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08.08.2014

13:14 Uhr

Anleihemarkt

China droht Pleitewelle

Investoren haben Milliarden in den chinesischen Markt für Hochzins-Anleihen gesteckt. Jetzt könnte die Blase platzen. Viele Firmen können Anleihen nicht bedienen. Es droht eine Pleitewelle.

Blick auf das Finanzdistrikt in Shanghai: Schuldscheine mit einem Gesamtvolumen von 750 Millionen Euro werden im kommenden Quartal fällig. AFP

Blick auf das Finanzdistrikt in Shanghai: Schuldscheine mit einem Gesamtvolumen von 750 Millionen Euro werden im kommenden Quartal fällig.

Bei den kleinen Unternehmen, die den chinesischen Privat-Markt für Hochzins-Anleihen dominieren, steigt das Risiko von Ausfällen. Ihre Zahlungsverpflichtungen sind auf einen Rekord-Wert angeschwollen, während die Wirtschaft des Landes gleichzeitig so langsam wächst wie in zwei Jahrzehnten nicht mehr.

Von der Privat-Wirtschaft ausgegebene Schuldscheine mit einem Gesamtvolumen von 6,2 Milliarden Yuan (750 Millionen Euro) werden im kommenden Quartal fällig. Das belegen Erhebungen von China Merchants Securities. Das sei der höchste Wert seitdem der Staat derartige Emissionen durch kleine und mittelgroße Schuldner im Jahr 2012 genehmigte.

Erste Anzeichen für eine Ausfall-Welle gibt es bereits. Der Garantiegeber für Papiere, die von Xuzhou Zhongsen Tonghao New Board begeben wurden, half dem Baumaterialien-Hersteller, als er im März eine Kupon-Zahlung verpasste. Nach Angaben von China Merchants haben mindestens drei andere Firmen dieses Jahr vor „Zahlungs-Krisen” gestanden. Der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang hat sich dafür eingesetzt, kleineren Unternehmen mehr Finanzierungsquellen zu erschließen. Diese Firmen machen 70 Prozent der chinesischen Volkswirtschaft aus.

Risiken und Nebenwirkungen von Hochzins-Anleihen

Was passiert, wenn Zinsen niedrig bleiben

Hochzinspapiere erscheinen relativ attraktiv, da finanzstarke Emittenten nur extrem niedrige Zinsen zahlen. Gerade schwach beleumundete Schuldner sind auf steigende Preise für ihre Produkte angewiesen, um ihren Verpflichtungen nachzukommen. Signalisieren die Niedrigzinsen gar eine Phase fallender Preise (Deflation), steigt das Pleiterisiko erheblich.

Was tun wenn die Zinsen niedrig bleiben

Unternehmensanleihen im Rahmen der Streuung des Depots beimischen. Deutet sich eine Phase fallender Güterpreise an, sollten Anleger ihre Hochzinsanleihen verkaufen und keine Neuengagements eingehen.

Was passiert wenn die Zinsen steigen

Bei steigenden Zinsen bieten Hochzinspapiere und Schrottbonds etwas Schutz vor sehr hohen Kursverlusten, weil sie einen relativ hohen Kupon bieten. Allerdings kommen lang laufende Papiere spätestens dann unter Druck, wenn sich neue Papiere gut beleumundeter Schuldner im Zins den Kupons alter Schrottbonds deutlich annähern.

Was tun wenn die Zinsen steigen

Papiere mit einer Bonität knapp unterhalb der Investitionsklasse mit einer Laufzeit bis zu rund vier Jahren sind attraktiv. Allgemeine Konjunktur- und Branchenprobleme oder individuelle Fehlgriffe des Managements bedrohen Hochzinsbonds generell.

Fazit

In Phasen halbwegs erträglicher Konjunktur und fallender Zinsen sind Hochzinsbonds gut geeignet. Diese Kombination dürfte es aber in den kommenden Jahren kaum noch geben.

Gestartet wurde der private Ramsch-Anleihenmarkt im Juni 2012. Dahinter stand das Ziel, kleinen Unternehmen die Möglichkeit zu geben, sich Geld außerhalb des Systems von Schattenbanken zu beschaffen. Kreditnehmer verkaufen die Papiere direkt an institutionelle Investoren am Markt - im Unterschied zu Schuldverschreibungen, die öffentlich versteigert werden. Kleinere Firmen mussten im Rahmen des Test-Programms keinerlei Eigenkapital- oder Gewinnvorgaben erfüllen, teilten die Börsen von Shanghai und Shenzhen mit.

Von Bloomberg News befragte Analysten gehen derweil davon aus, dass sich das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr auf 7,4 Prozent abschwächen wird. Das wäre die geringste Expansion seit dem Jahr 1990. „Die derzeitigen Risiken am Privat-Anleihenmarkt sind wahrscheinlich die Vorzeichen für einen Sturm”, sagte Sun Binbin, Anleihe-Analyst bei China Merchants in Schanghai. „Nur in einigen Sektoren der Wirtschaft hat es Verbesserungen gegeben, aber längt nicht in allen.”

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