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01.02.2012

17:28 Uhr

Anleiheemission

Commerzbank erhält Geld ohne Sicherheiten

Als erstes deutsches Finanzinstitut in diesem Jahr hat die Commerzbank eine unbesicherte Anleihe begeben. Die Bank musste jedoch tief in die Tasche greifen, um sich eine Milliarde Euro für fünfeinhalb Jahre zu leihen.

Ein Goethe-Denkmal im Schatten der Frankfurter Zentrale der Commerzbank. Reuters

Ein Goethe-Denkmal im Schatten der Frankfurter Zentrale der Commerzbank.

FrankfurtNoch vor drei Wochen hatte sich Commerzbank-Finanzvorstand Eric Strutz skeptisch gezeigt, ob das Geldhaus - dem die europäische Bankenaufsicht EBA unlängst ein Fünf-Milliarden-Kapitalloch attestierte - in diesem Jahr wegen der verschlossenen Märkte unbesicherte Papiere öffentlich begeben könnte. Doch nachdem der Plan geschnürt worden ist, ohne staatliche Finanzspritze die Lücke zu schließen, wagte sich das Institut auf den Anleihenmarkt.

Am Mittwoch spielte die Commerzbank den Eisbrecher auf dem deutschen Markt für unbesicherte Anleihen: Sie begibt als erstes Institut in diesem Jahr ein vorrangiges Zinspapier ohne Sicherheiten. Der Bond mit Laufzeit bis Juli 2017 ist eine Milliarde Euro schwer, wie die Commerzbank am Mittwoch mitteilte. Die jährlich Zinszahlung beträgt 3,625 Prozent.

Der Schritt ist beachtlich, weil der Markt seit Monaten eingefroren ist. Viele Investoren zweifeln an der Widerstandsfähigkeit der europäischen Banken in der Schuldenkrise und sind deshalb beim Kauf von unbesicherten Bankpapieren sehr zurückhaltend. Etliche Institute weichen deshalb zur Refinanzierung auf Pfandbriefe oder andere besicherte Anleihen aus. Allerdings war etwa der britischen Lloyds Banking Group in der vergangenen Woche eine ähnliche Emission geglückt. Sie ist - wie die Commerzbank - teilweise in staatlichem Besitz.

Wie sich die deutschen Banken finanzieren wollen

Pläne für die EBA

Bei sechs Deutschen Banken hatte die Europäische Bankenaufsicht Eba im vergangenen Jahr Lücken bei der Kapitalausstattung festgestellt, insgesamt rund 13 Milliarden Euro. Bis Ende Juni haben sie Zeit, das Geld zu beschaffen. Vergangenen Freitag mussten sie der Eba ihre Pläne vorlegen. Das Handelsblatt fasst zusammen, wie die Banken die fehlenden Milliarden auftreiben wollen.

Commerzbank.

Rund 5,3 Milliarden Euro fehlen der Commerzbank. Konzernchef Martin Blessing legte im Januar seine Pläne auf den Tisch. Er will sogar eine Milliarde Euro mehr beschaffen - aus eigener Kraft. Keine Staatshilfen, vorerst auch kein Geld von der Allianz. Knapp 60 Prozent des Fehlbetrags hat die Commerzbank schon reingeholt durch einen Gewinn von 1,2 Milliarden Euro im vierten Quartal 2011. Auf weitere 1,2 Milliarden hofft die Bank in den ersten beiden Quartalen 2012. Die Risikoaktiva seien bereits um 17 Milliarden Euro reduziert worden, was den Kapitalbedarf um weitere 1,6 Milliarden gesenkt habe, sagte Blessing.

Deutsche Bank.

