnungsquote lag bei 2,6 (zuletzt 1,9). „Das ist ein sehr starkes Auktionsergebnis für Spanien“, meint Lyn Graham-Taylor von der Rabobank in London.

Auf der Jagd nach Rendite dränge die im Finanzsystem üppig vorhandene Liquidität auf den Kapitalmarkt der Südländer. Zum Vergleich: In Deutschland müssen sich Investoren bei zehnjährigen Anleihen mit weit niedrigeren Zinsen begnügen. Die Durchschnittsrendite bei der jüngsten Bundesemission lag bei mageren 1,28 Prozent.

Die gebrochenen Versprechen der Euro-Retter

Keine Finanzhilfe für Griechenland

„Hilfe steht nicht auf der Tagesordnung, denn Griechenland sagt selbst, dass es im Augenblick keine Hilfe braucht."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 21. März 2010

Ende April beantragt Griechenland offiziell Finanzhilfe, im Mai beschließen die EU, die Europäische Zentralbank (EZB) und der Internationale Währungsfonds (IWF) das erste Griechenlandpaket.

Keine dauerhaften Rettungsschirme

„Die Rettungsschirme laufen aus. Das haben wir klar vereinbart."
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am 24. Juli 2010

Die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (ESFS) ist zwar zeitlich befristet, aber die Euro-Finanzminister einigen sich Anfang 2012 auf den dauerhaften Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM).

Kein griechischer Schuldenschnitt

„Ich werde langsam müde, diese Gerüchte immer wieder zu dementieren."
Griechenlands früherer Finanzminister Giorgos Papakonstantinou am 18. April 2011

Im Oktober beschließen die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone einen Schuldenschnitt für Griechenland: Private Gläubiger und Banken verzichten auf 50 Prozent ihrer Forderungen.

Das Volumen der Rettungsschirme

„Wir haben jetzt ein Land unter dem Schirm, das ist Irland. Und damit ist das Volumen noch weit davon entfernt, ausgeschöpft zu sein."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 12. Januar 2011

Im April 2011 stellt Portugal Antrag auf Hilfe. Es wird klar, dass die bisher hinterlegten Bürgschaften nicht ausreichen, um die Kredite zu den gewünschten Zinskonditionen zu beschaffen. Im Juni beschließt die Euro-Zone, den EFSF auf 780 Milliarden Euro aufzustocken, durch den sogenannten Hebel wird das Volumen im Oktober auf mehr als 1000 Milliarden Euro erhöht.

Keine Haftungsunion

„Eine gesamtschuldnerische Haftung wird es nicht geben, solange ich lebe."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 26. Juni 2012

Im Oktober 2012 schlägt die Troika aus EU, EZB und IWF den Finanzministern der Euro-Zone einen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland vor: Auch die öffentlichen Gläubiger sollen Athen nun einen Teil ihrer Forderungen erlassen. Damit würde die Rettung Griechenlands erstmals die deutschen Steuerzahler wirklich Geld kosten. Schäuble lehnt ab und schlägt vor, Griechenland mehr Zeit zu geben.

Die Spareinlagen sind sicher

Die Europäische Union garantiert, dass Ersparnisse bis zu 100.000 Euro innerhalb der Währungsunion sicher sind.

Im Fall Zyperns war die Politik kurz davor, gegen ihre eigenen Zusagen zu verstoßen. Zunächst war geplant, Kleinsparer an der Bankenrettung zu beteiligen. Nach empörten Protesten wurde die Zwangsabgabe überarbeitet. Nun müssen nur noch zyprische Sparer mit einem Vermögen über 100.000 Euro haften.

Nur ein Einzelfall?

„Zypern war nun ein ganz besonderer Fall, das wusste jeder.“
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am 28. März 2013

Der niederländische Finanzminister Jeroen Dijsselbloem hatte zuvor in Interviews die Einbeziehung von wohlhabenden Kunden zyprischer Banken in die Maßnahmen zur Zypern-Rettung als richtungsweisend hingestellt. Er bezeichnete sie als „Blaupause“ für andere Länder, relativierte die Aussagen dann später wieder.

