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07.03.2013

10:27 Uhr

Anleihemarkt

„Die EZB kann nur rettungswillige Länder retten“

Anleger am Anleihemarkt halten sich zurück. Bundesanleihen notieren kaum verändert. Der Markt wartet auf die Zinsentscheidung der EZB. Analysten erwarten keine Zinssenkung. Doch Italien sorgte für Spekulationen.

Das Euro-Zeichen vor der Europaeischen Zentralbank in Frankfurt am Main. Anleger warten auf den Zinsentscheid. dapd

Das Euro-Zeichen vor der Europaeischen Zentralbank in Frankfurt am Main. Anleger warten auf den Zinsentscheid.

FrankfurtDie Renditen zehnjähriger Bundesanleihen war am Morgen wenig verändert. Der Markt richtet seine Aufmerksamkeit auf die am Donnerstag stattfindende EZB- Sitzung und die Verkündung der Zinsentscheidung am frühen Nachmittag.

Das politische Patt in Italien hat einige Beobachter dazu veranlasst, mit einer Zinssenkung zu rechnen. Ökonomen von Nomura dagegen glauben, dass die EZB den Druck auf die Regierungen aufrechterhalten wird.

„Die Italienwahl hat die Fliehkraft funktionsgestörter Politik wieder in den Mittelpunkt gerückt, aber Zinssenkungen sind nicht die Antwort“, sagte Richard Barwell, leitender Volkswirt bei Royal Bank of Scotland Group Plc in London. „Die EZB kann keine Regierungen und Länder retten, die sich nicht selbst retten wollen.“

Steckt die Welt im Währungskrieg?

Warum hat der Euro an Wert gewonnen?

Der Höhepunkt der Euro-Krise im Jahr 2012 war ein Tiefpunkt für den Euro. Der Wechselkurs fiel bis auf 1,20 Dollar. Seitdem hat sich die europäische Währung wieder erholt. Aktuell notiert sie bei 1,35 Dollar.
Für Europas obersten Währungshüter, EZB-Chef Mario Draghi, ist klar: „Die Aufwertung ist ein Zeichen der Rückkehr des Vertrauens in den Euro.“ Dazu kam die sehr lockere Geldpolitik in Japan und den USA: Die dortigen Notenbanken öffneten ihre Geldschleusen extrem weit, machten damit ihre Währungen billig. Das funktioniert so: Investoren verkaufen Wertpapiere in Dollar oder Yen (zum Beispiel an die Zentralbank, die sie ihnen mit frisch gedrucktem Geld abnimmt) und kaufen stattdessen welche in Euro. Als Konsequenz ändern sich die Wechselkurse - die „Preise“ für Währungen, die Angebot und Nachfrage widerspiegeln.

Welche Ziele verfolgen die Notenbanken in den USA und Japan?

Draghi ist überzeugt: Es geht nicht um einen „Währungskrieg“ oder einen Wettlauf um die billigste Währung. Vielmehr seien die aktuellen Wechselkursbewegungen ein Nebeneffekt der diversen Bemühungen, die Wirtschaft anzuschieben. Allerdings ist der Ansatz der Notenbanken teils völlig verschieden: Während Preisstabilität vorrangiges Ziel der EZB ist, hat die US-Notenbank Fed explizit einen doppelten Auftrag: Stabile Preise und möglichst hohen Beschäftigungsstand. „Man löscht dann dort eben das Feuer, das am heißesten brennt“, erklärt Commerzbank-Notenbankexperte Bernd Weidensteiner. In Japan übte die Regierung massiv Druck auf die Notenbank aus, die Geldschleusen noch weiter zu öffnen - ein fatales Signal, wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann meint: Die Unabhängigkeit der Zentralbank sei essenziell.

Wie reagiert die Europäische Zentralbank?

EZB-Präsident Draghi erklärte, die Notenbank habe die Euro-Aufwertung als potenzielles Risiko für Konjunktur und Geldwertstabilität im Auge. In einen „Währungskrieg“ will sich die EZB aber bisher nicht hineinziehen lassen - auch weil geldpolitische Schritte zur gezielten Euro-Abwertung Reformen der Krisenstaaten bremsen könnten. „Bei einem Krieg gibt es immer nur Verlierer“, sagte EZB-Direktor Jörg Asmussen dem „Handelsblatt“. „Wenn andere Notenbanken einen anderen Weg gehen, müssen wir dem nicht automatisch folgen.“

Wer profitiert von einem starken Euro?