Die Deutschen Bank braucht 3,2 Milliarden Euro. Bankchef Josef Ackermann will die Lücke mit einbehaltenen Gewinnen und dem Abbau von Risikopositionen schließen. Beobachter gehen davon aus, dass er die Vorgaben übererfüllen wird. Offiziell hält sich die Bank bis zur Bilanz-Pressekonferenz am 2. Februar bedeckt. Der mögliche Verkauf von großen Teilen des Asset Managements ist in den Berechnungen nicht berücksichtigt, auch nicht die geplante Veräußerung der BHF-Bank.

NordLB

Die Norddeutsche Landesbank (NordLB) hat einen Kapitalisierungsbedarf von 2,5 Milliarden Euro. Rund 1,7 Milliarden Euro hat sie bereits beschafft; der größte Teil stammt vom Land Niedersachsen. Am Freitag berichtete die NordLB, dass sie ihr Kernkapital nochmals um bis zu eine Milliarde Euro stärken wird, um die noch offene Lücke von 820 Millionen Euro zu schließen. Die letzte Milliarde soll durch Wandlung Stiller Einlagen, Beteiligungsverkäufe und die Einbehaltung von Gewinnen hereingeholt werden.

Helaba.

Rund 1,5 Milliarden Euro fehlen der Landesbank. Bereits im Dezember 2011 wurde die Lücke geschlossen. Das Land Hessen hatte zu diesem Zwecke seine Stillen Einlagen über 1,92 Milliarden Euro in hartes Kernkapital gewandelt. Die Eba hatte dies bei ihren Stresstests damals aber noch nicht berücksichtigt. Plan erfüllt.

WestLB

Die Düsseldorfer sind ein Sonderfall. Zwar hat die Eba eine Kapitallücke von 224 Millionen festgestellt. Dieser Befund ist inzwischen aber völlig wertlos. Mit Zustimmung ihrer Träger und auf Geheiß von EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia wird die angeschlagene Landesbank bis zum 30. Juni nicht nachkapitalisiert, sondern aufgelöst.

DZ Bank

353 Millionen Euro muss Bankchef Wolfgang Kirsch auftreiben. Er will dies tun, indem er ordentliche Gewinne erwirtschaftet - und diese dann einbehält.

Die Investoren lassen sich ihr Vertrauen erwartungsgemäß ordentlich entlohnen. Die Commerzbank muss für ihre Anleihe einen Risiko-Aufschlag von 2,05 Prozentpunkten zahlen. Das sind 25 bis 30 Basispunkte mehr als das Unternehmen für vergleichbare Anleihen im Altbestand zahlt. Auch andere Institute zahlten derzeit allerdings 25 bis 30 Basispunkte mehr, sagte ein Banker.

Commerzbank-Finanzvorstand Strutz hatte zuletzt mehr auf Privatplatzierungen über das Filialnetz gesetzt. Insgesamt hatte die Commerzbank kürzlich für 2012 noch einen Refinanzierungsbedarf von sechs Milliarden Euro ausgemacht. Davon sollten zwei Milliarden über Pfandbriefe hereingeholt werden. Branchenkenner hoffen, dass sich die Refinanzierungsnot der Banken 2012 auch dank der Europäischen Zentralbank (EZB) lindert. Diese hatte kurz vor Weihnachten mit ihrem Drei-Jahres-Tender erstmals eine ultralange Kreditlinie aufgelegt, bei der die eingetrockneten Institute fast eine halbe Billion Euro abriefen.

Eine zweite Spritze folgt Ende Februar. KfW-Kapitalmarktvorstand Günther Bräunig macht leichte Zeichen der Entspannung auf dem Refinanzierungsmarkt aus, wie er am Mittwoch sagte. Die Stimmung habe sich etwas aufgehellt. „Das war ein ungeheurer Push der EZB.“ Mitte Dezember hatte Bräunig die Situation der Banken noch mit der Zeit unmittelbar nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008 verglichen. KfW-Chef Ulrich Schröder warnt aber vor zu viel Optimismus: „Die Bankenkrise ist noch nicht gelöst. Das langfristige Vertrauensthema bleibt.“

Von

rtr

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