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18.02.2015

16:31 Uhr

Anleihekaufprogramm der EZB

Mario Draghi könnten die Anleihen ausgehen

Mario Draghi hat schon genug Probleme und nun kommt noch eins dazu: Investoren horten ihre Anleihen und wollen sie nicht verkaufen – zudem stehen kaum Emissionen an. Draghis Anleihekaufprogramm könnte daran scheitern.

Investoren möchten ihre Anleihen nicht verkaufen – das könnte für Draghi zum Problem werden. ap

EZB-Chef Mario Draghi

Investoren möchten ihre Anleihen nicht verkaufen – das könnte für Draghi zum Problem werden.

LondonAls hätte Mario Draghi nicht schon genug Probleme. Der Euroraum versucht eine schleichende Deflation zu verhindern. Deutschland stellt Sparen über alles und will weniger Lockerungen. Und Griechenland fordert eine Neuverhandlung der Bedingungen für sein Rettungspaket - ein Schritt, der das Risiko beinhaltet, dass die Euro-Währungsunion auseinanderbricht.

Jetzt kommt noch ein weiteres Problem für den Präsidenten der Europäischen Zentralbank hinzu: Sein beispielloses Vorhaben, den Euroraum durch den Ankauf von Staatsanleihen im Volumen von 1,1 Billionen Euro aus der wirtschaftlichen Malaise zu ziehen, könnte noch vor seinem Beginn lahmgelegt werden.

Der Grund: Ein Mangel an neuen Anleiheemissionen und unwillige Investoren, die keine Papiere verkaufen wollen. Die US-Bank Morgan Stanley schätzt, dass das Nettoneuemissionsvolumen der Staaten erstmals negativ sein wird, wenn der EZB-Plan berücksichtigt wird. Die daraus resultierende Knappheit macht ein Horten der sichersten Staatspapiere des Euroraums durch Banken, Versicherer und Pensionsfonds geradezu unvermeidlich. Und das dürfte die EZB daran hindern, innerhalb von 19 Monaten in etwa den gleichen Anteil an diesen Anleihen aufzukaufen wie es die US-Notenbank Federal Reserve in fast sechs Jahren mit Treasuries getan hat.

Ausstehende Staatsanleihen ausgewählter Euro-Staaten

Italien

Volumen: 2280 Milliarden Euro, Anteil an Euro-Zone gesamt (inklusive Luxemburg, Malta und Estland): 25,3 Prozent
(Quelle: Bloomberg)

Frankreich

1935 Milliarden Euro, 21,5 Prozent der Euro-Zone

Deutschland

1365 Milliarden Euro, 15,2 Prozent der Euro-Zone

Spanien

1192 Milliarden Euro, 13,2 Prozent der Euro-Zone

Belgien

465 Milliarden Euro, 5,2 Prozent der Euro-Zone

Niederlande

439 Milliarden Euro, 4,9 Prozent der Euro-Zone

Griechenland

331 Milliarden Euro, 3,7 Prozent der Euro-Zone

Österreich

272 Milliarden Euro, 3,0 Prozent der Euro-Zone

Irland

239 Milliarden Euro, 2,7 Prozent der Euro-Zone

Portugal

230 Milliarden Euro, 2,6 Prozent der Euro-Zone

Finnland

115 Milliarden Euro, 1,3 Prozent der Euro-Zone

Slowakei

45 Milliarden Euro, 0,5 Prozent der Euro-Zone

Slowenien

39 Milliarden Euro, 0,4 Prozent der Euro-Zone

Zypern

18 Milliarden Euro, 0,2 Prozent der Euro-Zone

Litauen

17 Milliarden Euro, 0,2 Prozent der Euro-Zone

„Wenn offenbar wird, dass die EZB Probleme damit hat, ein ausreichendes Volumen an Bonds aufzukaufen, wird noch unwahrscheinlicher, dass irgendjemand verkaufen will“, sagt Michael Riddell, Vermögensverwalter bei M&G Group Plc in London. Er hat seinen Kunden bereits gesagt, das die EZB wahrscheinlich Probleme bei ihren Käufen haben wird. „Das würde ihre Pläne, die Inflation wieder anzuschieben, zunichte machen.“

Das Programm sei sorgfältig abgewogen worden, um das Volumen der unterschiedlichen Bondmärkte zu berücksichtigen, erklärte ein EZB-Sprecher am Montag per E-Mail. Die Zentralbank sei in keiner Weise in Sorge über ihren Erfolg und die operativen Einzelheiten würden regelmäßig bewertet, erklärte der Sprecher.

Zwar steht die EZB vor den gleichen ökonomischen Risiken wie in den USA, als die Federal Reserve mit ihrer quantitativen Lockerung (QE) durch Anleihekäufe begann. Doch hat sich der globale Bondhandel seither verändert.

Ein gespannteres Verhältnis von Angebot und Nachfrage hat die Kurse hochgetrieben. Das hat dazu beigetragen, die Renditen in Europa auf Rekordtiefs zu drücken, und mittlerweile weisen Staatspapiere im Volumen von 1,2 Billionen Euro eine Rendite unter null auf. Das macht die Investoren, die die Papiere halten, noch abgeneigter zu verkaufen.

Kommentare (12)

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Herr Peter Krauss

18.02.2015, 18:05 Uhr

Ich höre immer wieder, das die das tun, um die Deflation zu verhindern. Deflation ist, wenn die Leute nichts kaufen, weil sie auf fallende Preise warten. Ich weiss nicht, wen diese Politiker kennen, aber ICH kenne nur Leute, die auf den nächsten Monatsersten warten, um wieder Geld zum Ausgeben zu haben.

Herr Peter Krauss

18.02.2015, 18:06 Uhr

Inflation würde daran nur insofern was ändern, das die Lücke zwischen dem letzten Geld und dem 1. des Monats grösser wird.

Account gelöscht!

18.02.2015, 18:15 Uhr

Irgendeinen Schrott wird Draghi schon finden, den Eigner gerne zu Mondpreisen loswerden wollen. Also wird das geld dann wohl direkt in Unternehmenspapiere kranker südländischer Unternehmens und Banken fliessen. Es ist alles so vorhersehbar in diesem abgekarteten Spiel der internationalen Großfinanz.

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