Für Verbraucher in Deutschland bringt ein starker Euro mehrere Vorteile: Urlaubsreisen in ferne Länder werden tendenziell günstiger, ebenso wie der Sprit an der Tankstelle. Tendenziell werden alle importieren Waren günstiger. Auch Unternehmen, die für ihre Produktion Rohstoffe wie Erdöl einführen müssen, können preiswerter einkaufen. Denn diese Rohstoffe werden in Dollar abgerechnet.

Wem schadet ein starker Euro?

Vor allem der deutschen Exportwirtschaft. Seit Sommer 2012 hat der Euro zu vielen Währungen aufgewertet. Waren aus dem Euroraum werden im außereuropäischen Ausland tendenziell teurer, das könnte die konjunkturelle Erholung im Euroraum gefährden. Deutsche Maschinenbauer spüren den stärkeren Euro bereits, weil ihre Produkte gegenüber der Konkurrenz aus den USA oder Asien teurer werden. Doch während sich deutsche Maschinen, Autos und Elektroprodukte auch über guten Ruf und Qualität verkaufen, dürfte der erstarkte Euro vor allem Euro-Krisenländern wie Griechenland, Portugal und Spanien zu schaffen machen. Allerdings bezweifelt EZB-Direktoriumsmitglied Asmussen, dass das Wechselkursthema entscheidend ist für die Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder: „Da geht es um Lohnstückkosten, Bürokratiekosten, mangelnde Produktivität und überregulierte Produktmärkte.“

Ist der Euro gegenüber Dollar oder Yen schon überbewertet?

Laut Draghi bewegt sich der Euro in der Nähe seines langfristigen Durchschnittswerts. 2008 hatte der Euro mal beinahe 1,60 US-Dollar gekostet, 2003 weniger als 90 US-Cent. Glaubt man dem „Big-Mac-Index“ des Magazins „Economist“, dann ist der japanische Yen gegenüber Euro und US-Dollar noch unterbewertet. Der Index vergleicht den Preis für den gleichen Burger in verschiedenen Währungsräumen. Demnach kostete der Big Mac in den USA im Januar 4,37 Dollar, im Euroraum 4,88 Dollar, in Japan nur 3,51 Dollar. Bereinigt um die Wirtschaftskraft pro Kopf ist der Burger damit in Japan um 17,1 Prozent zu billig, in der Eurozone aber um 20,8 Prozent zu teuer. In Deutschland kostet der Big Mac übrigens demnach „nur“ 17,7 Prozent mehr als in den USA, in Griechenland aber 28,1 Prozent, in Italien sogar satte 34,6 Prozent mehr.

Zehnjährige Bundesanleihen rentierten zuletzt mit 1,46 Prozent kaum verändert. Der Terminkontrakt Bund-Future sank um drei Basispunkte auf 143,23 Prozent.

Die Rendite zehnjähriger italienischer Bonds fiel um einen Basispunkt auf 4,65 Prozent, entsprechende spanische Papiere rentierten einen Basispunkt tiefer bei 5,00 Prozent.

Am Markt für US-Staatsanleihen waren die Kurse geringfügig fester. Die Rendite zehnjähriger US-Treasuries gab um einen Basispunkt auf zuletzt 1,93 Prozent nach.

Kommentare (2)

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Sarina

07.03.2013, 10:38 Uhr

„Die EZB kann keine Regierungen und Länder retten, die sich nicht selbst retten wollen.“
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Ja, und wir sollten auch diejenigen nicht retten wollen, die selber keinen eigenen Beitrag zu ihrer Rettung beitragen wollen! Das wäre gegenüber unseren Folgegenerationen und gegenüber den eigenen Problemen in Deutschland absolut ungerechtfertigt - und würde mittelfristig systemische Veränderer auf den Plan rufen.

Account gelöscht!

07.03.2013, 11:11 Uhr

Von der Folgegeneration werden alljährlich 200.000 Kinder bereits im Mutterleib abgemurkst. Mit staatlicher Duldung, Förderung und Finanzierung.
Was sind "eigene Probleme in Deutschland"?


Das System ist der Fehler....

So sind wir auf einem guten Wege.

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