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06.10.2015

14:53 Uhr

Anleiheemission

Zyperns Comeback

VonGerd Höhler

Noch im März 2013 stand Zypern am Rand des Staatsbankrotts. Doch nun lässt die Mittelmeerinsel die Krise hinter sich. Noch in diesem Jahr ist offenbar die Emission einer zehnjährigen Staatsanleihe geplant.

Der 2013 gewählte Staatschef Zyperns kann noch bis 2018 regieren, weitgehend unabhängig von parlamentarischen Mehrheiten. dpa

Plakat mit Nikos Anastasiades

Der 2013 gewählte Staatschef Zyperns kann noch bis 2018 regieren, weitgehend unabhängig von parlamentarischen Mehrheiten.

Athen/NikosiaFür das krisengeschüttelte Griechenland haben die internationalen Geldgeber gerade das dritte Rettungspaket geschnürt, da gibt es gute Nachrichten von der benachbarten Insel Zypern: Nach nur dreieinhalb Jahren Anpassungsprogramm kommt das Land wirtschaftlich und finanziell wieder auf die Beine.

Noch vor Ende des Jahres plant Zypern eine Rückkehr an die Finanzmärkte, bestätigte Regierungssprecher Nikos Christodoulides in Nikosia. Nach inoffiziellen Berichten plant Zypern, mit einer zehnjährigen Staatsanleihe 1,5 Milliarden Euro aufzunehmen. Die Emission werde unterstreichen, „dass die Glaubwürdigkeit unserer Wirtschaft wieder internationales Niveau erreicht hat“, sagte Regierungssprecher Christodoulides.

Ausstehende Staatsanleihen ausgewählter Euro-Staaten

Italien

Volumen: 2280 Milliarden Euro, Anteil an Euro-Zone gesamt (inklusive Luxemburg, Malta und Estland): 25,3 Prozent
(Quelle: Bloomberg)

Frankreich

1935 Milliarden Euro, 21,5 Prozent der Euro-Zone

Deutschland

1365 Milliarden Euro, 15,2 Prozent der Euro-Zone

Spanien

1192 Milliarden Euro, 13,2 Prozent der Euro-Zone

Belgien

465 Milliarden Euro, 5,2 Prozent der Euro-Zone

Niederlande

439 Milliarden Euro, 4,9 Prozent der Euro-Zone

Griechenland

331 Milliarden Euro, 3,7 Prozent der Euro-Zone

Österreich

272 Milliarden Euro, 3,0 Prozent der Euro-Zone

Irland

239 Milliarden Euro, 2,7 Prozent der Euro-Zone

Portugal

230 Milliarden Euro, 2,6 Prozent der Euro-Zone

Finnland

115 Milliarden Euro, 1,3 Prozent der Euro-Zone

Slowakei

45 Milliarden Euro, 0,5 Prozent der Euro-Zone

Slowenien

39 Milliarden Euro, 0,4 Prozent der Euro-Zone

Zypern

18 Milliarden Euro, 0,2 Prozent der Euro-Zone

Litauen

17 Milliarden Euro, 0,2 Prozent der Euro-Zone

Noch im März 2013 stand Zypern am Rand des Staatsbankrotts. Die Wirtschaft der Inselrepublik war eng mit der Griechenlands verzahnt. Dadurch geriet Zypern in den Strudel der Griechenlandkrise. Zum Verhängnis wurde der Insel vor allem ihr völlig aufgeblähter Finanzsektor. Die Bilanzsumme der zyprischen Banken erreichte 2009 fast das Neunfache des Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Mit dem Versprechen hoher Zinsen lockten die Institute immer mehr Einlagen an, vor allem aus Russland und der Ukraine. Um die hohen Guthabenzinsen zahlen zu können, investierten die Banken in renditestarke, aber hochriskante griechische Staatsanleihen. Mit dem Schuldenschnitt in Griechenland verloren sie im Februar 2012 ihr gesamtes Eigenkapital – und hätten fast die ganze Inseln mit in den Abgrund gerissen.

Um Zypern vor dem wirtschaftlichen Untergang zu retten, stellten die EU und der Internationale Währungsfonds (IWF) Ende März 2013 Hilfskredite von zehn Milliarden Euro zur Verfügung. Die damit verbundenen Auflagen hat Zypern zügig umgesetzt. Nachdem jetzt die siebte Überprüfung durch die Troika erfolgreich abgeschlossen wurde, gab der Euro-Rettungsfonds ESM am Montag eine weitere Kreditrate für Zypern von 500 Millionen Euro frei.

„Zypern hat einen weiteren Schritt zum erfolgreichen Abschluss des Programms im ersten Quartal 2016 gemacht“, lobte ESM-Chef Klaus Regling. „Die Regierung hat das Reformprogramm umgesetzt, und die Ergebnisse zeigen sich in einer Korrektur der Ungleichgewichte in der Wirtschaft, einer Stabilisierung des Finanzsektors, der Rückkehr zum Wachstum und sinkender Arbeitslosigkeit“, stellt Regling fest.

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