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06.07.2015

16:42 Uhr

Anleihekaufprogramm

EZB läuft auf vollen Touren

Die Europäische Zentralbank zieht ihre Ankündigung durch. In den Sommermonaten kauft sie mehr Anleihen als die eigentlich vorgesehenen 60 Milliarden Euro pro Monat. Das Spektrum der möglichen Kaufobjekte hat sie erhöht.

Das Anleihekaufprogramm wird im Juli und August etwas gedrosselt – deswegen hat die Europäische Zentralbank vorher ordentlich zugelangt. dpa

EZB-Präsident Mario Draghi

Das Anleihekaufprogramm wird im Juli und August etwas gedrosselt – deswegen hat die Europäische Zentralbank vorher ordentlich zugelangt.

Die Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB), in den Sommermonaten mehr Anleihen als eigentlich angekündigt zu kaufen, hatte im Mai für heftige Aufregung gesorgt. Bei einem Dinner mit Hedgefonds-Vertretern hatte EZB-Direktor Bernoit Coeure angekündigt, dass im Mai und Juni mehr Käufe als in übrigen Monaten erfolgen würden. Denn von Mitte Juli bis August falle der Anleihehandel meist schwächer aus.

Die Information an eine breite Öffentlichkeit erfolgte aber erst am folgenden Morgen – und der Euro-Kurs bekam einen deutlichen Knick. Marktteilnehmer hatten eine transparente Kommunikation an alle Interessierten erwartet.

Anleihekaufprogramm und Euro: Wenn ein EZB-Mann beim Dinner zu viel redet

Anleihekaufprogramm und Euro

Wenn ein EZB-Mann beim Dinner zu viel redet

Gestern spielten die Märkte verrückt, weil die Europäische Zentralbank ihr Anleihekaufprogramm vorzieht. Einige Großanleger konnten sich darauf vorbereiten. Ein EZB-Direktor informierte sie auf einem Dinner vorab.

Am Montag teilte die EZB jetzt mit, Coeures Ankündigung auch im Juni in die Tat umgesetzt zu haben. Sie kaufte im Juni für 63,2 Milliarden Euro Anleihen – statt der eigentlich vorgesehenen 60 Milliarden Euro. Bereits im Mai hatte das Kaufprogramm die runde Zahl um etwa fünf Prozent überschritten, als die Bank für 63,1 Milliarden Euro zuschlug.

Auf der Einkaufsliste können europäische Staatsanleihen und Titel von staatlichen Finanzinstituten stehen. Für 51,4 Milliarden Euro kaufte die EZB im Juni Staatsanleihen und Papiere von Staatsagenturen, für 10,2 Milliarden Euro Pfandbriefe und für 1,59 Milliarden Euro Verbriefungen. Eine genauere Aufschlüsselung der Käufe nimmt die EZB nicht vor.

So argumentiert der EuGH zum EZB-Kaufprogramm (OMT)

Argument 1

Das Kaufprogramm gelte einheitlich für die gesamte Euro-Zone uns sei damit mit den Grundsätzen der europäischen Geldpolitik vereinbar.

Argument 2

Das vorrangige Ziel des Programms sei, die Preisstabilität zu gewährleisten.

Dieses Argument der Richter ist hoch umstritten, doch der EuGH folgt hier der Linie der EZB.

Argument 3

Der Kauf der Staatsanleihen erfolge auf dem sogenannten Sekundärmarkt – also nicht direkt bei den Finanzministerien bei Ausgabe der Papiere. Ein solcher Kauf sei gestattet, da es sich um börsengängige Wertpapiere handele.

Argument 4

Die Spezifika des Kaufprogramms machen deutlich, dass es sich nicht um Wirtschaftspolitik handele – die der EZB untersagt ist.

Das OMT-Programm sei klar ein geldopolitisches Werkzeug und liege damit im Aufgabenbereich der Zentralbank.

Argument 5

Das OMT-Programm sei verhältnismäßig, obwohl es unbegrenzt sei. Denn das Programm sei geeignet, die Preisstabilität zu gewährleisten.

Argument 6

Die Spezifika des Programms machten zudem deutlich, dass beim möglichen Anleihekauf nicht über das verfolgte Ziel der Preisstabilität hinaus agiert werden solle.

Argument 7

Auch wenn die EU-Verträge die finanzielle Unterstützung eines Staates durch die EZB verböten, schließe das nicht den Kauf von Staatspapieren aus.

Das sähe allerdings anders aus, sollte der Staat Gewissheit haben können, dass die EZB seine Papiere innerhalb eines gewissen Zeitraums und zu bestimmten Konditionen kaufen würde.

Ende vergangener Woche hatte die Zentralbank zudem den Kreis der möglichen Papiere erweitert, die sie kaufen kann. Erstmals können jetzt auch Unternehmensanleihen etwa vom italienischen Energieversorger Enel dazugehören. Die Notenbanker begründeten die Erweiterung des Einkaufszettels damit, dass es sich um Infrastruktur-Finanzierer handele. Marktbeobachter kritisierten aber, dass die EZB davor stehe, sich auch am Markt für Unternehmensanleihen zu engagieren – die Grenze zwischen den verschiedenen Anlageklassen scheint ihnen nicht deutlich genug gezogen.

Kommentare (8)

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Herr walter danielis

06.07.2015, 16:53 Uhr

Wenn das auf Dauer funktioniert, haben wir alle Probleme fest im Griff. Warum hat man das nicht früher schon gemacht. Wenn man Geld braucht druckt man welches. So einfach ist das.

G. Nampf

06.07.2015, 17:02 Uhr

Und es entsteht weiter Geld aus dem Nichts.

Der Euro wird zur Ramsch-Währung.

Bald werden wir die Griechen darum bitten müssen, daß wir dem europäischen Drachmen-Raum beitreten dürfen.

Herr F. Marder

06.07.2015, 17:22 Uhr

Draghi macht aus dem EURO die neue Lira! Damit hat er ja genügend Erfahrung ;0(

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