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22.01.2007

14:38 Uhr

Anleihegläubigern droht Abschlag

Ecuador strukturiert seine Staatsschulden um

Ecuador macht es wie Argentinien: Die Schulden werden umstrukturiert, Gläubiger zum teilweisen Verzicht auf Forderungen gezwungen. Das nahezu zahlungsunfähige Land schuldet sich damit zum zweiten Mal nach 1999 um. Diesmal soll jedoch alles besser werden.

(ang) BUENOS AIRES. Das argentinische Umschuldungsmodell macht Schule. Ecuadors Wirtschaftsminister Ricardo Patiño kündigte in der vergangenen Woche an, sein Land werde den Gläubigern im Rahmen einer Schuldenumstrukturierung möglicherweise einen Forderungsverzicht von bis zu 60 Prozent des Nominalwerts abverlangen. Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) wertete Ecuadors Kreditwürdigkeit am Freitag bereits auf „CCC“ herab, nur vier Stufen über dem Zahlungsunfähigkeits-Status. Die Benchmark-Anleihe Ecuadors, der Global 2030 mit 10 Prozent Verzinsung, fiel auf ein Zweijahrestief.

Schon bis Ende dieses Monats will die neue ecuadorianische Regierung unter Rafael Correa ein fertiges Umschuldungsangebot ausarbeiten. Das durch den Schuldenverzicht gesparte Geld will Correa in die Erfüllung seiner umfangreichen sozialpolitischen Wahlversprechen stecken.

Ecuador hatte sich zuletzt erst 1999 für zahlungsunfähig erklärt und im Anschluss eine Umschuldung vorgenommen. Diese Umschuldung sei jedoch unter „korrupten“ Praktiken zustande gekommen und die daraus resultierenden Bedingungen „inakzeptabel“, meint Präsident Correa.

Nach Aussage des Präsidenten wird Ecuador bei der Ausarbeitung des Umschuldungsangebots von hochrangigen argentinischen Funktionären beraten, die 2005 an der dortigen Schuldenrestrukturierung mitgearbeitet hatte. Argentinien hatte seinen Gläubigern drei Jahre nach dem größten Zahlungsausfall der Geschichte den bisher höchsten Forderungsverzicht abverlangt. Die Halter von Argentinien-Anleihen mussten damals auf etwa zwei Drittel ihres Einsatzes verzichten

.

Ecuador will nun scheinbar Argentinien nacheifern, wenngleich die gesamte Auslandsverschuldung des Andenlandes nur knapp 11 Mrd. Dollar beträgt, also ein kleiner Fisch ist im Vergleich zu Argentinien, dass sich Ende 2001 mit einem Schuldenberg von rund 80 Mrd. zahlungsunfähig erklärt hatte. Ecuador könnte jedoch einen anderen Präzedenzfall schaffen: Es wäre das erste Mal, dass ein Land ohne akute Finanznöte eine Umschuldung einleitet und dabei nicht nur niedrigere Zinsen und längere Laufzeiten fordert, sondern einen hohen Verzicht auf den Nennwert.

Die Regierung Ecuadors übernahm zwar ein Haushaltsloch von etwa 800 Mill. Dollar. Doch das Land liege keinesfalls am Boden, im Gegenteil, es habe einiges aus den Ölexporten in Fonds angespart und dürfte dies bei den aktuellen Ölpreisen auch weiter tun können, meint UBS-Analyst Javier Kulesz: „Angesichts dieser Tatsache, gekoppelt mit Ecuadors häufigen Zahlungsausfällen in der Geschichte, werden Investoren vermutlich wenig Geduld mit weiteren Umschuldungsvorschläge zeigen.“

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