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04.01.2011

06:48 Uhr

Anleihekäufe

China will Spanien helfen - Investoren bleiben skeptisch

VonAnne Grüttner, Finn Mayer-Kuckuk

Die chinesische Regierung setzt ihre Charme-Offensive in Europa fort. Dem hochverschuldeten Spanien sicherte Vizepremier Li Keqiang zu, mehr spanische Anleihen zu kaufen. Die Investoren lässt die Unterstützung allerdings kalt. Die Risikoaufschläge spanischer Anleihen bleiben hoch.

Chinas Vizepremier Li Keqiang: "Vertrauen in Spaniens Finanzmarkt". Reuters

Chinas Vizepremier Li Keqiang: "Vertrauen in Spaniens Finanzmarkt".

MADRID/PEKING. So viel Lob hören die Spanier derzeit selten: „China, als ein verantwortungsvoller und langfristiger Investor in den europäischen Finanzmärkten, hat Vertrauen in Spaniens Finanzmarkt, was sich in der Akquisition spanischer Staatsanleihen manifestiert hat; diese Praxis werden wir auch in der Zukunft fortsetzen“, schreibt Chinas Vizepremier Li Keqiang in der größten spanischen Zeitung El Pais. Und fügt an, China wolle mehr spanische Staatsanleihen kaufen.

China ist im Zuge der Schuldenkrise zu einer wichtigen Stütze für Spanien geworden. Die Chinesen halten schätzungsweise ein Zehntel der spanischen Bonds am Markt. Zwar hat Spanien eine vergleichsweise niedrige Staatsverschuldung von unter 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Doch seit dem EU-Rettungspaket für Irland und dem Beginn der Debatte über einen Schuldenschnitt für private Gläubiger leidet das iberische Land unter gefährlich hohen Risikoaufschlägen auf seine Staatsanleihen.

Auch die jüngsten Vertrauensbezeugungen aus dem Reich der Mitte brachten gestern keine Erleichterung. Der Risikoaufschlag gegenüber deutschen zehnjährigen Anleihen blieb bei rund 250 Basispunkten. Spanien zahlt weiterhin rund 5,5 Prozent Zinsen. Wenn die Rate für zehnjährige Anleihen über 6 oder 6,5 Prozent steige, werde es für Spanien unmöglich, seine Staatsverschuldung zu stabilisieren, urteilt Analyst Patrick Artus von Natixis.

Für die chinesische Regierung ist die Unterstützung europäischer Problemstaaten Teil der außenpolitischen Strategie. Sobald griechische Staatspapiere wieder im Handel sind, will China auch dort mit hohen Summen einsteigen. Portugiesische Anleihen hatte das Pekinger Finanzministerium im vergangenen Jahr geordert.

In der EU lässt sich durch den Vertrauensbeweis für die schwächeren Mitglieder durchaus Stimmung für chinesische Interessen machen. Auf Pekings Wunschliste stehen die Anerkennung als Marktwirtschaft oder Stillschweigen im Streit um den richtigen Yuan-Wechselkurs.

Wirtschaftspolitisch lässt sich der Ankauf zumindest formal rechtfertigen. Das Reich der Mitte muss laufend hohe Erlöse aus dem Außenhandel anlegen. „Der europäische Markt wird auch weiterhin ein Schlüsselmarkt für chinesische Investments sein“, hatte Premier Wen Jiabao im Sommer zu Kanzlerin Angela Merkel gesagt. China verfügt über gut zwei Billionen Euro an Devisenreserven, die mehrheitlich in US-Staatsanleihen stecken.

Es gibt auch Kritik in China

Doch die Hilfe für Portugal, Irland, Griechenland und Spanien ist in China nicht unumstritten. Den Wechsel der Investitionen von US-Anleihen zu Südeuropa-Anleihen nannte der zentralbanknahe Ökonom Yu Yonding „eine Diversifikation von einer unsicheren Anlageklasse in eine noch unsicherere Anlageklasse“.

Kommentare (2)

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A. Prenden

04.01.2011, 10:27 Uhr

Wo sollen die Chinesen auch hin mit ihrem Überschuß? Sie versuchen zu retten was zu retten ist mit ihren Dollarn, bzw. sich ihre Märkte am Leben zu halten. bevor das passiert wird aber der Westen die Welt krachen lassen und den Reset drücken und das Spiel beginnt von vorne.

Schilling Werner

04.01.2011, 11:30 Uhr

Was bleibt den Chinesen denn anderes uebrig?
Wenn Sie die Wuensche der USA "Yuan-Wechselkurs"
erfuellen ist das gleichzusetzen mit "ich schenke
einer Nation die ueber ihre Verhaeltnisse lebt eben mal ein bisschen Klein- (Gross-) Geld.
Es geht eigentlich nur um Vertrauen und zwar wer ?
lebt auf groesseren Fuss !
Spanien (u.a.) Oder USA ?
Als Chinesischer Finazminister wuerde ich auch ver-
suchen meine Dollars zu reduzieren und meine Devisen ein bisschen sicherer zu machen.

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