Angesichts dieser Renditeunterschiede zu den Kernländern der Eurozone sind Anleger offenbar eher geneigt, über die Wirtschafts- und Schuldenprobleme in Spanien hinwegzusehen. EZB-Chef Mario Draghi hatte im Sommer 2012 mit der Ankündigung für Beruhigung an den Kapitalmärkten gesorgt, im Rahmen seines Mandats alles zum Erhalt des Euro tun zu wollen. Zu diesem Zweck steht ein Anleihenankaufprogramm der EZB bereit, das eigens für die unter den Euro-Rettungsschirm flüchtenden Staaten gezimmert wurde. Mittlerweile spürt auch Spanien am Kapitalmarkt Rückenwind, auch wenn es lediglich Milliardenhilfen für den Bankensektor in Anspruch genommen hat und sich nicht als Anwärter für ein Vollprogramm sieht.

Die Ratings der Euro-Länder

Belgien

S&P Rating: AA
Ausblick: Negativ
Moody's Rating: Aa3
Ausblick: Negativ
Fitch Rating: AA
Ausblick: Stabil

Deutschland

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Estland

S&P Rating: AA-
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: A1
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: A+
Ausblick: Stabil

Finnland

S&P Rating: AAA
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Frankreich

S&P Rating: AA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aa1
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AA+
Ausblick: Stabil

Griechenland

S&P Rating: B-
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Caa3
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: B
Ausblick: Stabil

Irland

S&P Rating: BBB+
Ausblick: Positiv

Moody's Rating: Ba1
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: BBB+
Ausblick: Stabil

Italien

S&P Rating: BBB
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Baa2
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: BBB+
Ausblick: Stabil

Luxemburg

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Malta

S&P Rating: BBB+
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: A3
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: A+
Ausblick: Stabil

Niederlande

S&P Rating: AA+
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Negativ

Österreich

S&P Rating: AA+
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Portugal

S&P Rating: BB
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Ba2
Ausblick: Positiv

Fitch Rating: BB+
Ausblick: Negativ

Slowakei

S&P Rating: A
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: A2
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: A+
Ausblick: Stabil

Slowenien

S&P Rating: A-
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Ba1
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: BBB+
Ausblick: Negativ

Spanien

S&P Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Baa3
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Zypern

S&P Rating: B
Ausblick: Positiv

Moody's Rating: Caa3

Ausblick: Negativ

Fitch Rating: B-

Ausblick: Stabil

IWF-Chefin Christine Lagarde rechnet sogar damit, dass das Land bis nächstes Jahr auf den Wachstumspfad zurückkehren wird. Allerdings nur, falls es nicht Verschärfung des Sparkurses gezwungen ist. Ministerpräsident Mariano Rajoy hat das Haushaltsdefizit bereits mit Haushaltskürzungen und Steuererhöhungen in Milliardenhöhe bekämpft. Er steht jedoch in der Kritik, mit dem scharfen Sparkurs die Konjunktur abzuwürgen.

Für deutsche und französische Bonds sah der Donnerstag weniger rosig aus. Viele Anleger trennten sich von ihnen. Dies machte sich auch am Terminmarkt bemerkbar, wo der Bund-Future und der französische OAT-Future mit Abschlägen von zehn bis 20 Ticks ihrem italienischen Pendant hinterherliefen, das rund 33 Ticks zulegte. Umsatzmäßig lag der Schwerpunkt freilich wie üblich auf dem Bund-Future.

Wie schon am Vortag hofften zudem viele Anleger, dass auf der Jagd nach Rendite bald auch japanische Anleger in den europäischen Bondmarkt investieren werden.

Von

rtr

Kommentare (1)

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pendler

18.04.2013, 14:22 Uhr

Man sehe sich die Arebitslosigkeit in Sapnien an, besonders aber die Arbeitslosigkeit der Jugend.

Was aus Spanien wird, sollte jedem dann schnell klar werden.

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